Interview

Gründertalk: „Frauen dürfen keine Angst vor Macht und Erfolg haben“

Warum Gründen auch weiblich ist, weshalb es sich lohnt und worauf Frau sich gefasst machen muss, verraten Wirtschaftsreferentin Eva Weber, creationell-Geschäftsführerin Kathrin Lampe und Planstack-Gründerin Linda Mayr im Interview.

Das Augsburg Center for Entrepreneurship der Universität Augsburg legte bei seinem Gründertalk am 5. Februar seinen Fokus auf Frauen in der Startup-Szene. Wir haben mit den Referentinnen gesprochen, warum Frauen seltener gründen und welche Tipps sie für angehende Gründerinnen haben.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Warum gründen so wenige Frauen?

Eva Weber: Frauen absolvieren seltener MINT-Studiengänge – und sind damit seltener in Startup-affinen Bereichen zu finden. Genau hier setzen wir mit unserem städtischen MINT-Netzwerk an. Wirtschaft und Wissenschaft wollen gemeinsam das Interesse an MINT-Berufen und Studiengängen fördern und dabei insbesondere auch junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Fächer begeistern. Aber auch die Vereinbarkeit von Gründungsjob und Familie gehört nach wie vor zu den Hauptgründen, warum Frauen seltener gründen.

Kathrin Lampe: Ich denke, Frauen haben beim Gründen dieselben Chancen und Risiken wie Männer. Den Frauen fehlt lediglich das Selbstverständnis, es einfach zu tun. Und das „klassische Rollenverhältnis“, sozusagen vorab vorrausschauend gedacht, legt Steine in den Weg. Die Praxis zeigt aber, dass dies sehr wohl und sehr gut machbar ist. Auch alleinerziehend, wie ich seit 6 Jahren bin.

Linda Mayr: Ein Grund dafür ist, meiner Meinung nach, dass Frauen bezüglich des Karriereweges nicht ganz so risikofreudig sind wie Männer. Viele Frauen – auch ich bis vor Kurzem – ziehen ein Angestelltenverhältnis, das finanzielle Sicherheit gibt, einer (vorerst unsicheren) Existenzgründung vor.

Welchen Rat haben Sie für Frauen, die sich überlegen, zu gründen?

Eva Weber: Mut! Mut, sich für die Sache, für die man brennt, zu entscheiden. Mut, den Schritt zu machen, der eine andere Lebensqualität, neue Chancen und mehr Selbstbewusstsein und Freiheit eröffnen. Und Frauen dürfen keine Angst vor Macht und Erfolg haben. Macht hilft zu gestalten, hilft die eigenen Ideen, Ziele und Vorhaben durchzusetzen und voranzubringen.

Kathrin Lampe: Gründen soll man dann, wenn man echtes Herzblut für die Sache hat, flexibel, aber geradlinig ist sowie auch mal verlieren kann und trotzdem wieder aufsteht. Das sind meiner Meinung nach die Grundeigenschaften. Über alles andere sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen – wer die Grundeigenschaften mitbringt, findet immer einen Weg.

Linda Mayr: Macht es! Er hat mehr Vorteile, als Nachteile. Man sammelt neue Erfahrungen und lernt viele Gründer und ihre Geschichten kennen. Besonders während oder kurz nach dem Studium sind in der Regel die Verpflichtungen überschaubar und das ist eine Zeit, die man nutzen sollte!

Gibt es in Augsburg speziell für Frauen Anlaufstellen zum Thema Gründen?

Eva Weber: Es gibt Dank der Initiative „Augsburg gründet“ mittlerweile viele Netzwerke, Mentoring-Programme und Veranstaltungen. Als Beispiele seien Augsburg gründet, das GründerPicnic oder die Beratungsangebote des Digitalen Gründerzentrums oder Umwelttechnologischen Gründerzentrums genannt. Diese Events richten sich an alle Zielgruppen. Darüber hinaus richten sich einige Formate wie der Gründertalk gezielt an Augsburg Gründerinnen und solche, die es werden wollen. Unser Ziel ist es, erfolgreiche Unternehmerinnen stärker öffentlich sichtbar zu machen und Gründerinnen ein Vorbild zu präsentieren. Denn Entrepreneurship ist eben auch weiblich – es gibt viele tolle Beispiele in der Region dafür.

War es für Sie schon mal ein Nachteil, eine Frau in Führungsposition zu sein?

Kathrin Lampe: Nein. Für mich persönlich nie. Ich habe mir aber auch nie viele Gedanken darüber gemacht, was es heißt, als Frau in einer Führungsposition zu sein. Das Rollenverhältnis spielt für mich beruflich tatsächlich keine Rolle. Ich denke, Frau zu sein hat vielleicht manchmal Nachteile aber auch genauso viele Vorteile. Deshalb sollte man es einfach so nehmen wie es ist.

Auf was muss man sich als weibliche Gründerin gerade am Anfang gefasst machen?

Linda Mayr: Dass man oft in „Unterzahl“ ist. Wie ich gehört und gelesen habe, traf man Frauen vor 2-3 Jahren innerhalb der Gründerszene äußerst selten an. Meiner Meinung nach, hat sich das gewandelt. Bei Veranstaltungen sind wir Frauen zwar meistens noch in der Minderheit, aber doch gut vertreten.

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Kathrin Lampe: Ich denke, Frauen haben beim Gründen dieselben Chancen und Risiken wie Männer. Den Frauen fehlt lediglich das Selbstverständnis, es einfach zu tun. Und das „klassische Rollenverhältnis“, sozusagen vorab vorrausschauend gedacht, legt Steine in den Weg. Die Praxis zeigt aber, dass dies sehr wohl und sehr gut machbar ist. Auch alleinerziehend, wie ich seit 6 Jahren bin.

Linda Mayr: Ein Grund dafür ist, meiner Meinung nach, dass Frauen bezüglich des Karriereweges nicht ganz so risikofreudig sind wie Männer. Viele Frauen – auch ich bis vor Kurzem – ziehen ein Angestelltenverhältnis, das finanzielle Sicherheit gibt, einer (vorerst unsicheren) Existenzgründung vor.

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Kathrin Lampe: Gründen soll man dann, wenn man echtes Herzblut für die Sache hat, flexibel, aber geradlinig ist sowie auch mal verlieren kann und trotzdem wieder aufsteht. Das sind meiner Meinung nach die Grundeigenschaften. Über alles andere sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen – wer die Grundeigenschaften mitbringt, findet immer einen Weg.

Linda Mayr: Macht es! Er hat mehr Vorteile, als Nachteile. Man sammelt neue Erfahrungen und lernt viele Gründer und ihre Geschichten kennen. Besonders während oder kurz nach dem Studium sind in der Regel die Verpflichtungen überschaubar und das ist eine Zeit, die man nutzen sollte!

Gibt es in Augsburg speziell für Frauen Anlaufstellen zum Thema Gründen?

Eva Weber: Es gibt Dank der Initiative „Augsburg gründet“ mittlerweile viele Netzwerke, Mentoring-Programme und Veranstaltungen. Als Beispiele seien Augsburg gründet, das GründerPicnic oder die Beratungsangebote des Digitalen Gründerzentrums oder Umwelttechnologischen Gründerzentrums genannt. Diese Events richten sich an alle Zielgruppen. Darüber hinaus richten sich einige Formate wie der Gründertalk gezielt an Augsburg Gründerinnen und solche, die es werden wollen. Unser Ziel ist es, erfolgreiche Unternehmerinnen stärker öffentlich sichtbar zu machen und Gründerinnen ein Vorbild zu präsentieren. Denn Entrepreneurship ist eben auch weiblich – es gibt viele tolle Beispiele in der Region dafür.

War es für Sie schon mal ein Nachteil, eine Frau in Führungsposition zu sein?

Kathrin Lampe: Nein. Für mich persönlich nie. Ich habe mir aber auch nie viele Gedanken darüber gemacht, was es heißt, als Frau in einer Führungsposition zu sein. Das Rollenverhältnis spielt für mich beruflich tatsächlich keine Rolle. Ich denke, Frau zu sein hat vielleicht manchmal Nachteile aber auch genauso viele Vorteile. Deshalb sollte man es einfach so nehmen wie es ist.

Auf was muss man sich als weibliche Gründerin gerade am Anfang gefasst machen?

Linda Mayr: Dass man oft in „Unterzahl“ ist. Wie ich gehört und gelesen habe, traf man Frauen vor 2-3 Jahren innerhalb der Gründerszene äußerst selten an. Meiner Meinung nach, hat sich das gewandelt. Bei Veranstaltungen sind wir Frauen zwar meistens noch in der Minderheit, aber doch gut vertreten.

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