Augsburger Startup

Plasmion Erfindung kann sich „mit dem Silicon Valley“ messen

MdB Ulrike Bahr und Dr. Jan-Christoph Wolf von Plasmion. Foto: Angelika Lonnemann
In Deutschland gründen ist für junge Wissenschaftler schwierig, berichtete Plasmion-Gründer Dr. Jan-Christoph Wolf. Wie es dennoch gelingt, was die Politik von Gründern lernen kann und was ihre nächsten Schritte sind, war Thema beim Besuch von Ulrike Bahr.

Erfunden haben die Dr. Jan-Christoph Wolf, sein Bruder Dr. Thomas Wolf und Dr. Klaus Wutz eine „Elektronisch Nase“. Es ist eine Messsonde für die direkte Messung von flüchtigen Substanzen. Der offizielle Name des Produkts lautet „SICRIT“-Sensor. Dieser wird in den Analyselaboren als Modul auf Massenspektrometer aufgesetzt und ermöglicht dadurch die Echtzeit-Analyse aller Moleküle. Vor drei Jahren haben sich die drei mit Plasmion selbstständig gemacht.

„Ohne dieses Stipendium hätten wir es nicht geschafft“

Geholfen hat das EXIST-Förderstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi), das auch mit EU-Geld gefördert wird. Zu dritt bekamen sie für ein Jahr 130.000 Euro. „Ohne dieses Stipendium hätten wir es nicht geschafft“, erzählt Wolf beim Besuch von MdB Ulrike Bahr. Kennengelernt hat die Bundestagsabgeordnete die jungen Gründer auf dem Hightech-Gründerforum in Berlin. Da sie dort keine Zeit für ein längeres Gespräch hatten, kam sie ins Gewerbegebiet Augsburg-Lechhausen. Augsburg, Heimat eines der Gründer, bot dem Startup überraschenderweise die richtige Infrastruktur, wie das Unternehmen erklärte. Während des Stipendiums hatten sie an der Technischen Universität München ein Labor.

In Deutschland sei es für gründungswillige junge Wissenschaftler schwierig, berichtete Wolf weiter. Startups hätten in der Regel weder Geld für Personal, Equipment oder für Raum. Vor allem aber begegne man ihnen ganz grundsätzlich mit Skepsis. „In Deutschland bekommen Gründer zum Beispiel kaum einen Kredit von der Bank, weil diese das Risiko scheuen. Und mit Investoren kauft man sich unter Umständen mehr Fremdbestimmung mit ein.“ Als Gründer gehe man daher privat „immer finanziell volles Risiko“. Neuen Mitarbeitern könne man noch kein gutes Gehalt zahlen. „In den USA läuft das genau andersrum: Startups kommen dort in der Regel deutlich einfacher an Risikokapital und können dann unter Umständen mehr Gehalt zahlen als die Hightech-Konzerne, um an die besten Köpfe zu kommen. Auch Plasmion suchen nach neuen Mitarbeitern. Nicht ganz einfach auch, da es Spezialisten sein müssen.

Weltweiter Versand

Wie viel Potenzial im Unternehmen steckt, zeigt nicht nur die erfolgreiche Sponsorensuche oder der Gewinn des Startup-Slams in Augsburg vor zwei Jahren. Über Labordistributoren wird der „SICRIT“-Sensor bereits nach Australien, Japan, Schweiz oder ins europäische Ausland verkauft. „Wir sind schon stolz, dass sich unser Hightech-Produkt mit dem Silicon Valley messen kann“, so Wolf. Aktuell arbeiten die drei an einem transportablen Modul. So können Luft oder Gase analysieren werden – egal ob im menschlichen Atem, in Abgasen, beim Sprengstoff-Erschnüffeln oder bei Pestiziden im Boden.

Zentralisierung der Bildung gefordert

Zum Abschluss des Besuchs richtete Wolf noch einen Appell an die Abgeordnet: „Ich bin der Meinung, dass die Politik von Startups etwas lernen kann. Insbesondere den Mut und die Entschlossenheit auch langjährig etablierte Strukturen nicht nur stückweise zu verbessern, sondern auch komplett neue disruptive Lösungsansätze zu suchen.“ Für Ihn sind die Reformen nicht weitreichend genug – diese fehlende Zukunftsperspektive führe dann zu Politikverdrossenheit. Stattdessen seien nachhaltige langfristige Ideen und Konzepte gefordert.

Ulrike Bahr stimmte Wolf zu, als dieser die Zentralisierung der Bildung in Deutschland forderte. „Gerade im Wissenschaftsbereich sollte Deutschland sich doch als Einheit sehen, aktuell sind die Hochschulen meist in Länderhand – und für jedes Bundesland gelten da andere Richtlinien“. Weiterhin unterhielten sich Bahr und Wolf über die mögliche zusätzliche Finanzierung der Wissenschaft durch Unternehmen, wenn diese zum Beispiel Hochschulen mitfinanzierten, die Ressource Wissen und Know-how in Deutschland und die Verkehrswende.

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In Deutschland sei es für gründungswillige junge Wissenschaftler schwierig, berichtete Wolf weiter. Startups hätten in der Regel weder Geld für Personal, Equipment oder für Raum. Vor allem aber begegne man ihnen ganz grundsätzlich mit Skepsis. „In Deutschland bekommen Gründer zum Beispiel kaum einen Kredit von der Bank, weil diese das Risiko scheuen. Und mit Investoren kauft man sich unter Umständen mehr Fremdbestimmung mit ein.“ Als Gründer gehe man daher privat „immer finanziell volles Risiko“. Neuen Mitarbeitern könne man noch kein gutes Gehalt zahlen. „In den USA läuft das genau andersrum: Startups kommen dort in der Regel deutlich einfacher an Risikokapital und können dann unter Umständen mehr Gehalt zahlen als die Hightech-Konzerne, um an die besten Köpfe zu kommen. Auch Plasmion suchen nach neuen Mitarbeitern. Nicht ganz einfach auch, da es Spezialisten sein müssen.

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Zum Abschluss des Besuchs richtete Wolf noch einen Appell an die Abgeordnet: „Ich bin der Meinung, dass die Politik von Startups etwas lernen kann. Insbesondere den Mut und die Entschlossenheit auch langjährig etablierte Strukturen nicht nur stückweise zu verbessern, sondern auch komplett neue disruptive Lösungsansätze zu suchen.“ Für Ihn sind die Reformen nicht weitreichend genug – diese fehlende Zukunftsperspektive führe dann zu Politikverdrossenheit. Stattdessen seien nachhaltige langfristige Ideen und Konzepte gefordert.

Ulrike Bahr stimmte Wolf zu, als dieser die Zentralisierung der Bildung in Deutschland forderte. „Gerade im Wissenschaftsbereich sollte Deutschland sich doch als Einheit sehen, aktuell sind die Hochschulen meist in Länderhand – und für jedes Bundesland gelten da andere Richtlinien“. Weiterhin unterhielten sich Bahr und Wolf über die mögliche zusätzliche Finanzierung der Wissenschaft durch Unternehmen, wenn diese zum Beispiel Hochschulen mitfinanzierten, die Ressource Wissen und Know-how in Deutschland und die Verkehrswende.

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