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Carbonfasern können für Sportautos oder im Wohnungsbau, aber auch für den Bau militärischer Drohnenrümpfe verwendet werden. „Dual-Use“ heißt es, wenn Güter zivil und militärisch genutzt werden können. Relevanz hat das, weil in der Wirtschaftskrise immer mehr deutsche Industrieunternehmen zu kämpfen haben. Gleichzeitig gibt es einen Rüstungsboom: Die weltweiten Rüstungsausgaben sind zum elften Mal in Folge gestiegen, Deutschland will laut dem Haushaltsbeschluss kommendes Jahr rund 110 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben. Unternehmen wie Renk sind im rasanten Aufwind. So war in diesem Jahr auf einigen Hauptversammlungen von Industrieunternehmen bereits zu hören gewesen, dass man für sich Chancen in der Rüstungsindustrie sehe. Etwa SGL Carbon.
Das Forschungsunternehmen Prognos AG sieht für Deutschland in Dual-Use nun Chancen auf eine industrielle Transformation. Prognos hat mit seinem Medienpartner Handelsblatt das Dual-Use-Potenzial der deutschen Industrie im verarbeitenden Gewerbe und in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) entlang der 79 IHK-Bezirke untersucht. Deutschlandweit könnte laut der Prognos-Studie fast jeder zweite Industriearbeitsplatz (45,4 Prozent) Dual-Use-Güter herstellen. „Die Grenzen zwischen militärischen, sicherheitsrelevanten und zivilen Märkten verschwimmen“, sagt Prognos-Studienleiter Markus Mahle.
Auch in Bayerisch-Schwaben ist mit 44,7 Prozent fast jede zweite Stelle Dual-Use-fähig. Deutschlandweit zählt die Region damit zu den größten Standorten für Dual-Use-fähige Beschäftigung und landet hier auf Platz fünf und damit unter anderem vor Hamburg oder Köln.
Weil Bayerisch-Schwaben stark diversifiziert ist, ist die Abhängigkeit von einzelnen Industriebranchen aber nicht so groß wie etwa in Stuttgart oder Ingolstadt. Insgesamt liegt Bayerisch-Schwaben demnach im Dual-Use-Atlas auf Platz 15 von 79 und gehört damit zur Spitzengruppe. Innerhalb Bayerns zählt die Region hinter München/Oberbayern und Nürnberg/Mittelfranken zu den drei wichtigsten Dual-Use-Standorten.
Die Studie sieht die Stärke der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft in ihrer diversifizierten Wirtschaftsbasis, sowohl was die Industriezweige angeht als auch die Kombination aus Mittelstand und Großunternehmen. Dadurch entsteht eine technologische Vielfalt in der Region, die den Unternehmen unterschiedliche Anknüpfungspunkte in sicherheits- und verteidigungsrelevanten Bereichen schafft.
Den Maschinenbau sieht die Studie als wichtigste Säule des Dual-Use-Potenzials in Bayerisch-Schwaben. Hier arbeiten 34,3 Prozent der Dual-Use-fähigen Beschäftigten. Die Studie nennt hier Kuka als Beispiel für „die hohe Kompetenz der Region in den Bereichen Automatisierung, Antriebstechnik und industrielle Fertigung“. Aber auch AGCO Fendt aus Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim. Denn auch die Güter des Herstellers von land- und forstwirtschaftlichen Maschinen lassen sich militärisch nutzen.
Auch Autozulieferer aus Bayerisch-Schwaben können von Dual-Use profitieren. Die Mindelheimer Grob-Werke mit ihren hochpräzisen Werkzeugmaschinen und Fertigungsanlagen nutzen ihr Dual-Use-Potenzial schon. „Die Autoindustrie macht gerade Pause, dafür bekommen wir gerade viele Anfragen aus der Rüstungsindustrie, die auf keinen Fall chinesische Anlagen haben will“, sagte CEO German Wankmiller im Frühjahr auf der Grob-Hausmesse. Das seien Anfragen, mit denen Grob nicht gerechnet habe und die derzeit Hoffnung machten.
Der bisher zivile Forvia-Standort in Augsburg wird künftig sogar rein militärische Güter herstellen: Das spanische Rüstungsunternehmen GDELS kauft Forvia den gesamten Standort ab. In den kommenden neun Monaten sollen die Mitarbeitenden auf die Anforderungen der Rüstungsindustrie vorbereitet werden.
Der in Schieflage geratene Autozulieferer ZF Friedrichshafen entwickelt gemeinsam mit Rolls-Royce Power Systems einen Hybridantrieb für den europäischen MGCS-Panzer.
Die bayerisch-schwäbische Wirtschaft ist mit Unternehmen wie Airbus Helicopters, Airbus Aerospace und MT Aerospace auch für ihre Luft- und Raumfahrtindustrie bekannt. „Häufig unterschätzt wird, dass sich dessen Zulieferstrukturen ebenfalls direkt in der Region befinden“, heißt es in der Studie. Etwa Liebherr-Aerospace aus Lindenberg im Allgäu. Liebherr-Aerospace stellt unter anderem Fahrwerke und Flugsteuerungssysteme für zivile, wie für militärische Flugzeuge her und schafft derzeit am Standort Friedrichshafen Stellen.
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Doch auch bei Hidden Champions wie Ceratizit aus Kempten, Hersteller von Hartmetallwerkzeugen, oder Magnet-Schulz aus Memmingen sieht die Studie Dual-Use-Potenzial. Magnet-Schulz entwickelt unter anderem hochspezialisierte Elektromagnete und Sensoren, die sowohl in der Industrieautomation als auch in Waffensystemen zum Einsatz kommen.
Die Studie verweist auch auf den Forschungsstandort Augsburg: Durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Fraunhofer IGCV, die Universität Augsburg und die Technische Hochschule Augsburg werden Kompetenzen etwa zu Werkstoffen, Leichtbau, Automatisierung und Energietechnologien gebündelt, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Explizit nennt die Studie auch den Innovationspark. Dieser verstehe sich selbst als „Andockstelle für Unternehmen, die neue Geschäftsfelder zwischen ziviler und sicherheitsrelevanter Nutzung erschließen wollen.“
Hinweis: Die Studie hat sowohl Unternehmen wie Renk einberechnet, die sehr stark in der Rüstungsindustrie tätig sind. Aber auch Unternehmen wie SGL Carbon, die bisher im zivilen Bereich tätig waren. Sie weist also nicht aus, wie viel des Dual-Use-Potenzials bereits genutzt wird.