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Grob sucht Wachstum abseits Automotive und findet neue Treiber
Geschäfstjahr 2025/26

Grob sucht Wachstum abseits Automotive und findet neue Treiber

Auf der Hausmesse präsentiert Grob seine neue Portal-Maschine, die GP130. Ein Segment, in dem sich das Mindelheimer Unternehmen Wachstum erfhofft. Foto: Grob-Werke
Auf der Hausmesse präsentiert Grob seine neue Portal-Maschine, die GP130. Ein Segment, in dem sich das Mindelheimer Unternehmen Wachstum erfhofft. Foto: Grob-Werke

Die Mindelheimer Grob-Werke spüren die schwächelnde Autobranche. Dafür wächst das Unternehmen in anderen Branchen und diversifiziert sich. Auf der Hausmesse präsentiert Grob neue Maschinen – und Wege, gegen asiatische Wettbewerber zu bestehen.

Zölle, asiatische Wettbewerber und die schwächelnde Autoindustrie machen dem Maschinen- und Anlagenbauer Grob-Werke aus Mindelheim zu schaffen. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Marktsituation besser wird“, sagt German Wankmiller, CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung bei Grob. Die Chance für das Unternehmen sieht er in seiner Flexibilität und der Schnelligkeit der Maschinen und Anlagen. „Wenn wir rechtzeitig reagieren, können wir mit neuen Technologien Arbeitsplätze erhalten. Wir müssen nach vorn schauen und uns der Situation anpassen“, sagt Wankmiller.

So lief das Geschäftsjahr 2025/ 2026 bei Grob

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Grob einen Auftragseingang von 1,6 Milliarden Euro. Dieser liegt in ähnlicher Höhe wie im Geschäftsjahr davor. Die E-Mobilität hält mit 32,1 Prozent einen Anteil von fast einem Drittel. Ebenfalls ein Drittel macht der Zerspanungsbereich aus. Bei den Universalmaschinen konnte Grob sein Auftragsvolumen unerwartet um 22 Prozent auf 340 Millionen Euro steigern, obwohl in diesem Bereich die Aufträge weltweit um 16 Prozent zurückgegangen sind.

„Der weltweit anhaltende Bedarf an flexiblen 5-Achs-Bearbeitungslösungen sowie die starke Nachfrage aus der Luft- und Raumfahrtindustrie kompensieren derzeit schwächere Segmente, insbesondere im Automotive-Bereich“, erklärt Christian Müller, CSO der Grob-Werke, die Steigerung entgegen dem weltweiten Trend. Die Luft- und Raumfahrt gleiche dabei bei Grob den schwächelnden Automobilbereich aus: Luft- und Raumfahrt hält mit 41 Prozent mit Abstand den größten Anteil bei den Aufträgen für Universalmaschinen. Der Automobilbereich folgt auf Platz zwei, mit 21 Prozent.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2025/ 2026, über dessen Höhe sich Grob nicht äußerte, setze sich zu je 50 Prozent aus E-Mobilität und Zerspanung zusammen.

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Kunden investieren zurückhaltend

Gleichzeitig spürt Grob, dass viele Unternehmen Investitionen zurückhalten. So haben Kunden im vergangenen Geschäftsjahr Projekte und Angebote in Höhe von 950 Millionen Euro verschoben und in Höhe von 550 Millionen Euro storniert. „Das ergibt Aufträge in einer Höhe von 1,5 Milliarden Euro weniger, als wir sie früher in ruhigeren, wirtschaftlichen Zeiten gehabt hätten“, erklärt Müller. Von diesen 1,5 Milliarden hätte Grob mit seinen Kapazitäten im vergangenen Jahr rund 500 Millionen Euro abdecken können. Vor allem im Bereich E-Mobilität würden Kunden Projekte schieben. Dennoch setzt Grob weiterhin auf E-Mobilität. Müller geht davon aus, dass die Unternehmen ab 2027 wieder in die E-Mobilität investieren werden.

Lesen Sie hier:„E-Mobilität ist weiter zentraler Teil der zukünftigen Autoindustrie“

Stellenabbau bei Grob in Mindelheim

Auch geopolitische Spannungen im Allgemeinen und der laufende Streit um Zölle beeinflussen die Geschäfte von Grob negativ. „Geopolitische Themen kommen aus dem Nichts und wir müssen uns immer schneller umstellen“, sagt Müller. Daher sei man mit den 1,6 Milliarden Euro Auftragseingang zufrieden und habe die internen Ziele erfüllt.

Dennoch ist das Werk am Hauptsitz in Mindelheim wegen des Einbruchs der E-Mobilität, der US-Zölle und des Wegfalls des asiatischen Markts nicht genügend ausgelastet. Deshalb passt Grob in Mindelheim seine Kapazitäten an: Seit November 2025 hat Grob Kurzarbeit eingeführt und will diese auch in den kommenden Monaten flexibel einsetzen. Weiter wird Grob über einen längeren Zeitraum 400 Stellen sozialverträglich abbauen: durch Frührente, ein Freiwilligenprogramm und in dem Fremdpersonal reduziert wird. Zudem werden Stellen, die durch natürliche Fluktuation frei werden, nicht nachbesetzt. Zudem verringert Grob dieses Jahr die Zahl neuer Ausbildungsplätze von bisher rund 100 Stellen jährlich auf rund 60.

Foto: B4B/ Katharina Seeburger und Grob-Werke

Das erwartet Grob für das laufende Jahr

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/ 2027 rechnet Grob mit einem Auftragseingang in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Das Mindelheimer Unternehmen erwartet, dass die Elektromobilität daran einen Anteil von 45 Prozent haben wird, Universal- und Systemmaschinen 42 Prozent. Zudem will Grob im laufenden Jahr zwischen 50 und 60 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung investieren – etwas weniger als in den Jahren zuvor (68 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25 und 65 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025/26).

Hoffnung auf Luft- und Raumfahrt

Die wachsende Luft- und Raumfahrtbranche sowie deren militärischen Anwendungen machen Grob Hoffnung. „Die Autoindustrie macht gerade Pause, dafür bekommen wir gerade viele Anfragen aus der Rüstungsindustrie, die auf keinen Fall chinesische Anlagen haben will“, sagt CEO Wankmiller. „Das sind Anfragen, mit denen wir nicht gerechnet haben.“

Vor allem im Bereich der Drohnen und unbemannten Flugsysteme sieht Grob Potenzial bei elektrischen Antriebs- und Batteriesystemen und der präzisen Zerspanung von Struktur- und Gehäusebauteilen.

Grob präsentiert neue Universalmaschine

Zudem setzt das Mindelheimer Unternehmen auf Universalmaschinen. Vor allem der Markt für Portalmaschinen legt laut CSO Müller zu. Im Mittelpunkt der Grob-Hausmesse, die vom 17. bis 20. März 2026 läuft, steht daher in diesem Jahr die neue Portal-Baureihe: Zehn Jahre lang hat Grob das 5-Achs-Fräs-Portal-Bearbeitungszentrum GP1350 entwickelt. Die GP1350 eignet sich für verschiedene Branchen, darunter der Werkzeug- und Formenbau, Energietechnik, Luftfahrt und die Automobilindustrie. Sie ermögliche neue Wege, großdimensionierte Werkstücke zu bearbeiten, und sei vollständig automatisierbar. Damit eigne sie sich für Produktionsprozesse von Einzelteilen bis hin zu Großserien.

Ende 2026 soll die erste Maschine ausgeliefert werden. Müller rechnet damit, dass Grob in diesem Jahr 25 bis 30 Stück der GP1350 verkauft, im kommenden Jahr geht er von 40 bis 50 aus. Zudem will Grob 2027 mit der GP2150 die nächstgrößere Maschine dieser Baureihe auf den Markt bringen.

Chancen in Digitalisierung und Automatisierung

Doch auch in Digitalisierung und Automatisierung sieht Grob Chancen. Auf der Hausmesse hat das Unternehmen sein neues MES/ MOM-System „Cosera“ vorgestellt: Ein Leitsystem, das den Teilefluss vollständig erfasst und steuert sowie Maschinen, Automation und IT intelligent vernetzt. So können Maschinen auch nachts und am Wochenende arbeiten, ohne dass Mitarbeiter sie bedienen müssen. Untertags sind statt bis zu sechs nur bis zu zwei Mitarbeitende notwendig. Damit verschaffe sich Grob auch einen Vorteil gegenüber asiatischen Wettbewerbern. „Wir wissen, dass wir nie die billigsten sind, aber wir sind die schnellsten“, so Wankmiller. Dadurch habe man sich auch Aufträge bei Honda und Toyota in Japan gesichert. „Anlagen, die mit einer guten Software automatisiert laufen, sind das, was die europäische Industrie jetzt braucht“, sagt Wankmiller.

Zur Grob-Hausmesse in Mindelheim erwartet das Unternehmen in diesem Jahr bis zu 6.000 Besucherinnen und Besucher. Grob präsentiert mehr als 40 Maschinen, zudem kommen rund 60 Aussteller unter anderem aus den Bereichen Werkzeugtechnik, Spannmittel, CAD-/CAM und Simulation.

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