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Erst heute hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose für Deutschland deutlich angehoben. Aktuell geht der IWF von 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum für 2026 aus, doppelt so viel als im Sommer. Und auch wenn laut IHK Schwaben die Konjunktur in Bayerisch-Schwaben leicht anzieht, so richtig in Schwung kommt sie (noch) nicht. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Schwaben.
Dreimal im Jahr befragt die ihre Mitgliedsunternehmen zu deren aktueller und erwarteter Geschäftslage, ihren geplanten Investitionen, ihren größten Risiken und ob sie Arbeitsplätze schaffen oder abbauen wollen. Im Vergleich zu den vergangenen Umfragen hat sich nicht viel verändert. Nur in einem Bereich, und das überrascht.
Der IHK-Konjunkturindex setzt sich aus der aktuellen und der erwarteten Geschäftslage der Unternehmen zusammen. Für Bayerisch-Schwaben hat sich der Index im Vergleich zum Frühjahr von 102 auf 105 Indexpunkte leicht verbessert. Damit liegt er zwar wieder etwas wieder mehr über der Wachstumsschwelle von 100, aber noch acht Punkte unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 113. „Die aktuelle Geschäftslage ist nicht katastrophal, aber auch nicht super“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen.
Dabei unterscheiden sich die Branchen teilweise deutlich. Das Baugewerbe und der Einzelhandel liegen mit 90 Punkten unter der Wachstumsschwelle. Das Reise- und Gastgewerbe mit 88 noch etwas niedriger. Der Konjunkturindex der unternehmensnahen Dienstleister liegt bei 115. Deutlicher Ausreißer nach oben ist allerdings die Rüstungsindustrie mit einem Indexwert von 120 – während die Industrie allgemein in Bayerisch-Schwaben bei 103 liegt. „Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist ein wichtiger Stabilitätsanker für Bayerisch-Schwaben. Sie stützt die regionale Industrie, kann einen Aufschwung in der Breite aber nicht tragen“, sagt Lucassen.
Bisher kann die Rüstungsindustrie laut Lucassen den Stellenabbau in der Autoindustrie nicht auffangen. Sollte sich die Rüstungsindustrie aber etwa durch Mehrschichtbetriebe weiter industrialisieren, könnten laut Lucassen perspektivisch mehr Arbeitsplätze aufgefangen werden.
Der Stellenabbau bei den Unternehmen in Bayerisch-Schwaben geht indes weiter. In der Industrie will jedes vierte Unternehmen Stellen abbauen. Insgesamt plant das rund jedes fünfte Unternehmen in Bayerisch-Schwaben. Nur 12 Prozent wollen mehr Menschen einstellen. „Wir haben eine echte Strukturkrise, die wir über viele Jahre aufgebaut haben“, sagt Lucassen. „Die meisten Unternehmen wollen Stellen abbauen und nicht vor Ort investieren, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen.“
Denn während der Staat durch das Sondervermögen derzeit viel investiert, planen die Unternehmen weiterhin wenig Investitionen. 20 Prozent wollen in der Region weniger investieren, 15 Prozent planen hierzulande gar keine Investitionen. 22 Prozent wollen mehr investieren. Investiert wird aber vor allem in Ersatzbeschaffungen und in Wege, die Kosten zu senken. Immerhin ein Drittel will in Produktinnovationen investieren. Ein Viertel will seine Kapazitäten erweitern.
„Wir wollen grundsätzlich investieren und den Mut nicht verlieren“, sagt Dorothee Buhmann, stellvertretende IHK-Präsidentin und Geschäftsführerin der Buhmann Systeme GmbH. „Aber wir brauchen eine Stütze des Staates. Vor allem der Mittelstand ist in der Region verwurzelt und will hierbleiben“.
Doch für Investitionen brauche es Reformen. Vor allem die Bürokratie, die zum Beispiel durch die Verpackungsverordnung (PPWR) entsteht, ist für Buhmann ein Problem. Von ihren rund 100 Mitarbeitenden sind die meisten im Engineering und in der Produktion tätig und verlieren viel Zeit, um die Regularien umzusetzen. „Das ist die größte Hürde im Alltag, um uns wirklich um die Zukunftsfähigkeit zu kümmern“, sagt Buhmann.
Laut der IHK-Konjunkturumfrage sehen 66 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Risiko. Dicht gefolgt von den Preisen für Energie und Rohstoffe (65 Prozent). Auch die schwache Inlandsfrage (59 Prozent) und die Höhe der Arbeitskosten (57 Prozent) sehen die Unternehmen als Risiko. Der Mangel an Arbeits- und Fachkräften ist dabei mit 34 Prozent in den Hintergrund getreten.
„Es gibt Reformpakete und es ist wichtig für die Wirtschaft, dass das endlich umgesetzt wird“, sagt Buhmann. Laut der IHK Schwaben müssen durch Reformen die Kosten für Energie gesenkt werden. Auch fordert sie, dass die Sozialversicherungen stabilisiert werden, die Arbeitszeitgesetze gelockert werden und die Einkommenssteuer so reformiert wird, dass sich etwa höhere Positionen am Monatsende auch durch mehr Gehalt zeigen.
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Während die Stimmung bei den Unternehmen also nach wie vor verhalten ist, gibt es einen Bereich, in dem es überraschenderweise nach oben geht: Die Exporte in der Industrie steigen. Laut der IHK Schwaben stützen diese die Industrie. Fast 30 Prozent der Unternehmen berichten demnach von mehr Aufträgen aus dem Ausland. Auch die Exporterwartungen sind gestiegen und liegen über dem zehnjährigen Durchschnitt. „Die besseren Exportaussichten sind ein positives Signal für unsere stark international ausgerichtete Industrie“, sagt Lucassen. „Ob daraus ein dauerhafter Aufwärtstrend wird, bleibt angesichts geopolitischer Risiken und Handelshemmnisse aber offen.“
Vor allem Süd- und Mittelamerika, Asien/ Pazifik und Nordamerika sind Regionen, in die die Unternehmen mehr exportieren und auch weiter mit steigenden Exporten rechnen. „Zukunftsmärkte“, sagt Lucassen.
Doch wie passen die steigenden Exporte damit zusammen, dass sich gleichzeitig die Unternehmen im internationalen Wettbewerb immer schwerer tun? „Die Wettbewerbsfähigkeit ist schlechter geworden, aber wir haben neue Türen geöffnet“, erklärt Lucassen und meint damit die neuen Freihandelsabkommen, die die EU in letzter Zeit geschlossen hat. Mercosur, Cepa, Indien, Australien und jüngst mit den Philippinen: Seit Trumps zweiter Amtszeit hat die EU ihr Tempo bei den Verhandlungen für Freihandelsabkommen gesteigert.
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Während etwa über das Freihandelsabkommen Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien) mehr als 25 Jahre lang verhandelt wurde, ging es am Ende dann relativ schnell. Auch wurde vor einigen Jahren viel über das TTIP-Abkommen mit den USA und das Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada gestritten. Inzwischen suchen Kanada und die EU deutlich die Nähe des anderen. „Zum Glück sitzt die EU nicht mehr auf diesem hohen Ross, sondern tut, was überlebensnotwendig ist: Als Europäer suchen, mit wem wir handeln können“, sagt Lucassen.