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Die Tourismuswirtschaft in Bayerisch-Schwaben blickt zur Hauptsaison etwas positiver auf die Geschäftsentwicklung. Von Januar bis Juni wurden rund 2,7 Millionen Gästeankünfte und knapp 7,8 Millionen Übernachtungen registriert.
Bei den Gästeankünften gab es im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen. Die Zahl der Übernachtungen stieg dagegen leicht. Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben ist das ein Zeichen für eine Stabilisierung. Johanna Eggensberger bewertet dies als wichtiges Signal. „Unsere Unternehmen behaupten sich in einem anspruchsvollen Umfeld, halten ihre Angebote attraktiv und bilden vermehrt aus. Hinter diesen Zahlen stehen Unternehmerinnen und Unternehmer und ihre Beschäftigten, die jeden Tag dafür sorgen, dass sich Gäste in Bayerisch-Schwaben willkommen fühlen“, so Eggensberger.
Noch im Frühjahr war die Lage deutlich angespannter. Der IHK-Konjunkturindex für das Reise- und Gastgewerbe lag unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Nur 20 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. 27 Prozent erwarteten zugleich eine Verschlechterung im weiteren Verlauf des Sommers.
Die aktuellen Halbjahreszahlen sind deshalb ein positives Signal. Eine Entwarnung bedeuten sie aus Sicht der IHK jedoch nicht. Die verschiedenen Kennzahlen bilden unterschiedliche Bereiche der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Nach Einschätzung der IHK ist die Nachfrage grundsätzlich vorhanden. Gleichzeitig belasten hohe Kosten, Bürokratie und Personalfragen die Unternehmen.
Besonders positiv entwickelt sich das Allgäu. Die Destination kam im ersten Halbjahr auf mehr als 1,8 Millionen Gästeankünfte. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei den Übernachtungen gab es Wachstum. Ihre Zahl stieg um ein Prozent auf mehr als sechs Millionen. Damit ist das Allgäu der wichtigste Wachstumstreiber innerhalb der Region.
Im Rest von Bayerisch-Schwaben lagen sowohl die Gästeankünfte als auch die Übernachtungen noch unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt verzeichnete die Region dennoch ein leichtes Plus bei den Übernachtungen. „Das Allgäu ist unser touristisches Schwergewicht und hat eine enorme Strahlkraft. Der Tourismusstandort Bayerisch-Schwaben lebt aber gerade von seiner Vielfalt“, ordnet Johanna Eggensberger ein.
Zum Tourismus in der Region gehören neben Natur- und Urlaubstourismus auch Stadt- und Kulturreisen. Geschäfts- und Veranstaltungstourismus spielen ebenfalls eine Rolle. Hinzu kommen zahlreiche Freizeitangebote. Diese Bandbreite zeigt sich auch bei den Unternehmen. Sie reicht von Hotels und Pensionen über Restaurants und Eisdielen bis zu Freizeitangeboten. Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus reicht jedoch über das Gastgewerbe hinaus. Gäste kaufen auch im Einzelhandel ein. Sie nutzen Verkehrsangebote und besuchen Kultur- und Freizeiteinrichtungen.
Auch regionale Dienstleister und Zulieferer profitieren von der Nachfrage. Ein attraktiver Tourismusstandort kann damit zugleich die Bekanntheit und Attraktivität einer Region als Wirtschafts- und Arbeitsstandort stärken.
Positive Nachrichten kommen auch vom Ausbildungsmarkt. Während die Zahl der neu abgeschlossenen IHK-Ausbildungsverträge in Bayerisch-Schwaben insgesamt unter dem Vorjahreswert liegt, entwickelt sich das Hotel- und Gaststättengewerbe anders.
Dort wurden bislang fast 17 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im vergangenen Jahr. Die IHK verweist zudem auf die verschiedenen Möglichkeiten einer Ausbildung im Tourismus. „Eine Ausbildung im Tourismus bietet jungen Menschen abwechslungsreiche Aufgaben, viel Kontakt mit Menschen, frühe Verantwortung und zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten“, erklärt Eggensberger. Auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart am 1. September sind Bewerbungen laut IHK noch möglich. Ausbildungsplätze können teilweise auch danach noch besetzt werden.
Für eine dauerhafte positive Entwicklung sieht die IHK Schwaben vor allem die Politik in der Verantwortung. Zusätzliche Förderprogramme seien aus Sicht der Wirtschaft nicht der wichtigste Ansatz. Stattdessen fordert die IHK verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Dazu zählt sie eine Begrenzung der Kostenbelastung für Unternehmen. Auch eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und zuverlässige digitale Netze seien wichtig. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bürokratieabbau. Melde-, Dokumentations- und Berichtspflichten sollen nach Ansicht der IHK einfacher, digitaler und praxistauglicher werden.
Auch beim Arbeitsrecht und bei der Fachkräftegewinnung sieht die IHK Handlungsbedarf. Die Arbeitszeiten müssten sich stärker an der Nachfrage und an saisonalen Spitzen orientieren können. Zudem seien einfachere Verfahren bei der Zuwanderung von Arbeitskräften und beim Übergang von der Ausbildung in die Beschäftigung notwendig. „Unsere Unternehmen verlangen nicht, dass die Politik ihnen das unternehmerische Risiko abnimmt“, führt Johanna Eggensberger an. „Sie brauchen Regeln, mit denen sie vernünftig wirtschaften können: weniger Hürden, eine funktionierende Infrastruktur und genügend Flexibilität bei Arbeit und Personal.“ Betriebe würden dadurch aus eigener Kraft investieren und den Standort weiter ausbauen.