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„Aufbruch abgesagt“: Wie schlecht ist die Wirtschaftslage in der Region?
IHK-Konjunkturindex

„Aufbruch abgesagt“: Wie schlecht ist die Wirtschaftslage in der Region?

Wie kommt die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben wieder in Schwung? IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen (l.) und IHK-Präsident Reinhold Braun habe klare Forderungen an die Bundesregierung. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Wie kommt die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben wieder in Schwung? IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen (l.) und IHK-Präsident Reinhold Braun habe klare Forderungen an die Bundesregierung. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Die Lage der Unternehmen in Bayerisch-Schwaben wird branchenübergreifend schlechter. Das zeigt der Konjunkturindex der IHK Schwaben. Diese hat Vorschläge, wie die Wirtschaft wieder in Schwung kommen kann.

„Ich beneide die Präsidenten vor mir, weil sie positivere Botschaften zu verkünden hatten“, sagt IHK-Präsident Reinhold Braun mit Blick auf die Wirtschaftslage in Bayerisch-Schwaben und Deutschland. Es sei absehbar, dass die kommenden 12 Monate ein schwerer Weg werden. Braun erwartet, dass die Inflation weiter steigt. Die Investitionen gehen zurück.

Vor allem die hohen Energie- und Rohstoffpreise machen den Unternehmen derzeit zu schaffen. Verschärft wird dies durch die Rahmenbedingungen in Deutschland. „Die Krise am Persischen Golf, der fortwährende Streit in der Schwarz-Roten-Bundesregierung, der Vertrauensverlust bei den Unternehmen und der arbeitenden Mitte sowie unser zu geringes und zu teures Arbeitsvolumen geben keinen Anlass zum wirtschaftlichen Optimismus“, sagt Braun. „Das Ergebnis vieler, sich überlagernder Risiken lässt sich im IHK-Konjunkturindex ablesen.“

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IHK-Konjunkturindex sinkt

Dieser Index versprach Anfang des Jahres noch eine leicht bessere Lage für die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben, zeigt nun jedoch wieder nach unten: Der IHK-Konjunkturindex liegt aktuell bei 102. Knapp über der Wachstumsschwelle von 100 und deutlich unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 113. Dreimal im Jahr befragt die IHK ihre Mitgliedunternehmen zu deren aktueller und erwarteter Geschäftslage. Mittlerweile ist die Lage der Unternehmen laut der IHK branchenübergreifend schlechter geworden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen sieht vor allem ein strukturelles Problem in Deutschland – das die Politik nicht löst und durch externe Faktoren wie den Krieg im Iran verstärkt wird. „Die Rahmenbedingungen in Deutschland stimmen schon seit 2018 nicht mehr. Wir sind hier nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagt Lucassen. Der Handlungsspielraum der Unternehmen, ihre Situation selbst zu verbessern, sei gering.

Energiekosten als größtes Risiko

Auch viele der befragten Unternehmen (64 Prozent) sehen die Rahmenbedingungen in Deutschland als eines der größten Risiken für ihr Geschäft. Dicht gefolgt von der schwachen Inlandsnachfrage (61 Prozent) und den Arbeitskosten (57 Prozent). Durch den Ausbruch des Iran-Kriegs und dessen Folgen sehen die Unternehmen aktuell als größtes Risiko die Kosten für Energie und Rohstoffe (67 Prozent). 70 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihr Geschäft durch hohe Energiepreise belastet wird. 71 Prozent leiden unter steigenden Rohstoffpreisen.

Weniger Investitionen, steigende Inflation

In Folge planen 87 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Preise zu erhöhen. Präsident Braun geht von einer weiter steigenden Inflation aus, die die Kaufkraft der privaten Haushalte belastet – und die Inlandsnachfrage dämpft. Auch das Auslandsgeschäft geht für viele Unternehmen zurück. Vor allem Geschäfte mit China, aber auch mit Nordamerika und europäischen Ländern sei herausfordernd.

Mit Sorge blickt Lucassen auf die Investitionspläne der Unternehmen. Wegen der geringen Nachfrage im In- und Ausland planen die Unternehmen weniger Investitionen. Wenn sie investieren, dann nicht in Zukunftstechnologien am Standort, sondern in den Ersatz alter oder defekter Anlagen. Nur rund jedes vierte Unternehmen investiere in Produktinnovationen. „Die seit Jahren ausbleibenden Inlandsinvestitionen sind mehr als ein Warnsignal. Sie sind ein Verlust an wirtschaftlicher Substanz, der nun auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist“, sagt Lucassen.

Arbeitsplatzverluste drohen

Denn mehr Unternehmen planen einen Stellenabbau: 22 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sie Stellen abbauen werden. Nur 11 Prozent rechnen mit steigenden Mitarbeitendenzahlen. „Wir müssen das ernst nehmen, weil es ein früher Indikator ist“, sagt Lucassen. Dass die Arbeitslosenquote noch stabil sei, liege am demografischen Wandel und dürfe darüber nicht hinwegtäuschen.

Dementsprechend schätzen die Unternehmen den Arbeits- und Fachkräftemangel inzwischen nicht mehr als großes Risiko (35 Prozent) ein.

Soziale Marktwirtschaft als Lösung?

Hoffnung geben der IHK die neuen Freihandelsabkommen, die die EU geschlossen hat. Etwa mit Indien oder den Mercosur-Staaten. Für Lucassen können sie wichtige Impulse setzen, um internationale Absatzmärkte zu diversifizieren. „Sie sind die richtige Antwort auf die geopolitischen Krisen. In Kombination mit der notwendigen Vollendung des europäischen Binnenmarktes stärken sie die Resilienz der heimischen Industrie“, sagt Lucassen.

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Darüber hinaus fordert die IHK für einen Wirtschaftsaufschwung, dass die der Bundesregierung die lang versprochenen Reformen umsetzt und sich auf die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft zurückbesinnt. „Also mehr Markt und weniger Staat, mehr Eigenverantwortung und weniger Umverteilung und eine verlässliche Ordnungspolitik – auch in den Sozialsystemen“, sagt Braun. Das betreffe die Themen Energie, Steuern und Abgaben sowie den Arbeitsmarkt. So fordert die IHK Schwaben etwa, die Unternehmenssteuern auf 25 Prozent zu senken, der Spitzensteuersatz solle erst später greifen, um Fachkräfte zu entlasten. Die Rente mit 63 soll abgeschafft werden. Auch befürwortet die IHK eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit. In der Energiepolitik solle Deutschland weniger regulieren und einen technologieoffenen Wettbewerb fördern.

„Wenn es der Bundesregierung bis zur Sommerpause gelingt, in diesen Feldern zu liefern, kann der Konjunkturmotor wieder anspringen“, sagt Braun. „Wir benötigen mutige und konkrete Reformen, die die Lasten fair verteilen und einem Zielbild folgen, für das es sich lohnt, zu arbeiten und zu investieren.“

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