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Mehr als 25 Jahre lang haben die EU und die sogenannten Mercosur-Staaten Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay verhandelt. Am Samstag hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Freihandelsabkommen in Paraguay unterzeichnet. Das Ergebnis: Die größte Freihandelszone der Welt, die rund 700 Millionen Menschen betrifft. Die EU rechnet damit, dass die EU-Exporte in die Mercosur-Staaten um jährlich 39 Prozent steigen werden. Das entspreche rund 49 Milliarden Euro und sichere hunderttausende Arbeitsplätze in der EU. Davon sollen auch Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben profitieren.
Rund 300 Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben sind derzeit in Lateinamerika aktiv. Vor allem aus dem Maschinenbau, dem Ingenieurswesen, der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion. Mehr als 50 Unternehmen haben eigene Niederlassungen vor Ort. Die IHK Schwaben erwartet, dass die Unternehmen in der Region von dem Handelsabkommen deutlich profitieren werden und die Verflechtungen enger werden.
Laut einer IHK-Umfrage erhoffen sich 20 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben nun einen leichteren Marktzugang in Südamerika. 13 Prozent wollen dorthin mehr exportieren oder wieder damit beginnen.
Im Jahr 2024 haben bayerische Unternehmen Produkte im Wert von 2,7 Milliarden Euro in den Mercosur-Raum exportiert – laut IHK vergleichbar mit dem bayerischen Außenhandel mit Nordmazedonien.
Durch das Mercosur-Abkommen könnten bayerische Unternehmen rund 330 Millionen Euro an Zöllen sparen. EU-weit vier Milliarden Euro Zölle. Denn 91 Prozent der Einfuhrzölle auf EU-Waren entfallen künftig, etwa für Agrar- und Lebensmittelerzeugnisse und Industrieprodukte wie Autos, Maschinen und Arzneimittel. Bisher erhoben die Mercosur-Staaten zum Beispiel 35 Prozent Zölle auf EU-Autos.
Die EU rechnet damit, dass künftig die Exporte von etwa Kraftfahrzeugen um 20,7 Milliarden Euro bzw. 200 Prozent steigen werden. Bei Maschinen um 5,4 Milliarden Euro bzw. 35 Prozent.
Die IHK Schwaben bezeichnet das neue Abkommen als wichtigen Baustein, um die Wirtschaft aus bestehenden Abhängigkeiten zu führen und sich breiter aufzustellen. „Beim Bestreben, Lieferketten zu diversifizieren und Risiken zu minimieren, gewinnen neue Märkte zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Lateinamerika ist einer dieser wichtigen Zukunftsmärkte“, sagt Jana Lovell, Abteilungsleiterin International bei der IHK Schwaben.
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, sieht Freihandelsabkommen generell als Stärkung für den europäischen Wirtschaftsraum. „Gebot der Stunde ist das Diversifizieren unserer Handelsbeziehungen, um Abhängigkeiten von einzelnen Handelspartnern zu reduzieren“, sagt Brossardt. Das Mercosur sei dabei ein wichtiger Schritt – und ein klares Signal an die USA.
Landwirte in der EU befürchten allerdings, dass ein Preiskampf mit Farmern in Südamerika entstehen wird, da diese günstiger produzieren können und sich an weniger Standards halten müssen als hierzulande.
Deshalb wurde zum Schutz der europäischen Landwirte vereinbart, dass Zölle für landwirtschaftliche Produkte wieder eingeführt werden können, sollte der Preisdruck zu groß werden. Durch Kontrollen soll verhindert werden, dass Lebensmittel in die EU gelangen, die nicht den hiesigen Standards entsprechen.
Die Staaten der EU und des Mercosur müssen das Abkommen nun ratifizieren. Bis dahin gilt ein Interimsabkommen für den Handel, da dieser Teil keine Zustimmung der nationalen Parlamente benötigt.
Die IHK Schwaben fordert, dass das Abkommen schnell, transparent und praktikabel umgesetzt wird.