
Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.
In den vergangenen Monaten gab es viel Wirbel um Bahnprojekte in Bayerisch-Schwaben. Erst wurde bekannt, dass die Bahn die IC-Verbindung Hamburg – Oberstdorf streichen wird. Dann, dass dem Neubau der ICE-Strecke Ulm – Augsburg das Aus drohen könnte. Reisende und Pendler mussten zwischen Augsburg, Donauwörth und Treuchtlingen wochenlang mit Ersatzbussen fahren. Wie steht es also um den Bahnverkehr rund um das Allgäu, Augsburg und in Nordschwaben? Diese Frage beantworten wir in einer Serie – Teil zwei dreht sich um die Bahnsituation im Allgäu.
Ohne Umsteigen, mit dem IC von Hamburg über Augsburg nach Oberstdorf – das gehört der Vergangenheit an. Bereits in den vergangenen Monaten ist der IC wegen Bauarbeiten nicht mehr gefahren. Mit dem neuen Fahrplan ab Dezember 2025 hat die Deutsche Bahn diese Verbindung nun generell gestrichen. Davon betroffen sind neben Oberstdorf auch Kempten, Immenstadt, Sonthofen und Fischen.
Bisher wurden die IC-Züge aus Hamburg in Augsburg geteilt – ein Teil fuhr nach Oberstdorf weiter, der andere nach Berchtesgaden. Die Bahn hat die alten IC-Züge jetzt aus dem Programm gestrichen. Dafür gibt es jetzt den neuen, barrierefreien ICE-L. Aber: „Die Nutzung durch Fernverkehrsreisende ist deutlich zu schwach, um eigenständige Fahrten Hamburg–Berchtesgaden bzw. Hamburg–Oberstdorf anzubieten“, heißt es in einer Pressemitteilung. So müssen Reisende jetzt beispielsweise in Stuttgart umsteigen.
Die Fernverkehrsverbindung von Dortmund über Stuttgart nach Oberstdorf bleibt erhalten. Ab 11. Juli 2026 soll auf dieser Strecke der neue ICE-L fahren.
Doch auch im Regionalverkehr kommen auf das Allgäu Einschränkungen zu. Im Herbst 2026 will die Deutsche Bahn den Streckenabschnitt München-Buchloe sanieren. Bis es so weit ist, richtet sie vom 7. Februar bis 31. Oktober rund sechs Langsamfahrstellen zwischen München-Pasing und Grafrath sowie zwischen Geltendorf und Kaufering ein. Das wirkt sich auch auf die Züge ins Allgäu aus. Die RB68 zwischen Füssen und München sowie die RB74 zwischen Buchloe und München beginnen und enden bereits in München-Pasing statt im Münchner Hauptbahnhof. Auch die Regionalexpresslinien Richtung Lindau, Kempten und Memmingen sind betroffen. Hier müssen sich die Fahrgäste laut Bahn auf längere Fahrzeiten einstellen. Außerdem fahren die Züge bis zu 20 Minuten früher ab. Der EC zwischen München und Zürich ist künftig zehn Minuten länger unterwegs und fährt in München ca. fünf Minuten früher ab.
Als vor ein paar Wochen bekannt wurde, dass die Deutsche Bahn die Langsamfahrstellen plant, wurde die Eisenbahngesellschaft Arverio Bayern kalt erwischt. Sie betreibt die Linien zwischen München, Memmingen und Lindau. Erwartet habe man die Langsamfahrstellen nicht. „Anzahl, Umfang und Dauer der geplanten Einschränkungen machen uns fassungslos“, teilt Arverio auf Anfrage mit. Die Änderungen für 2026 sind bei Arverio derzeit noch nicht in die Online-Fahrpläne eingearbeitet. Arverio erwartet aber „größere negative Auswirkungen auf den Zugverkehr“.
Zudem soll zwischen 21. Juli und 10. November 2028 die Strecke zwischen Buchloe und Herbatz voll gesperrt werden. Arverio ist davon bestürzt und geht davon aus, dass dann der Bahnhof Hergatz gar nicht angefahren werden kann.
Laut der Deutschen Bahn liegen die längeren Fahrtzeiten unter dem, was zu Anfang geschätzt worden war. Der Kemptner Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Indra Baier-Müller, Landrätin des Kreis Oberallgäus, erwarten massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Das wird in einem Brief deutlich, den Kiechle und Baier-Müller Mitte Oktober der Deutsche Bahn geschickt haben. Darin ist von 15 bis 20 Minuten mehr Fahrzeit zwischen München und Buchloe und einer Kettenreaktion die Rede.
Konkret befürchten sie, dass die Direktverbindungen zwischen München und dem Ostallgäu auf der Strecke München – Buchloe gestrichen werden. Denn: Aktuell haben die Züge nur eine 20-minütige Wendepause, bevor sie die Strecke wieder zurückfahren. Zudem gehen Baier-Müller und Kiechle davon aus, dass die zweistündigen Verbindungen zwischen Lindau bzw. Memmingen und München wegfallen. Auch hier reiche die Wendezeit nicht mehr aus, die Züge müssten vorzeitig enden. „Durch den Wegfall oder die Verspätung der Züge ergeben sich für viele Fahrgäste Anschlussverluste, insbesondere im Münchner Hauptbahnhof. Für zahlreiche Reisende bedeutet das Fahrzeitverlängerungen von bis zu einer Stunde“, schreiben Kiechle und Baier-Müller. Bereits jetzt verpassten Reisende wegen verspäteten Zügen aus oder ins Allgäu regelmäßig ihre Anschlüsse.
Sie werfen der Deutschen Bahn und dem Bund falsche Prioritätensetzung vor: „Die Lage im Allgäu ist seit Jahren angespannt – und sie verschärft sich weiter. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Fehlplanungen, in der Instandhaltung und bei der Dimensionierung von Infrastrukturvorhaben.“
Weniger direkte Fernverbindungen, eingeschränkter Regionalverkehr durch Langsamfahrstellen – wird das Allgäu von der Bahn abgehängt? Auf Anfrage antwortet Oberbürgermeister Kiechle: „Die von Ihnen genannten Einschränkungen stellen Herausforderungen im Bahnverkehr im Allgäu dar und wirken sich auf die Mobilität der Bevölkerung sowie den Tourismus in unserer Region aus. Das Allgäu benötigt zwingend eine zuverlässige und nachhaltige Schienenverkehrsinfrastruktur.“
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfragGO, betonte auf der Bahnkonferenz in Kaufbeuren Anfang der Woche, man werde im Allgäu 2026 bestehende Langsamfahrstellen bestmöglich beseitigen und zahlreiche Bahnhöfe erneuern. „Wir wissen, dass die damit verbundenen Baustellen den Reisenden viel Geduld abverlangen. Gleichzeitig sind sie die Voraussetzung für eine bessere Bahn“, so Nagl weiter.
Die Bahn investiere im kommenden Jahr mehr als vier Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur Bayerns. Zudem sollen 2026 rund 500 Kilometer Gleise und mehr als 200 Weichen in Bayern erneuert werden.
Das bayerische Verkehrsministerium hat indes eine klare Meinung, was die gestrichene IC-Verbindung Hamburg – Oberstdorf betrifft: „Die jetzt getroffene Entscheidung der DB ist ein Fehler“ antwortet ein Sprecher auf Anfrage.
Doch Kempten OB Kiechle sieht auch Hoffnung: Bis 2040 sollen in Schwaben alle bisherigen Dieselzüge elektrisch fahren. So soll bis Anfang der 2030er Jahre die Illertalbahn Neu-Ulm – Kempten – Oberstdorf eine Oberleitung bekommen. Zwischen Augsburg und Lindau, Augsburg und Oberstdorf sowie Augsburg und Kempten sollen ab Anfang der 2030er Jahre Züge mit Akku unterwegs sein. Gleiches ist für die Strecken München - Lindau bzw. Oberstdorf, Kempten – Hergatz bzw. Pfronten-Steinach geplant.
Zudem werden die Bahnhöfe Kempten und Oberstdorf modernisiert. Der Bahnhof in Oberstdorf bekommt bis Ende 2027 ein elektrisches Stellwerk. Auch bekommen die Mittelbahnsteige ein neues Dach, die Bahnsteige neue Informationsbildschirme. Die Gleise im Bahnhof Oberstdorf sowie die zwischen Fischen und Oberstdorf werden ebenfalls erneuert. Insgesamt investieren die Bahn und der Bund 15 Millionen Euro.
In den Bahnhof Kempten investieren die DB, Bayern und der Bund fast 30 Millionen Euro, um diesen zum „Zukunftsbahnhof“ zu entwickeln. Heißt: Er soll am Ende barrierefrei sein, wofür die Bahnsteige erhöht, drei Aufzüge eingebaut und ein neues Wegeleit- und taktiles Blindenleitsystem geschaffen werden. Zudem wird zum Beispiel die Personenunterführung verschönert, die Wartehalle bekommt neue Sitzgelegenheiten und Anzeiger. Die Bauarbeiten dauern laut der Bahn bis ins dritte Quartal 2026.
Außerdem bekommt Marktoberdorf im Ostallgäu mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember einen neuen Halt: An der neu gebauten Haltestelle "Marktoberdorf Nord" halten künftig stündlich die RB68 München-Füssen und die RB77 Augsburg-Füssen. Montag bis Freitag halten dort demnach 53 Züge, an Wochenenden und Feiertagen 38, teilte die Bayerische Eisenbahngesellschaft mit.