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In weniger als drei Monaten beginnt das neue Ausbildungsjahr. Noch sind in Bayerisch-Schwaben einige Ausbildungsstellen offen, sowohl im Handwerk als auch in der Industrie und im Handel. Doch im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Situation etwas geändert. Denn die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Unternehmen wirkt sich nicht nur auf den allgemeinen Stellenmarkt aus, sondern inzwischen auch auf die Zahl der Ausbildungsplätze.
„Während die Unternehmen in den vergangenen Jahren händeringend nach guten Bewerberinnen und Bewerbern gesucht haben, hat die Konkurrenz um bestimmte Ausbildungsplätze deutlich zugenommen“, sagt Christian Fischer. Er ist stellvertretender Leiter des Bereichs Bildung bei der IHK Schwaben. Vor allem die Industrie stehe unter Druck.
Bislang sind bei der IHK Schwaben rund 4.000 neue Ausbildungsverträge eingegangen. Das sind in etwa vier Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Laut Fischer ist die Ausbildungssuche inzwischen kein „Selbstläufer“ mehr. „Etliche Betriebe haben signalisiert, in diesem Jahr weniger ausbilden zu wollen“, sagt er. Vor allem in gewerblich-technischen Berufen, in der Industrie und im kaufmännischen Bereich werden für das Ausbildungsjahr 2026 weniger Ausbildungsplätze angeboten. So haben etwa die Mindelheimer Grob-Werke bisher jährlich rund 100 neue Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Dieses Jahr werden es nur noch rund 60 sein.
In anderen Berufen bieten die Unternehmen dafür derzeit mehr Ausbildungsplätze an, etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Logistik oder im Bankenwesen. Hier ist laut Fischer der Bedarf an Fachkräften noch hoch.
Im Handwerk zeigt sich ein ähnliches Bild: Im Vergleich zum Vorjahr haben bereits 14 Prozent mehr junge Menschen einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Im Elektrohandwerk und im Bau- und Ausbau gab es die deutlichste Steigerung. Gleichzeitig zeigt die Lehrstellenbörse der HWK, dass die Handwerksbetriebe insgesamt etwas weniger Ausbildungsplätze anbieten.
Dass weniger Ausbildungsplätze angeboten werden, fällt laut Fischer im Moment noch nicht so sehr ins Gewicht. „Denn in der Vergangenheit konnten viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden“, begründet er. Er warnt aber die Unternehmen, dass eine Lücke entstehen kann, wenn sie jetzt weniger Ausbildungsplätze anbieten. „Wer jetzt nicht ausbildet, dem kann es passieren, dass er dann in drei Jahren keine neuen Fachkräfte hat. Denn zusätzlich werden auch in den nächsten Jahren einige in Rente gehen“, sagt Fischer.
Die HWK weist darauf hin, dass eine sinkende Zahl an Auszubildenden sich über die Betriebe hinaus auch auf die Gesellschaft auswirkt. Denn wenn Betriebe weniger Kapazitäten haben, müssen Bürger und staatliche Auftraggeber länger auf die Leistungen warten. „Größer gedacht bedeutet das auch, dass die Umsetzung wichtiger, auch gesellschafts- und zukunftsrelevanter Aufgaben, wie die Umsetzung der Energie- und Wärmewende oder der Bau von dringend benötigtem Wohnraum, an Fahrt verliert“, heißt es in der Antwort.
Die HWK erwartet dennoch, dass in diesem Jahr erneut mehr junge Menschen in eine Ausbildung im Handwerk starten werden. Aktuell gibt es noch 687 offene Stellen. Bei der Lehrstellenbörse der IHK Schwaben sind noch 1.700 Stellen offen. Allerdings melden nicht alle Unternehmen ihre offenen Ausbildungsstellen an die IHK und die HWK.
Fischer von der IHK Schwaben geht davon aus, dass die Zahl der neuen Auszubildenden im Vergleich gleichbleibt oder leicht sinkt. Vergangenes Jahr waren es rund 8.500. Er rät jungen Menschen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, sich breit aufzustellen. Und: Wer bis Ende August noch keinen Ausbildungsvertrag hat, hat auch im September noch eine Chance. Vergangenes Jahr wurden laut Fischer zwischen 1. und 30. September nochmal rund 1.000 Verträge unterschrieben. Denn auch wenn sich die Situation am Ausbildungsmarkt sich etwas zum Vorteil der Unternehmen verschiebt – ganz zurückdrehen wird es sich laut Fischer nicht: „Es wird nicht dazu kommen, dass man wie vor 30 Jahren noch seinen Ausbildungsvertrag ein Jahr im Voraus unterschreibt.“