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Unternehmen fehlen Fachkräfte, gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit. Die ersten Mitarbeitenden der Boomer-Generation gehen in Rente, dafür zieht KI in die Betriebe ein. Alles verändert sich und das immer schneller. Wie geht es mit dem Arbeitsmarkt weiter und wie können Unternehmen Fachkräfte sichern? Darum ging es am 21. April bei der Veranstaltung „Arbeitsmarkt – Quo Vadis?“, veranstaltet von Regio Augsburg Wirtschaft GmbH und der Augsburger Allgemeinen.
„Lange Zeit war der Arbeitsmarkt durch die Suche nach Fachkräften geprägt, jetzt dreht sich das wieder“, sagt Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH. Klar sei die demografische Entwicklung, offen jedoch die Auswirkung von KI. Mehr als 100 Interessierte sind zu „Arbeitsmarkt – Quo Vadis?“ gekommen. „Der Zulauf zeigt, dass das Thema einen Nerv trifft“, sagt Matthias Schmid, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Augsburger Allgemeinen.
Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Migration, KI – Schlagworte, die einem schnell beim Thema Arbeitsmarkt begegnen. Wohin der Trend geht, hat Gerd Zika vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung dargestellt. Berechnungen von Zika zufolge werden in Deutschland bis 2029 rund 440.000 Arbeits- und Fachkräfte fehlen – trotz KI und obwohl bis dahin in etwa genauso viele Stellen abgebaut werden. Rund ein Drittel von 140 untersuchten „Fokusberufen“ wird bis 2029 Schwierigkeiten haben, Stellen zu besetzen – darunter der Maschinenbau, die Baubranche, medizinische Berufe und die IT.
Zika sieht in der Migration den größten Hebel, um fehlende Arbeits- und Fachkräfte zu kompensieren. „In den nächsten 15 Jahren haben Geburtenrate und Lebenserwartung keinen Einfluss auf die Bevölkerung im erwerbstätigen Alter“, erklärt Zika. Doch seit 2023 sinkt die Nettozuwanderung in Deutschland – auch aus EU-Ländern. „Bis dahin hatten wir in Deutschland eigentlich immer vom Zuzug aus EU-Ländern profitiert“, ordnet Zika ein. „Für den Arbeitsmarkt ist das äußerst problematisch.“
Durch künstliche Intelligenz erwartet er eine deutliche Verschiebung auf dem Arbeitsmarkt: KI steigert in Unternehmen die Produktivität, wodurch weniger Mitarbeitende notwendig sein werden. Doch KI schaffe auch neue Arbeitsplätze – etwa durch den Bau von Rechenzentren oder neue Geschäftsmodelle. „Weiterbildung und Qualifizierung werden durch KI eine immer größere Rolle spielen“, sagt Zika. Sollte hier zu wenig investiert werden, erwartet er große Schwierigkeiten – weil die gesuchten Arbeits- und Fachkräfte nicht mehr mit den Erwerbslosen zusammenpassen.
Doch wie gelingt es, die Mitarbeitenden bei all diesen Transformationsprozessen mitzunehmen? Für Ingo Hild, Werksleiter von ams Osram in Schwabmünchen, geht es darum, mit „Future Skills“ eine Brücke in die Zukunft zu bauen. Durch eine positive Fehlerkultur, Wertschätzung, Weiterbildung, weniger auf 100-prozentige Lösungen setzen und „einfach machen“. Notwendig wurde die Transformation bei Osram weil das Kerngeschäft der klassischen Glühbirne schrumpfte und sich immer mehr zu LEDs und schnelleren Entwicklungszyklen veränderte. „Unsere Mitarbeitenden müssen so flexibel sein, dass sie je nach Bedarf innerhalb der Bereiche rotieren können“, sagt Hild.
Mit Blick auf die demografische Entwicklung weist er auf zwei Punkte hin: Erstens müssen Betriebe eine Verbindung zu jungen Menschen aufbauen und ihnen die Berufe nahebringen. „Praktika sind ein klares Muss für mich“, sagt Hild. Man müsse in junge Menschen investieren, denn: Zweitens geht Wissen verloren, wenn Mitarbeitende in den Ruhestand gehen.
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Bei Osram hat Hild daher Tandems gebildet – aus älteren und jüngeren Mitarbeitenden. „Dadurch entstand eine Symbiose: Die Älteren haben ihre Erfahrung weitergegeben, die Jüngeren haben ihnen bei der Digitalisierung geholfen.“
Mit Symbiose kennen sich auch Julia Kemmer und Lisa Scherer von Giwa Kunststofftechnik aus Westendorf aus. Die beiden teilen sich seit einem Jahr die Stelle der Personalleitung – gleichberechtigt auf einer Hierarchieebene. Die Wochentage haben sie untereinander aufgeteilt. „Wir stellen eine Person dar“, erklärt Scherer. Vor der Geburt ihrer Tochter hatte sie in Vollzeit bei Giwa gearbeitet und die Personalabteilung allein geleitet. Damit sie nach der Elternzeit auch in Teilzeit in der Führungsposition arbeiten kann, haben Scherer und ihr Vorgesetzter gezielt jemand Zweiten in Teilzeit für die Stelle gesucht. „Die Synergie, die sich aus unseren verschiedenen Persönlichkeiten und Schwerpunkten ergibt, ist ein Gewinn für das Unternehmen“, sagt Scherer.
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In der Praxis bedeutet das, dass sich Scherer und Kemer die Woche nach Tagen aufgeteilt haben. Beide sind immer in allen Themen informiert. „Das Geheimrezept sind gute Übergaben“, sagt Kemmer. Sie informieren sich gegenseitig über Entwicklungen, Sachstände und besprechen Situationen. Sind immer in allen Themen informiert. Die Entscheidungen trifft diejenige, die gerade da ist. „Wenn wir nicht gleichberechtigt wären, würde das für das Unternehmen Zeitverlust bedeuten. Wenn heute eine Abmahnung notwendig ist, muss sie heute geschehen und nicht erst nächste Woche“, erklärt Kemmer.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – gerade für Frauen und für Frauen in Führungspositionen – ist immer wieder Teil von Diskussionen. „Liebe Arbeitgeber, bitte wagt es“, fordert Kemmer. Und Scherer ergänzt: „Die Dinge verändern sich. Wenn man offen auf die Themen zugeht, kann man sie gestalten.“