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Der Fachkräftemangel ist real, die demografische Entwicklung absehbar. Umso größer ist die Aufmerksamkeit für den jüngsten Vorschlag aus der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeit abzuschaffen, um mehr Arbeitszeit zu mobilisieren. Der Ansatz greift jedoch zu kurz und verkennt zentrale ökonomische Zusammenhänge.
Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Das ist kein Ausdruck fehlender Leistungsbereitschaft, sondern die Folge struktureller Rahmenbedingungen. Erwerbs- und Sorgearbeit sind ungleich verteilt, Kinderbetreuung vielerorts weder verlässlich noch ganztägig verfügbar. Wer Familie organisiert, reduziert Arbeitszeit. Das betrifft in der Praxis meist Frauen.
Dass Frauen häufiger zuhause bleiben als Männer, ist dabei kein Zufall, sondern wirtschaftlich rational. Der Gender Pay Gap sorgt dafür, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen. Fällt eine Entscheidung über Arbeitszeitreduzierung, ist es aus Sicht vieler Familien naheliegend, dass der geringer verdienende Partner zurücksteckt. So verfestigt sich ein Kreislauf aus Teilzeit, geringeren Einkommen und eingeschränkten Karrierechancen.
Verstärkt wird dieser Effekt durch das Ehegattensplitting, das das Zuverdienermodell steuerlich belohnt. Mehrarbeit rechnet sich für viele Frauen schlicht nicht. Für den Arbeitsmarkt ist das ineffizient und für Unternehmen ein strukturelles Problem, weil wertvolle Arbeitskraft ungenutzt bleibt.
Vor diesem Hintergrund löst der CDU-Vorschlag kein einziges Ursachenproblem. Der Abbau von Teilzeitrechten schafft weder zusätzliche Betreuung noch beseitigt er ökonomische Fehlanreize. Mehr Arbeitszeit lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht dort, wo Rahmenbedingungen sie ermöglichen.
Wenn Deutschland seine Arbeitskräftebasis erweitern will, muss es mehr tun, um Frauen in Erwerbsarbeit zu bringen. Dazu gehören verlässliche Kinderbetreuung, moderne Arbeitszeitmodelle und der Abbau steuerlicher Anreize, die Teilzeit und Abhängigkeiten fördern. Für Unternehmerinnen und Unternehmer ist das keine gesellschaftspolitische, sondern eine betriebswirtschaftliche Frage: Fachkräftesicherung entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität.
Teilzeit ist kein Lifestyle. Sie ist das Symptom eines Systems, das sein Arbeitskräftepotenzial nicht konsequent aktiviert.