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US-Investor übernimmt Everllence: Warum der Verkauf eine Chance ist
Kommentar

US-Investor übernimmt Everllence: Warum der Verkauf eine Chance ist

Wirtschaftsredakteurin Angelina Märkl. Foto: VMM/Linus Pohl
Wirtschaftsredakteurin Angelina Märkl. Foto: VMM/Linus Pohl

Volkswagen verkauft die Mehrheit an Everllence an Bain Capital. Manche sehen darin einen Verlust für den Standort. Doch für den Augsburger Technologiekonzern könnte der Eigentümerwechsel genau die Freiheit bringen, die er für den nächsten Wachstumsschritt braucht.

Vor gut einem Jahr verschwand der Name MAN vom Werkstor in Augsburg. Aus MAN Energy Solutions wurde Everllence. Das war weit mehr als ein neuer Markenauftritt. Das Unternehmen verabschiedete sich symbolisch von seiner Vergangenheit als klassischer Motorenbauer und bekannte sich zu einer neuen Rolle: Technologiepartner für die Energiewende und die Dekarbonisierung der Industrie.

Warum Everllence längst nicht mehr zu VW passt

Nun folgt der nächste Einschnitt. Volkswagen verkauft die Mehrheit an Everllence an den US-Investor Bain Capital.

Viele werden darin zunächst den Ausverkauf eines deutschen Traditionsunternehmens sehen. Doch diese Sicht greift zu kurz. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob der neue Mehrheitseigentümer aus den USA kommt. Entscheidend ist, ob Everllence unter seinem neuen Eigentümer die besten Voraussetzungen erhält, seinen Wachstumskurs fortzusetzen.

Eines zeigt der Verkauf schon heute: Everllence ist kein Sanierungsfall. Im Gegenteil. Mit einer Bewertung von rund 14 bis 15 Milliarden Euro gehört das Augsburger Unternehmen zu den wertvollsten Industrieunternehmen Deutschlands. Bain Capital zahlt diesen Preis nicht für ein Unternehmen mit Vergangenheit, sondern für eines mit Zukunft.

Diese Zukunft liegt längst nicht mehr im klassischen Motorenbau. Everllence entwickelt Technologien für die Dekarbonisierung von Industrie und Schifffahrt, baut Großwärmepumpen, liefert Lösungen für Rechenzentren und erschließt neue Märkte rund um Wasserstoff und klimafreundliche Energieversorgung. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren konsequent neu aufgestellt – und verfolgt heute eine andere industrielle Logik als sein bisheriger Eigentümer.

Volkswagen wiederum steht selbst unter enormem Transformationsdruck. Milliarden fließen in Elektromobilität, Software und neue Mobilitätskonzepte. Dass der Konzern seine Beteiligungen auf den Prüfstand stellt und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren will, ist nachvollziehbar. Für Everllence könnte genau das die Chance sein, eigenständiger zu agieren, schneller zu investieren und seine internationale Wachstumsstrategie konsequenter umzusetzen.

Für Augsburg zählt nicht die Flagge des Investors

Natürlich muss Bain Capital erst beweisen, dass der Investor langfristig denkt. Die vereinbarte Beschäftigungssicherung bis 2030 schafft Vertrauen, ersetzt aber keine nachhaltige Unternehmensstrategie. Entscheidend wird sein, ob der neue Mehrheitseigentümer Forschung, Innovation und den Standort Augsburg stärkt.

Für die Region ist deshalb weniger entscheidend, dass Volkswagen künftig nur noch Minderheitsgesellschafter ist. Wichtiger ist, dass Everllence seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen kann. Der Wandel vom Dieselpionier zum Anbieter von Zukunftstechnologien ist längst in vollem Gange. Jetzt braucht das Unternehmen vor allem eines: die Freiheit, diesen Weg konsequent weiterzugehen.

Die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst noch

Ob der Verkauf am Ende ein Erfolg wird, entscheidet sich deshalb nicht am Kaufpreis oder an der Nationalität des Investors. Er entscheidet sich daran, ob Everllence in fünf oder zehn Jahren noch stärker ist als heute – mit Innovationen aus Augsburg für den Weltmarkt. Sollte das gelingen, könnte der Abschied von Volkswagen nicht das Ende einer Erfolgsgeschichte sein, sondern ihr nächstes Kapitel.

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