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Ehegattensplitting: Ein Steuerprivileg, das Fachkräfte kostet
Kommentar

Ehegattensplitting: Ein Steuerprivileg, das Fachkräfte kostet

Wirtschaftsredakteurin Angelina Märkl. Foto: VMM/Linus Pohl
Wirtschaftsredakteurin Angelina Märkl. Foto: VMM/Linus Pohl

Die SPD will das Ehegattensplitting abschaffen und sofort geht es um Verlierer. Doch die eigentliche wirtschaftliche Frage lautet: Warum belohnt das Steuersystem Modelle, die den Arbeitsmarkt ausbremsen?

Der Fachkräftemangel kostet die deutsche Wirtschaft Milliarden. Gleichzeitig hält die Regierung ein Steuersystem aufrecht, das zusätzliche Arbeit unattraktiv macht.

Genau darum geht es in der neuen Debatte um das Ehegattensplitting. Die SPD will die Regelung abschaffen, nach der Ehepartner ihre Einkommen steuerlich halbieren können. Sofort steht die Frage im Raum: Wer verliert wie viel?

Ehegattensplitting abschaffen: Wer verliert wirklich?

Die Antwort ist vergleichsweise eindeutig. Besonders betroffen wären Haushalte mit stark ungleichen Einkommen – häufig Familien, in denen ein Partner voll arbeitet und der andere nur in Teilzeit oder gar nicht. Genau hier liegt der politische Konflikt. Und genau hier beginnt die eigentliche wirtschaftliche Dimension.

Denn die Fixierung auf mögliche Verluste verstellt den Blick auf ein strukturelles Problem. Das Ehegattensplitting begünstigt große Einkommensunterschiede innerhalb von Partnerschaften. Es sorgt dafür, dass sich das klassische Einverdienermodell steuerlich besonders lohnt und bremst gleichzeitig den Schritt aus der Teilzeit in eine umfangreichere Erwerbstätigkeit. Was als steuerliche Entlastung gedacht ist, wirkt in der Praxis wie ein Anreiz zur Ungleichverteilung von Arbeit.

Frauen in Teilzeit: Wie das Steuersystem Erwerbsarbeit bremst

Das betrifft vor allem Frauen mit Kindern – nicht zufällig, sondern weil sich Erwerbs- und Sorgearbeit in Deutschland weiterhin ungleich verteilen. Noch immer übernehmen Frauen den Großteil der Kinderbetreuung und reduzieren dafür häufiger ihre Arbeitszeit. Genau an dieser Stelle greift das Ehegattensplitting: Es macht große Einkommensunterschiede innerhalb von Partnerschaften steuerlich attraktiv. Wer weniger verdient, hat dadurch geringere Anreize, die eigene Erwerbstätigkeit auszuweiten.

Zusätzliche Arbeitsstunden führen dann oft nicht im gleichen Maß zu mehr verfügbarem Einkommen. So verstärkt das Steuersystem bestehende Rollenverteilungen, statt sie aufzubrechen. Die Folgen zeigen sich nicht nur kurzfristig beim Einkommen, sondern langfristig besonders deutlich: Wer über Jahre in Teilzeit arbeitet oder ganz aussetzt, zahlt weniger in die Rentenversicherung ein und hat ein deutlich höheres Risiko, im Alter finanziell schlecht abgesichert zu sein. Altersarmut ist deshalb in Deutschland überproportional weiblich.

Fachkräftemangel in Deutschland: Ungenutztes Potenzial bei Müttern

Für Unternehmen ist das ebenfalls ein wachsendes Problem. Während Betriebe händeringend Personal suchen, bleiben qualifizierte Arbeitskräfte unter ihren Möglichkeiten. Deutschland leistet sich damit einen strukturellen Widerspruch: Einerseits wird mehr Erwerbsbeteiligung gefordert, andererseits werden genau die Anreize geschwächt, die sie fördern könnten. Natürlich hätte eine Reform klare Verlierer. Haushalte, die ihre Lebensplanung auf das bestehende Modell ausgerichtet haben, müssten mit Mehrbelastungen rechnen. Politisch ist das schwer vermittelbar und erklärt, warum das Thema seit Jahren vertagt wird.

Doch ökonomisch wird die Rechnung zunehmend fragwürdig. Ein Steuersystem, das Mehrarbeit unattraktiver macht, passt nicht zu einem Arbeitsmarkt, der auf jede zusätzliche Fachkraft angewiesen ist.

Reform des Ehegattensplittings: Politisch heikel, wirtschaftlich notwendig?

Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb nicht in der Frage, ob jemand verliert. Sondern darin, ob sich Deutschland weiterhin leisten kann, dass sich mehr Arbeit für viele schlicht nicht lohnt. Wer den Fachkräftemangel ernst nimmt, muss auch die strukturellen Ursachen angehen. Das Ehegattensplitting gehört dazu. Nicht als ideologische Debatte, sondern als wirtschaftspolitische Notwendigkeit.

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