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188.000 Unternehmen in Deutschland wurden im Jahr 2025 geschlossen. Dies geht aus einer gemeinsamen Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Mit 10 Prozent mehr Marktaustritten als 2024 erreichten die Unternehmensschließungen damit den höchsten Stand seit 2007.
Auch in Bayerisch-Schwaben spiegelt sich diese Entwicklung wider: In der Region wurden 2025 knapp 4.102 Betriebe geschlossen, 331 mehr als im Vorjahr (3.771).
Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt in den letzten Jahren stetig, Experten rechnen nicht damit, dass sich das vorerst ändern wird. Dementsprechend liegt die Annahme nah, dass sie auch bei den Unternehmensschließungen anteilig hoch sind. Die Untersuchung von Creditreform und ZEW zeichnet jedoch ein anderes Bild: Nur 13,4 Prozent der Marktaustritte in 2025 waren Insolvenzen, der Großteil der Unternehmensaufgaben geht somit nicht auf wirtschaftliche Notwendigkeit zurück.
Ludwig Hantzsch, Pressesprecher von Creditreform in Neuss, erklärt: „Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit. Das geht zunehmend an die Substanz des Landes.“ Die Gründe sind dabei so vielfältig wie bekannt, denn es sind Faktoren wie Fachkräftemangel, Wettbewerbsdruck durch internationale Mitbewerber, geopolitische Krisen und der demografische Wandel, die Betriebe letztlich zur Schließung bewegen. So liegt etwa der Anteil an Familienunternehmen, die aufgrund fehlender Nachfolge im vergangenen Jahr geschlossen wurden, bei 29 Prozent. Die durchschnittliche Bonität der geschlossenen Betriebe wurde deshalb bei der Ermittlung auf „mittel“ statt wie bisher üblich auf „schwach“ eingestuft.
Grundsätzlich sind alle Branchen von einem Anstieg der Betriebsschließungen betroffen, die Entwicklung ist in bestimmten Sparten jedoch dramatischer als in anderen. Im verarbeitenden Gewerbe etwa mussten 2025 11.000 Unternehmen schließen, 10 Prozent mehr als im Jahr davor. Noch stärker betroffen waren die Baubranche mit 24.000 Schließungen (plus 12 Prozent) und die Automobilindustrie mit 360 Schließungen, was einem Plus von 57 Prozent entspricht. Bei energieintensiven Sparten wie der Metallerzeugung und -verarbeitung hat zwar eine leichte Erholung im Vergleich zu 2024 stattgefunden, ZEW und Creditreform erwarten aufgrund des Irankriegs jedoch ein Plus für 2026.
Im Gesundheitswesen hält der Negativtrend der schließenden Arztpraxen an. Von den 11.000 Unternehmensschließungen entfallen 5.500 auf Praxen, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Hier wirkt sich laut der Untersuchung vor allem die Nachfolgethematik aus, denn wo Ärzte und Ärztinnen den Ruhestand antreten, rückt vielerorts niemand nach. „Die steigenden Schließungszahlen im Gesundheitswesen zeigen die äußerst schwierige Lage der Branche. Trotz vieler Menschen, die ein höheres Alter erreichen, sinkt so die flächendeckende medizinische Versorgung, beispielsweise durch Apotheken und Fachärzte“, kommentiert Hantzsch.
Die höchste Zahl an Unternehmensschließungen findet sich jedoch im Gastgewerbe, 15.000 Betriebe haben 2025 geschlossen (plus 15 Prozent). Hier sei vor allem der akute Personalmangel ausschlaggebend.
Auch lässt die Erhebung Rückschlüsse auf regionale Unterschiede zu. Zum einen auf Landesebene, da die Bundesländer gesondert betrachtet wurden. In Bremen wurden etwa die meisten Firmen in Relation zum bisherigen Bestand geschlossen (7,8 Prozent), Bayern reiht sich mit 5,7 Prozent im unteren Mittelfeld ein. Nennenswert ist darüber hinaus, dass sich bei Betrachtung aller Schließungen zwischen Metropolen, deren umliegenden Ballungsräumen und ländlichen Regionen kaum Unterschiede verzeichnen ließen. Anders verhält es sich beim Blick auf einzelne Branchen. So haben letztes Jahr in Großstädten mehr verarbeitende Gewerbe und Bauunternehmen geschlossen als auf dem Land, im Gesundheitswesen verhält es sich hingegen genau andersherum.
Auch in Bayerisch-Schwaben haben die Unternehmensschließungen erneut zugekommen. Im Vergleich mit vielen Teilen Deutschlands und Bayerns ist diese Negativentwicklung jedoch etwas weniger dramatisch. So liegen die Schließungsraten, also der Anteil geschlossener Betriebe am Bestand von 2024, überwiegend unter dem bayerischen Durchschnitt von 5,7 Prozent. Die Ausnahmen bilden die kreisfreien Städte Kaufbeuren, Kempten und Memmingen sowie der Landkreis Unterallgäu, wobei Kempten mit 6,3 die höchste Schließungsrate in Bayerisch-Schwaben aufweist.
Auch mit Blick auf die Entwicklung zwischen 2024 und 2025 fällt das Plus in Memmingen mit knapp 31 und dem Unterallgäu mit knapp 21 Prozent besonders hoch aus, gefolgt von Aichach-Friedberg mit knapp 18 Prozent und Lindau sowie Kaufbeuren mit jeweils knapp 16 Prozent. Auf der anderen Seite blieb die Zahl der Betriebsschließungen in den Landkreisen Ostallgäu und Neu-Ulm stabil, dort waren es effektiv so viele wie 2024.
Die Zahlen im Überblick:
Augsburg
Landkreis Augsburg
Landkreis Aichach-Friedberg
Landkreis Dillingen a.d. Donau
Landkreis Donau-Ries
Landkreis Günzburg
Landkreis Lindau (Bodensee)
Landkreis Neu-Ulm
Kempten
Landkreis Oberallgäu
Kaufbeuren
Landkreis Ostallgäu
Memmingen
Landkreis Unterallgäu