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Die Metall- und Elektrobranche in der Region Schwaben sieht sich mit einer anhaltenden Krise konfrontiert. Eine aktuelle Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbandes bayme vbm prognostiziert deshalb drastische Produktionseinbußen sowie spürbare Einschnitte beim Personal. Um einem weiteren Abwärtstrend entgegenzuwirken, fordert die Interessenvertretung rasche politische Strukturreformen.
Obwohl die Situation branchenweit überaus ernst sei, existiere eine deutliche Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der Realität in den Betrieben. Verbandsvorsitzender und Geschäftsführer der J.N. Eberle & Cie. GmbH Gernot Egretzberger führt diese Fehleinschätzung auf den langjährigen relativen Wohlstand der Vergangenheit zurück. Zudem verdecke die demografische Entwicklung den Personalabbau, da viele Angestellte ohnehin regulär in den Ruhestand träten. Gleichzeitig hielten Firmen aktuell noch an Mitarbeitenden fest – nach dem Prinzip, dass vorhandene Fachkräfte wertvoller seien als ein späterer Mangel –, selbst wenn die schwache Produktionsauslastung dies nicht mehr rechtfertige.
Doch die finanzielle Basis bröckelt: Inzwischen befürchten fast 24 Prozent der schwäbischen Betriebe für das laufende Jahr Verluste, insgesamt bewegen sich knapp 45 Prozent in einem kritischen Ertragsbereich. Die Nettoumsatzrendite der M+E-Industrie liegt nur bei 1,5 Prozent. Egretzberger konstatiert: „Es ist zu wenig Geld da, um in die Wettbewerbsfähigkeit zu investieren.“ Die Zuversicht für das Inlandsgeschäft ist infolgedessen eingebrochen. Nur noch 11 Prozent erwarten hier eine Besserung, weshalb fast 44 Prozent der Firmen ihre Inlandsinvestitionen zurückfahren wollen. Der Arbeitgeberverband prognostiziert daher, dass die Zahl der regional Beschäftigten von aktuell gut 133.000 um 3.500 auf knapp 130.000 sinken wird. Anfang des Jahres ging die bayme vbm noch von 132.000 aus.
Als wesentliche Treiber der Negativentwicklung benennt Egretzberger, dessen Unternehmen jüngst selbst in finanzielle Schieflage geraten ist, geopolitische wie außenwirtschaftliche Krisen gepaart mit schwindenden Standortvorteilen. Knapp 90 Prozent der regionalen Unternehmen gaben an, dass sich die hiesigen Rahmenbedingungen im vergangenen Jahrzehnt verschlechtert hätten. Einerseits leidet das Auslandsgeschäft, da der Irankrieg die gesamte Wertschöpfungskette betrifft. Zudem werden Ausfuhren stark verteuert: Sonderzölle auf Stahl und Aluminium in die USA sind weiterhin aktiv und liegen bei 50 Prozent. Geopolitische und weltwirtschaftliche Entwicklungen liegen nicht „in unserer Hand“ kommentiert der Verbandsvorsitzende. Es gäbe aber durchaus Stellschrauben, mit welchen die Bundes- und Landesregierung die Standortfaktoren relativ schnell verbessern könnte. Konkret nennt er Planungssicherheit sowie Bürokratieabbau, da diese nicht an eine Finanzierung geknüpft sind.
Auch die schwindende internationale Konkurrenzfähigkeit bereitet Sorgen: Die Zeiten von „Made in Germany“ als Qualitätssiegel, das einen Preisaufschlag von bis zu 20 Prozent ermöglicht, sind vorbei. Ein enormer Nachteil entstehe insbesondere durch die hohen heimischen Lohnkosten, was Egretzberger am Beispiel seines eigenen Unternehmens verdeutlicht. Die Arbeitskosten für Eberle lägen in Polen im Vergleich zu Deutschland bei einem Drittel. Es stelle sich also durchaus die Frage, wie viel produktiver man hier sein müsse, um diesen enormen Unterschied auszugleichen. Zudem nimmt er auch die Tarifpartner in die Pflicht, um einer drohenden Deindustrialisierung entgegenzuwirken. „Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht nur Beklagen, sondern durch gemeinsames Handeln erreichen“, so der Eberle-Geschäftsführer.
Um der Krise aktiv zu begegnen, rückt die Digitalisierung in den Fokus der Unternehmen, allen voran durch Künstliche Intelligenz und die dadurch möglichen Effizienzgewinne. Generative KI, also Tools wie ChatGPT und Claude, ermöglichen das Beschleunigen von Prozesse. Der Frage der B4B-Redaktion, ob physische KI gerade in der Produktion nicht ein ebenso wichtiger Ansatz sei, stimmte Egretzberger zu. Durch generative KI ließen sich Bereiche wie der Vertrieb schnell angehen, doch der Einsatz der Technologie in der Herstellung sei langfristig gleichermaßen notwendig und entscheidend.