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Augsburger Traditionsunternehmen Eberle stellt Insolvenzantrag
Insolvenzantrag

Augsburger Traditionsunternehmen Eberle stellt Insolvenzantrag

Insolvenz von Eberle in Augsburg? Geschäftsführer Gernot Egretzberger hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Augsburg gestellt. Foto: Katharina Seeburger/ B4B
Insolvenz von Eberle in Augsburg? Geschäftsführer Gernot Egretzberger hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Augsburg gestellt. Foto: Katharina Seeburger/ B4B

Eberle hat am Augsburger Amtsgericht ein Insolvenzverfahren beantragt. Genauso die Greiffenberger AG, Muttergesellschaft von Eberle. Wie geht es jetzt weiter?

Der Geschäftsführer der J.N. Eberle & Cie. GmbH, Gernot Egretzberger, hat für das Unternehmen einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Das Amtsgericht Augsburg hat Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.

Warum ist Eberle womöglich insolvent?

Eberle ist schon länger angeschlagen. Ende 2024 hatte Eberle angekündigt, in Augsburg bis zu 90 Stellen abzubauen. Als Grund nannte das Traditionsunternehmen die steigende Kostenbelastung in Deutschland und die sinkende Nachfrage seiner Kunden aus der Bau- und Autoindustrie.

Lesen Sie hier: Trotz Millionenverlust – Eberle will 2026 wieder Gewinn machen

Diese haben auch zur aktuellen Situation von Eberle beigetragen. „Geopolitische Konflikte, hohe Energiepreise sowie Unsicherheiten im internationalen Umfeld belasten die Branche und auch die Industrie insgesamt. Gleichzeitig sehen sich auch viele Kunden wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber, was sich dämpfend auf die Nachfrage des Betriebs ausgewirkt hat“, teilt das Unternehmen mit. Als Grund für den Insolvenzantrag nennt Eberle Liquiditätsschwierigkeiten.

Wie geht es bei Eberle weiter?

Der vorläufige Insolvenzverwalter ist nach Unternehmensangaben bereits vor Ort. Er verschaffe sich einen Überblick und suche nach Lösungen. „Der Fokus liegt aktuell auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und einer genauen Analyse der Rahmenbedingungen. Auf dieser Basis werden wir die weiteren Schritte im Verfahren prüfen“, erklärt Stemshorn. In den kommenden Wochen soll ein geordneter Verkaufs- oder Investorenprozess gestartet werden (M&A-Prozess).

Lesen Sie hier:Eberle-Geschäftsführer warnt vor Industrie-Sterben

„Die laufenden Gespräche mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter verlaufen konstruktiv“, sagt Geschäftsführer Egretzberger. „Gemeinsam prüfen wir alle Möglichkeiten, um den Geschäftsbetrieb und die Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern auf einer stabilen Basis fortzuführen.“ Der Geschäftsbetrieb von Eberle läuft derzeit unverändert weiter. Die Kunden werden weiter mit Produkten versorgt. Die Löhne der rund 250 Mitarbeitenden seien für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert.

Auch Greiffenberger AG stellt Insolvenzantrag

Eberle ist hundertprozentige Tochter der Greiffenberger AG. Dessen Vorstand ist ebenfalls Egretzberger. Dieser hatte bereits Ende April den Aktionären von Greiffenberger mitgeteilt, dass er für die AG einen Insolvenzantrag stellen werde. Mittlerweile hat das Amtsgericht Augsburg auch hier Stemshorn als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. 

Als Gründe nennt Egretzberger in der Mitteilung Überschuldung und drohende Zahlungsunfähigkeit. Weiter heißt es in der Mitteilung von Egretzberger: „Auf Grundlage der jüngsten Geschäftsentwicklung und einer Neubewertung der Erfolgsaussichten der eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen ist der Alleinvorstand der Greiffenberger AG (Anm. d. Red: also Egretzberger) heute zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Greiffenberger AG keine positive Fortführungsprognose mehr besteht.“

Zur Greiffenberger AG gehören neben Eberle in Augsburg auch Auslandsgesellschaften in Frankreich, Italien, Polen, den USA und Südkorea.

Greiffenberger AG verschiebt Jahresabschluss

Mitte April, zwei Wochen vor der Insolvenzmeldung für die Aktiengesellschaft, hatte Egretzberger noch mitgeteilt, dass er eine positive Fortführungsprognose sieht. Diese müssen Unternehmen im Rahmen ihres Jahresabschlusses abgeben – dessen Veröffentlichung über das Jahr 2025 die Greiffenberger AG verschieben musste.

Der zuständige Abschlussprüfer hingegen konnte die positive Einschätzung der AG nicht ausreichend beurteilen. „Der Abschlussprüfer der Gesellschaft sieht sich derzeit außerstande zu beurteilen, ob die Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit im Jahres- und Konzernabschluss zum 31. Dezember 2025, von welcher der Vorstand der Gesellschaft ausgeht, gerechtfertigt ist“, heißt es in der Mitteilung.

Der Prüfer forderte zusätzliche Unterlagen an, die die positive Prognose des Vorstands Egretzberger begründen.

Wie viel ist Eberle wert?

Egretzberger nennt laut Mitteilung von Mitte April als Gründe für seine positive Bewertung unter anderem eine Stundung der Steuerschuld und eine Verlängerung des Mietvertrags am Standort Augsburg. Ursprünglich sollte das Tochterunternehmen Eberle 2027 vom Stammsitz in Pfersee nach Lechhausen umziehen. Wegen der schwierigen finanziellen Lage war der Umzug auf 2029 verschoben worden.

Zudem muss mit dem Abschlussprüfer auch geklärt werden, wie viel Eigenkapital Greiffenberger noch hat. Hierbei gehe es um die Frage, wie stark der Bilanzwert der Tochtergesellschaft Eberle gesenkt werden müsse – und wie groß damit der Verlust für die Muttergesellschaft, die Greiffenberger AG, werde. Egretzberger erwartete laut der Mitteilung von Mitte April, dass durch die Neubewertung das Eigenkapital der Aktiengesellschaft unter die Hälfte des Grundkapitals sinken werde – ein erstes Warnsignal für eine Insolvenz.

Deshalb hat Egretzberger für den 25. Juni eine außerordentliche Hauptversammlung der Aktionäre einberufen. Die ordentliche Hauptversammlung wurde auf Ende August verschoben. Der Jahresabschluss der Greiffenberger AG soll im Juli veröffentlicht werden.

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