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Fast die Hälfte der Metall- und Elektrobetriebe im kritischen Bereich
M+E-Konjunkturumfrage

Fast die Hälfte der Metall- und Elektrobetriebe im kritischen Bereich

Die Metall- und Elektroindustrie in Bayerisch-Schwaben hat schon rosigere Zeiten gesehen. Foto: Adobe Stock / Photocreo Bednarek
Die Metall- und Elektroindustrie in Bayerisch-Schwaben hat schon rosigere Zeiten gesehen. Foto: Adobe Stock / Photocreo Bednarek

Die Probleme für die Metall- und Elektroindustrie in Bayerisch-Schwaben halten an und könnten sich in absehbarer Zukunft zuspitzen. Was Jürgen Weiß, Geschäftsführer von Weiß Kunststoffverarbeitung, deshalb fordert.

Nach einer besseren, jedoch keiner guten ersten Jahreshälfte 2025 hat sich das Geschäftsklima für die Metall- und Elektrobranche wieder abgekühlt. Während der Binnenmarkt noch Hoffnung weckt, schwindet das Vertrauen in das Exportgeschäft. Die Konsequenz ist ein genereller Sparkurs: Fertigungskapazitäten, Investitionsbudgets und Personalstellen werden zurückgefahren. Gleichzeitig wächst die Ungeduld gegenüber der Bundesregierung.

Jürgen Weiß, Vorsitzender des bayme vbm Vorstands der Region Nordwestschwaben und Geschäftsführer der Weiß Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. KG, betont: „Im Ausland wird mehr produziert, mehr investiert und es werden mehr Jobs geschaffen. Das zeigt, dass unser Wirtschafts- und Industriestandort das Problem ist. Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig und zahlen mit der anhaltenden Deindustrialisierung einen hohen Preis dafür.“

Negative Geschäftslage dämpft Erwartungen

Die bayerisch-schwäbischen Unternehmen bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation klar negativ. Im Inlandsgeschäft sank der Saldo der Lagebewertung auf -11,9 Punkte, während das Exportgeschäft mit einem Absturz von -13,2 auf -25,7 Punkte noch stärker betroffen ist. Nur rund 12 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Auslandsgeschäfte derzeit als gut. Bei den Erwartungen der künftigen Entwicklung zeigt sich zwar ein uneinheitliches Bild mit einem Anstieg des Saldos im Inland auf +20,7 Punkte, doch die Skepsis im Auslandsgeschäft (+6,7 Punkte) und die allgemeine Lage schlagen sich direkt in den Planungen nieder.

Investitionspläne verschieben sich – möglicherweise auch ins Ausland

So verharren die Produktionspläne im negativen Bereich, wobei 33,5 Prozent der Firmen mit einer Drosselung der Fertigung rechnen. Entsprechend dazu beabsichtigen fast 35 Prozent, ihre Inlandsinvestitionen zu reduzieren. Sorgen bereitet dabei die Zusammensetzung der Ausgaben: Lediglich 11 Prozent entfallen auf Erweiterungsmaßnahmen und nur noch 12,3 Prozent auf Innovationen, während der Großteil mit 38 Prozent in Ersatzbeschaffungen fließt.

Wie sich dies in der Praxis auswirken könnte, schildert Weiß auf Nachfrage der B4B-Redaktion am Beispiel seines eigenen Unternehmens, welches letztes Jahr bereits umstrukturieren musste. Zwar arbeitet die Mehrheit der Beschäftigten am Hauptsitz in Illertissen im Landkreis Neu-Ulm, und aufgrund sehr spezieller Teile ließe sich diese Produktion nicht einfach verlagern. Angesichts des enormen Preisdrucks durch Kunden könnten Neuinvestitionen künftig jedoch eher am zweiten Standort im ungarischen Györ getätigt werden. Ausschlaggebend seien hierfür auch attraktive staatliche Unterstützungsprogramme vor Ort, die es in dieser Form in Deutschland nicht gebe.

Ertragssituation für 45 Prozent der Unternehmen kritisch

Die finanzielle Situation vieler Betriebe stellt sich entsprechend angespannt dar. Laut Umfrage befinden sich 45 Prozent der schwäbischen M+E-Unternehmen im kritischen Ertragsbereich, wobei fast jeder fünfte Betrieb im vergangenen Jahr Verluste schrieb. Laut Weiß sei eine solche Situation kurzfristig tragbar. Langfristig könne sie jedoch dramatische Folgen nach sich ziehen, etwa einen weiteren Anstieg der Insolvenzen oder eine Abwanderung von Unternehmen ins Ausland.

Dies wirkt sich direkt auf den Arbeitsmarkt aus. Obwohl sich die Beschäftigungspläne leicht verbessert haben, überwiegt der Anteil der Firmen, die Stellen abbauen müssen (knapp 22 Prozent). Für das Jahr 2026 wird ein Rückgang um weitere 3.000 auf dann knapp 132.000 Beschäftigte erwartet. Der Fachkräftemangel entspannt sich damit also lediglich aufgrund der schlechten konjunkturellen Lage. Weiß erklärt: „Nirgendwo sieht man die Auswirkungen einer verfehlten Industrie- und Standortpolitik mehr als bei der Beschäftigung. Es ist um jeden einzelnen verlorenen Arbeitsplatz traurig.“

Deutliche Forderungen an Politik

Angelehnt an die Ergebnisse der Umfrage drängt die Industrie bei der Bundesregierung auf eine raschere Umsetzung zentraler Vorhaben wie dem Industriestrompreis, dem Kraftwerkssicherheitsgesetz und dem Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz. Gleichzeitig stößt die aktuelle Sozialpolitik auf deutliche Kritik: Vorhaben zur Rentenstabilisierung werden als nicht finanzierbar eingestuft, da sie zu steigenden Beiträgen führen. Die damit verbundenen höheren Arbeitskosten belasteten die Wettbewerbsfähigkeit und erschwerten die anstehenden Tarifverhandlungen mit der IG Metall bereits im Vorfeld erheblich.

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