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SGL Carbon in Meitingen zwischen Kostendruck und Wachstum
Transformation

SGL Carbon in Meitingen zwischen Kostendruck und Wachstum

SGL-Standortleiter in Meitingen, Alexander Miehling (r.) und Bertram Brossardt (l.). Die Autotüre ist aus carbonfaserverstärktem Kunststoff und gehört zu der Fahrgastzelle für einen BMW i3 (links hinten). Foto: B4B/ Katharina Seeburger
SGL-Standortleiter in Meitingen, Alexander Miehling (r.) und Bertram Brossardt (l.). Die Autotüre ist aus carbonfaserverstärktem Kunststoff und gehört zu der Fahrgastzelle für einen BMW i3 (links hinten). Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Hohe Energie- und Personalkosten setzen die Industrie unter Druck. Bei einem Besuch von Arbeitgebervertreter Bertram Brossardt bei SGL Carbon in Meitingen ging es um die Herausforderungen der Transformation – aber auch um Investitionen und Wachstumspläne am Standort.

Wie können Industrieunternehmen in Deutschland trotz hoher Kosten wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig in neue Technologien investieren? Darüber tauschten sich am Dienstag Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm, und Alexander Miehling, Standortleiter von SGL Carbon in Meitingen, aus. Im Anschluss erhielt Brossardt bei einer Führung Einblicke in die Produktion.

Mit rund 850 Beschäftigten ist Meitingen der weltweit größte Standort von SGL Carbon. Gerade hier zeige sich, vor welchen Herausforderungen die deutsche Industrie aktuell stehe. Nach Angaben von Miehling belasten vor allem hohe Energie- und Personalkosten das Unternehmen. Gleichzeitig seien viele Produktionsprozesse nur eingeschränkt automatisierbar. Im internationalen Wettbewerb müsse SGL Carbon deshalb vor allem mit Technologie und Qualität überzeugen. „Wir müssen immer so viel besser sein, wie wir teurer sind“, sagte Miehling.

Niedrigere Kosten für die Industrie

Auch Brossardt sieht bei den Rahmenbedingungen für Unternehmen dringenden Handlungsbedarf. Die Energiekosten in Deutschland seien im internationalen Vergleich weiterhin deutlich zu hoch. Hinzu kämen steigende Arbeits- und Sozialversicherungskosten.

Gleichzeitig müssten Unternehmen weiter in neue Technologien und Produktionsverfahren investieren. „Wir wollen von einer Deindustrialisierung in eine Reindustrialisierung“, sagte Brossardt. Bayern habe mit seinen Industrieunternehmen gute Voraussetzungen dafür, brauche aber wettbewerbsfähigere Bedingungen.

Lesen Sie auch:Interview: Wie Meitingen zum Zentrum von SGL werden soll

SGL Carbon sieht sich nach Restrukturierungen inzwischen wieder in einer Wachstumsphase. Dabei spielen nach Angaben des Unternehmens unter anderem Zukunftsfelder wie Elektromobilität und die Verteidigungsindustrie eine Rolle.

Carbon aus Meitingen für Zukunftstechnologien

Welche Anwendungen dahinterstehen, zeigte das Unternehmen bei der anschließenden Führung. SGL Carbon produziert unter anderem Werkstoffe aus carbonfaserverstärktem Kohlenstoff. Das Material hält Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius stand und kommt beispielsweise in Hochleistungsbremsen von Flugzeugen oder im Motorsport zum Einsatz.

Alexander Miehling (r.) zeigt Bertram Brossardt (l.) einen Bremsrotor aus Carbonfaser für ein Passagierflugzeug. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Alexander Miehling (r.) zeigt Bertram Brossardt (l.) einen Bremsrotor aus Carbonfaser für ein Passagierflugzeug. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Ein wichtiger Bereich am Standort Meitingen ist außerdem Carbonfaserpapier für Wasserstoff-Brennstoffzellen. SGL Carbon arbeitet bei diesen Brennstoffzellen-Komponenten unter anderem mit Hyundai zusammen. Wie die Technologie bereits im Schwerlastverkehr eingesetzt wird, zeigte vor Ort ein Wasserstoff-Lkw des Herstellers.

SGL Carbon produziert mehr Energie selbst

Um den Standort unabhängiger und gleichzeitig nachhaltiger aufzustellen, investiert SGL Carbon auch in die eigene Energieversorgung. Mitte dieses Jahres nahm das Unternehmen auf dem Werksgelände in Meitingen eine rund drei Hektar große Photovoltaikanlage in Betrieb. Sie soll etwa zehn Prozent des Strombedarfs am Standort abdecken und nach Unternehmensangaben jährlich rund 1.670 Tonnen CO₂ einsparen.

Daneben investiert das Unternehmen in eine kryogene Luftzerlegungsanlage. Damit soll hochreiner Stickstoff direkt am Standort erzeugt werden. Dieser wird für die Hochtemperaturprozesse in der Produktion benötigt. Die eigene Herstellung soll die Versorgungssicherheit erhöhen und die Abhängigkeit von externen Lieferungen reduzieren.

Verlagerung des Firmensitzes soll Anfang 2027 abgeschlossen sein

Auch organisatorisch soll Meitingen künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Die bereits angekündigte Verlagerung des Firmensitzes von Wiesbaden nach Meitingen soll nach Angaben von Miehling ab Anfang 2027 abgeschlossen sein. Derzeit werde dafür ein Konzept für die Vorstände erarbeitet.

Am Standort sollen künftig alle Geschäftszweige des Unternehmens vertreten sein. Miehling geht nach eigenen Angaben fest von weiterem Wachstum in Meitingen aus und spricht von einer ambitionierten Wachstumsstrategie.

Kurz angesprochen wurde bei dem Besuch auch die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie geht die Zahl neuer Ausbildungsverträge derzeit zurück. Brossardt führte das sowohl auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Unternehmen als auch auf fehlende geeignete Bewerber zurück. Er erwartet jedoch, dass sich die Entwicklung in den kommenden Jahren wieder stabilisiert.