Interview mit Bundestagsabgeordneter Ulrike Bahr

„Augsburg muss Wandel zur Hightech-Stadt schaffen“

Fujitsu, Weltbild, Premium Aerotec. Viele Big Player aus Augsburg machten in den vergangenen Jahren Negativschlagzeilen. Über die Landesliste der SPD wurde Ulrike Bahr jetzt in den Bundestag gewählt. Im Interview erklärt sie, wie sich der Wirtschaftsstandort Augsburg wandeln muss – und welche Potentiale jetzt ausgeschöpft werden müssen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Bahr, was macht den Wirtschaftsstandort Augsburg für Sie aus?

Ulrike Bahr: Traditionell ist Augsburg durch eine starke Produktions- und Technologieorientierung geprägt. Dieser Bereich ist der stärkste Wirtschaftszweig. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Dienstleistungsbereich. Durch die Gründung der medizinischen Fakultät am Klinikum in Augsburg und die dadurch bedingten Veränderungen an der Universität werden sich die Sparten weiter verschieben.

Welche Rolle spielt dabei die Lage der Stadt innerhalb der Republik?

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Augsburg liegt an einer bedeutenden Ost-West-Achse, die die beiden großen Wirtschaftsstandorte Stuttgart und München verbindet, und ist mit Straße und Schiene angebunden. Augsburg ist in den vergangenen Jahren – vor Corona – kontinuierlich gewachsen und scheint für Zuwanderer sehr attraktiv zu sein. Durch die vielen Arbeitsplätze in Augsburg gibt es einen erheblichen Pendlerverkehr in die Region. Nichtsdestotrotz ist Augsburg als Kommune weiterhin die ärmste Großstadt in Bayern und die Gewerbeeinnahmen reichen nicht aus, den Stadtsäckel zu füllen. Augsburg leidet hier, während der Speckgürtel von den guten Gehältern profitiert.

Gerade drohen in Augsburg aber auch bei einigen Unternehmen Arbeitsplätze wegzufallen. Stichwort: Premium Aerotec. Was können Sie als Politikerin dagegen machen?

Airbus – der Mutterkonzern von Premium Aerotec – ist ein Konzern mit hoher deutsch-französisch-spanischer Staatsbeteiligung. Wenn nun Premium Aerotec an einen Investor verkauft werden soll, verschiebt sich das Gefüge zulasten der deutschen Arbeitnehmer. Auch wenn das Management von Airbus selbstverständlich keinen staatlichen Weisungen unterliegt, kann man darüber doch sprechen und eine bessere Balance anmahnen.

Während der Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche in Deutschland sehr hohe staatliche Unterstützung bekommen. Olaf Scholz hat sich als Finanzminister zur Luft- und Raumfahrtbranche als innovative High-Tech-Branche bekannt. Das wird sich auch nicht ändern, wenn er Kanzler werden sollte. Aber staatliche Krisenhilfe und Unterstützung beim Umbau darf keine Einbahnstraße sein. Ich sehe darum durchaus Möglichkeiten der Politik, zugunsten der Arbeitnehmer Einfluss auf die Entscheidungen des Airbus-Managements zu nehmen. Das betrifft natürlich nicht nur Augsburg, sondern auch die anderen Standorte in Deutschland. Die Betriebsräte und die IG Metall haben deshalb ja auch eine „Allianz des Nordens und des Südens“ geschlossen.

Kann die Bundespolitik dann auch Einfluss auf die generelle Entwicklung der Wirtschaftsregion nehmen? In welche Richtung müsste Bayerisch-Schwaben Ihrer Meinung nach in Zukunft gehen?

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Die Balance einer Wirtschaft, die von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, und Menschen, die genug Geld für ein würdiges Leben brauchen, muss passen. Mir sind vor allem die Arbeitsplätze in Augsburg wichtig, denn hinter jedem Arbeitsplatz steht in der Regel eine ganze Familie, die auf das Einkommen angewiesen ist. Die steigenden Mieten und der Fachkräftemangel machen es für die Unternehmen aber schwierig, ihre Bedarfe zu erfüllen.

Deshalb: Arbeit muss gut entlohnt werden! Auch den Arbeitnehmer ist übrigens klar, dass es Strukturwandel geben wird. Und auch für neue Aufgaben werden qualifizierte Fachkräfte gebraucht. Wir können als Politik zum Beispiel auch die Weiterqualifizierung von Fachkräften unterstützen und damit helfen, langfristig gute Arbeitsplätze zu sichern. Wenn wir ein Recht auf lebensbegleitende Weiterbildung hätten, dann könnte auch ein Jobwechsel für Industriearbeiter eventuell einfacher sein, als das aktuell der Fall ist.

Sehen Sie noch weitere Potentiale, die, besonders hier in Augsburg, noch ausgeschöpft werden können?

Es gibt ja schon eine Reihe von vielversprechenden Projekten, die man weiter unterstützen muss: Stärkung des Innovationsparks, Stärkung einer regionalen Wasserstoffwirtschaft, Power-to-Gas-Projekte, Flüssigluft-Energiespeicher, etc. Augsburg ist außerdem Modellregion für das Thema Energiewende. Das Forschungsprojekt „Synergie“ wird vom Bund mit 100 Millionen Euro gefördert. Es ist Teil der „Kopernikus-Projekte“, der bislang größten Forschungsinitiative der Bundesregierung zum Thema Energiewende.

Bedeutet das, Augsburg befindet sich in einem wirtschaftlichen Wandel?

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Noch ist die Produktion in Augsburg für Wirtschaft und Arbeitnehmer ein extrem wichtiger Bereich. Dies kann sich aber wohl langfristig ändern – die Abwanderung beziehungsweise Insolvenzen großer Unternehmen aus Augsburg hat ja bereits begonnen. Weltbild, Fujitsu und Ledvance sind nur einige davon und die Zukunft von Unternehmen wie Kuka, Premium Aerotec, MAN oder MT Aerospace wird immer wieder bang in Frage gestellt. Langfristig wäre es gut, wenn Augsburg den Wandel von der klassischen Arbeiterstadt zur Hightech-und-Fachkräftestadt schafft.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Bahr, was macht den Wirtschaftsstandort Augsburg für Sie aus?

Ulrike Bahr: Traditionell ist Augsburg durch eine starke Produktions- und Technologieorientierung geprägt. Dieser Bereich ist der stärkste Wirtschaftszweig. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Dienstleistungsbereich. Durch die Gründung der medizinischen Fakultät am Klinikum in Augsburg und die dadurch bedingten Veränderungen an der Universität werden sich die Sparten weiter verschieben.

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Gerade drohen in Augsburg aber auch bei einigen Unternehmen Arbeitsplätze wegzufallen. Stichwort: Premium Aerotec. Was können Sie als Politikerin dagegen machen?

Airbus – der Mutterkonzern von Premium Aerotec – ist ein Konzern mit hoher deutsch-französisch-spanischer Staatsbeteiligung. Wenn nun Premium Aerotec an einen Investor verkauft werden soll, verschiebt sich das Gefüge zulasten der deutschen Arbeitnehmer. Auch wenn das Management von Airbus selbstverständlich keinen staatlichen Weisungen unterliegt, kann man darüber doch sprechen und eine bessere Balance anmahnen.

Während der Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche in Deutschland sehr hohe staatliche Unterstützung bekommen. Olaf Scholz hat sich als Finanzminister zur Luft- und Raumfahrtbranche als innovative High-Tech-Branche bekannt. Das wird sich auch nicht ändern, wenn er Kanzler werden sollte. Aber staatliche Krisenhilfe und Unterstützung beim Umbau darf keine Einbahnstraße sein. Ich sehe darum durchaus Möglichkeiten der Politik, zugunsten der Arbeitnehmer Einfluss auf die Entscheidungen des Airbus-Managements zu nehmen. Das betrifft natürlich nicht nur Augsburg, sondern auch die anderen Standorte in Deutschland. Die Betriebsräte und die IG Metall haben deshalb ja auch eine „Allianz des Nordens und des Südens“ geschlossen.

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Deshalb: Arbeit muss gut entlohnt werden! Auch den Arbeitnehmer ist übrigens klar, dass es Strukturwandel geben wird. Und auch für neue Aufgaben werden qualifizierte Fachkräfte gebraucht. Wir können als Politik zum Beispiel auch die Weiterqualifizierung von Fachkräften unterstützen und damit helfen, langfristig gute Arbeitsplätze zu sichern. Wenn wir ein Recht auf lebensbegleitende Weiterbildung hätten, dann könnte auch ein Jobwechsel für Industriearbeiter eventuell einfacher sein, als das aktuell der Fall ist.

Sehen Sie noch weitere Potentiale, die, besonders hier in Augsburg, noch ausgeschöpft werden können?

Es gibt ja schon eine Reihe von vielversprechenden Projekten, die man weiter unterstützen muss: Stärkung des Innovationsparks, Stärkung einer regionalen Wasserstoffwirtschaft, Power-to-Gas-Projekte, Flüssigluft-Energiespeicher, etc. Augsburg ist außerdem Modellregion für das Thema Energiewende. Das Forschungsprojekt „Synergie“ wird vom Bund mit 100 Millionen Euro gefördert. Es ist Teil der „Kopernikus-Projekte“, der bislang größten Forschungsinitiative der Bundesregierung zum Thema Energiewende.

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