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Ganz egal, in welchem Bereich wir arbeiten: Neue Herausforderungen klopfen immer wieder an unsere Tür und verlangen nach kreativen Lösungen. Dann ist kreatives Denken gefragt, oder anders gesagt: Beweglichkeit im Kopf. Die lässt sich aber leider nicht auf Knopfdruck abrufen. Manchmal will der Funke einfach nicht überspringen. Während man das Problem zum zehnten Mal von allen Seiten betrachtet, vergehen Stunden. Gedanklich geht es dabei nicht voran, stattdessen wird so einiges zerdacht. Was hilft uns also, wieder Kurs aufzunehmen? Ein einfaches, aber oft sträflich ignoriertes Mittel: Bewegung.
Wer gerade mitten im Grübeln steckt, glaubt gern, sich keinen kurzen Spaziergang leisten zu können. Den, so sagt die innere Stimme, hat man sich erst verdient, wenn das Problem gelöst ist. Friedrich Nietzsche sah das genau andersherum. Bei ihm kommt erst der Spaziergang und dann der wertvolle Gedanke. 1888 schrieb er:
„Nur die ergangenen Gedanken haben Werth.“ Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung
Nietzsche war dafür bekannt, Denken und Gehen miteinander zu verbinden. Was er und viele andere Denker intuitiv genutzt haben, lässt sich heute zum Teil wissenschaftlich belegen.
Die Psychologen Marily Oppezzo und Daniel Schwartz von der Stanford University haben in mehreren Experimenten untersucht, wie sich Gehen im Vergleich zum Sitzen auf kreatives Denken auswirkt. Das Ergebnis: Beim Gehen hatten die Teilnehmenden deutlich mehr kreative Ideen als im Sitzen. Bewegung im Körper kann also offenbar mehr Offenheit und damit mehr Kreativität im Denken fördern.
Muss es immer gleich der Spaziergang oder die Runde um den Block sein? Nicht unbedingt. Für die folgende Übung brauchen Sie knapp 60 Sekunden, ein Bein und Ihre Daumen. Probieren Sie es am besten gleich aus, bevor Sie weiterlesen. Und ja, damit meine ich ausdrücklich alle, die die Übung gerade überspringen wollten.
Stellen Sie sich zuerst aufrecht hin und verteilen Sie Ihr Gewicht ganz bewusst gleichmäßig auf beide Füße, also im 50:50-Stand. Sie merken vielleicht, dass das gar nicht so selbstverständlich ist. Heben Sie dann einen Fuß vom Boden ab und strecken Sie die Arme nach vorn aus, die Daumen zeigen nach oben. Wenn Sie stabil stehen, lassen Sie den Blick langsam zwischen Ihren Daumen hin- und herwandern. Klappt das gut, vergrößern Sie nach und nach den Abstand zwischen den Daumen. Oder Sie nehmen einen Arm etwas nach oben und den anderen nach unten. Danach wiederholen Sie die Übung mit dem anderen Bein.
Was einfach aussieht, fordert unser Gehirn ganz schön heraus. Oder haben Sie während der Übung an Ihre letzte Aufgabe oder Ihre To-do-Liste gedacht? Höchstwahrscheinlich nicht.
Der Grund: Wenn Sie auf einem Bein stehen, muss Ihr Gehirn ständig Informationen verarbeiten, damit Ihr Körper stabil bleibt. Dabei arbeiten unter anderem das visuelle System, das Gleichgewichtssystem und die sogenannte Propriozeption zusammen, also die Wahrnehmung, wo sich unser Körper im Raum befindet. Die wandernden Augen machen die Aufgabe noch schwieriger, denn der Blick hat keinen festen Punkt mehr.
Genau deshalb ist die Übung so hilfreich, wenn Sie festgefahren sind: Sie holt Ihre Aufmerksamkeit sofort ins Hier und Jetzt. Statt weiter zu grübeln, bekommt das Gehirn kurz eine ganz andere Aufgabe. Wir zoomen uns sozusagen aus dem Problem heraus. Plötzlich zählt nur noch: Wie halte ich mich stabil? Was machen gerade meine Füße? Was ändert sich, wenn mein Blick keinen festen Punkt hat?
Vielleicht bringt Sie die Übung weit genug vom Problem weg, um es danach klarer zu sehen. Oder zumindest weit genug, um offen für den nächsten Schritt zu sein: einen Spaziergang, auf dem Sie sich von der einen oder anderen guten Idee überraschen lassen.
Sie haben Rückfragen zum Thema an B4B-Expertin Bianca Widmayer oder wünschen eine persönliche Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.