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Vielleicht kennen Sie die verschiedensten Modelle für Führung? Als klassisch gelten der autoritäre, der demokratische und der laissez-faire-Führungsstil. Daraus entwickelten sich moderne Formen, wie situative, visionäre oder transformative Führungsarten. Durch den Siegeszug von Home-Office und „New Work“ waren zusätzlich neue Formen von „Leadership“ notwendig.
Wer vor der Herausforderung steht, Führungsverantwortung neu zu übernehmen oder sich in seiner Führungskultur weiterzuentwickeln, kann über unzählige Bücher, Seminare, Youtube-Tutorials Wissen darüber aufbauen, welche Schwerpunkte Führungsstile haben und welche Methoden dahinterliegen.
Alle diese Leadership Tools haben ihre Berechtigung, doch es besteht die Gefahr, im „Führungsstil-Dschungel“ schnell aus den Augen zu verlieren, worum es wirklich geht: den Menschen! Denn jeder Mitarbeitende bringt die unterschiedlichsten Hintergründe, Prägungen, Qualifikationen, Erfahrungen, Einstellungen, Aufgaben und Rollen mit. Was alle Menschen eint, sind ihre grundlegenden Bedürfnisse, wie Wertschätzung, Respekt und Sicherheit. Wie werden Sie diesen Ansprüchen gerecht?
Zudem stellt sich auch die Frage, welcher Stil zur eigenen Persönlichkeit passt. Die Antwort ist entscheidend, wenn es darum geht, dass Sie Ihre Führungsaufgabe authentisch ausfüllen oder an Ihrem bestehenden Stil etwas verändern wollen.
Die Erkenntnisgrundlage liegt leider ein wenig verborgen, nämlich in der Ausprägung der inneren Haltung. Im Gegensatz zu anderen „Tools“ kann Haltung nicht einfach auswendig gelernt und als Rolle gespielt werden, sondern ist vielmehr die Antwort auf die Frage: „Wofür stehe ich als Führungskraft?“
Haltung und das daraus resultierende Verhalten sind spürbarer Ausdruck des persönlichen Wertsystems. Wenn einem die eigenen Werte bewusst sind, dann wirken diese wie ein innerer Kompass, der Orientierung und Klarheit schafft. Werte können ebenso „Halt“ in einer unsicheren Situation oder bei schwierigen Rahmenbedingungen geben.
Während meiner Zeit als Geschäftsführer war ein Teil unseres Wertesystems, dass wir mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette ehrlich umgehen. Damit hatten meine Mitarbeitenden eine klare Grundlage für selbstständige Entscheidungen, wenn es zum Beispiel um die Art und Weise der Reklamationsbearbeitung ging.
Um diesen Werten vor allem in herausfordernden Zeiten treu zu bleiben und bildlich gesprochen nicht vom Weg abzukommen, lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen. Denn es ist wichtig, eine klare Vorstellung darüber zu haben, nach welchen Werten Haltung und Verhalten ausgerichtet werden.
Werte können Themen sein wie beispielsweise:
Schreiben Sie zunächst einmal alles vollkommen ungefiltert auf ein Blatt Papier, was Ihnen persönlich und in der Rolle als Führungskraft wichtig ist. Überlegen Sie genau, welche Werte Ihnen „am Herzen liegen“. Eine gute Ergänzung wäre, wenn Sie eine Ihnen nahestehende Person befragen, für welche Werte Sie aus deren Sicht stehen.
Sobald Sie Ihre Liste fertiggestellt haben, wählen Sie vier Werte, die Ihnen im Hinblick auf Ihre Arbeit und Ihr Team besonders wichtig sind. Tragen Sie diese in Ihren persönlichen Wertekompass ein.
Dann kommt der entscheidende Schritt: Lassen Sie diese Werte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern nehmen Sie Ihren Kompass täglich oder wöchentlich zur Hand. Überlegen Sie, wie können diese Werte von Ihnen konkret umgesetzt werden? Fragen Sie sich, wie Ihr Umfeld durch Ihre Handlungen merkt, dass Sie nach diesen Werten führen. Wie kommunizieren Sie? Wie reagieren Sie auf Konflikte? Wie treffen Sie Entscheidungen? Wie begegnen Sie Ihren Mitarbeitern auf dem Gang?
Das Interessante dabei ist, dass sich das konsequente Umsetzen von Werten unmittelbar auf Ihre Persönlichkeit und Ihr Umfeld auswirkt. Mit der Zeit kommen Sie vielleicht mit einem bislang schwierigen Mitarbeitenden wesentlich besser zurecht, da Sie auf ihn mit einer anderen Stimmung zugehen. Oder es hat sich Ihre Wahrnehmung verändert, da Ihnen auffällt, wenn Mitarbeitende unzufrieden wirken, und Sie deshalb bewusst das Gespräch suchen.
Haltung entsteht nicht durch schöne Worte auf einem Blatt Papier oder auf der Firmenwebseite. Sie entsteht durch Ihre täglichen Handlungen. Sie entsteht nicht durch das, was wir über uns denken oder sagen, sondern durch das, wie wir im Alltag tatsächlich sind!
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