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Krisen als Wendepunkt: Wie Unternehmer persönliche Stärke gewinnen
Christian Gulden, Mitgründer Vita Mentalis

Krisen als Wendepunkt: Wie Unternehmer persönliche Stärke gewinnen

Christian Gulden, Mitgründer von Vita Mentalis. Foto: Vita Mentalis
Christian Gulden, Mitgründer von Vita Mentalis. Foto: Vita Mentalis

Unternehmer stehen häufig unter hohem Druck, da können persönliche Krisen schnell zur Belastungsprobe werden. B4B-Experte Christian Gulden zeigt, wie daraus neue Perspektiven und nachhaltige innere Stärke entstehen können.

„Ich krieg die Krise!“ – dieser Ausspruch war in den 1990er- und 2000er-Jahren unter Jugendlichen weit verbreitet. Meist war er nicht wörtlich gemeint, sondern eine spontane Reaktion auf etwas Nerviges, Peinliches oder Frustrierendes. Heute scheint es hingegen, als kämen wir aus den Krisen gar nicht mehr heraus. Entsprechend verbinden viele Menschen mit dem Begriff vor allem negative Gedanken und Gefühle. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Krisen – etwa Wirtschafts-, Gesellschafts- oder Umweltkrisen. In diesem Beitrag möchte ich mich jedoch auf persönliche Krisen und Krisensituationen konzentrieren, die gerade auch Unternehmer und Führungskräfte betreffen können.

Wie entstehen persönliche Krisen?

Persönliche Krisen entstehen beispielsweise durch plötzliche Veränderungen, die das bisherige Leben tiefgreifend beeinflussen. Auch notwendige, aber aufgeschobene Entscheidungen, Lebensentwürfe im Konflikt mit dem eigenen Wertesystem oder ein negatives beziehungsweise verzerrtes Selbstbild können Auslöser sein.

Hinzu kommt häufig ein Ungleichgewicht zwischen beruflichen und privaten Anforderungen sowie den eigenen Möglichkeiten zur Erholung und Bewältigung. Gerade Menschen mit großer Verantwortung erleben nicht selten, dass sich Belastungen aus dem Unternehmen und dem privaten Umfeld gegenseitig verstärken.

Wenn die eigene Handlungsfähigkeit schwindet

Wenn Menschen das Gefühl verlieren, ihr Leben selbst gestalten zu können, geraten Orientierung, Werte, Beziehungen, Sicherheit oder Selbstwert ins Wanken. Resignation, innere Lähmung, Rückzug, Selbstaufgabe, Wut, Verzweiflung, Schmerz und Stress können die Folge sein – im schlimmsten Fall auch Erkrankungen. Deshalb ist es wichtig, sich in solchen existenziellen Situationen von Freunden, Angehörigen oder professionell ausgebildeten Begleitern unterstützen zu lassen. Oft werden dadurch Wege sichtbar, die zuvor verborgen schienen.

Krise als Entscheidung und Wendepunkt

Ein bewusster Perspektivwechsel kann helfen, die eigene Krise in einem anderen Licht zu betrachten und trotz schwieriger Umstände eine neue innere Haltung zu entwickeln. Interessant ist dabei ein Blick auf die Herkunft des Begriffs: Das altgriechische Wort „krisis“ bedeutet ursprünglich Entscheidung, Beurteilung oder Wendepunkt. Für mich steckt darin eine wichtige Botschaft. Um Krisenzeiten zu bewältigen, braucht es zunächst eine ehrliche Beurteilung der Situation und anschließend die Suche nach möglichen Lösungen. Der eigentliche Wendepunkt entsteht dort, wo die Bereitschaft wächst, Entscheidungen zu treffen und neue Wege zu gehen.

Mir ist bewusst, dass Menschen mitten in einer Krise oft kaum in der Lage sind, einen konstruktiven Blick auf ihre Situation einzunehmen. Gerade deshalb können Angehörige, Freunde oder professionelle Begleiter helfen, neue Perspektiven zu entdecken. Das kann den Weg aus der Krise erleichtern und verhindern, dass aus einer belastenden Situation eine krankmachende Entwicklung entsteht. Oder wie es Max Frisch treffend formulierte: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Drei Eigenschaften von Krisen

Meine Erfahrungen aus zahlreichen Beratungsgesprächen zeigen mir, dass Krisen drei wichtige Eigenschaften haben: Sie sind normal, sie sind begrenzbar und häufig lösbar – und sie können wertvoll sein.

Krisen sind normal

Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit Krisen konfrontiert. Viktor E. Frankl bezeichnete dies als die „tragische Trias“. Gemeint sind die drei unausweichlichen Grunderfahrungen des Menschen: Leid, Schuld und Tod. Krisen gehören damit zum Leben, auch wenn sie sich in ihrer Intensität und ihren Auslösern stark unterscheiden.

Krisen sind begrenzbar und häufig lösbar

Jede Krise hat grundsätzlich einen Anfang und ein Ende. Während eine akute Krise innerhalb weniger Sekunden entstehen kann, entwickelt sich beispielsweise eine Erschöpfungskrise oft schleichend über einen längeren Zeitraum. Die Überwindung einer Krise ist jedoch häufig ein aktiver und willentlicher Prozess: innehalten, die Lage realistisch bewerten, Unterstützung annehmen, Prioritäten klären und Schritt für Schritt handlungsfähig werden.

Krisen sind wertvoll

Während meiner Coaching-Ausbildung beschäftigten wir uns intensiv mit persönlichen Krisen. Für jede überwundene Krise erhielt man einen Halbedelstein, der in einer kleinen Holzschatulle gesammelt wurde – als Symbol für die eigenen „Lebensschätze“. Diese Botschaft begleitet mich bis heute: Überstandene Krisen können uns stärker, reifer, unabhängiger, bewusster, erfahrener und oft auch dankbarer machen. Anders ausgedrückt: Überwundene Krisen schaffen wertvolle Ressourcen und stärken die Persönlichkeit. Diese Ressourcen sind eine wichtige Grundlage, um zukünftige Herausforderungen mit mehr Gelassenheit, Vertrauen und innerer Stärke zu bewältigen – im privaten Leben ebenso wie in der Verantwortung für ein Unternehmen.

Eine persönliche Einladung zur Reflexion

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und denken Sie an Ihre letzte größere Krise zurück: Was genau ist damals passiert? Was hat diese Situation so belastend gemacht? Welche Fähigkeiten haben Sie entwickelt, um die Krise zu bewältigen? Was haben Sie über sich selbst gelernt? Welche Menschen standen Ihnen zur Seite? Was würden Sie heute anders machen? Und welche Stärke besitzen Sie heute, die Sie vor dieser Krise noch nicht hatten?

Vielleicht entdecken Sie beim Nachdenken Ressourcen wie Mut, Geduld, Widerstandskraft, Gelassenheit, Dankbarkeit, Selbstvertrauen oder die Fähigkeit, Hilfe anzunehmen. Vielleicht wird Ihnen auch bewusst, auf welche Menschen in Ihrem Umfeld Sie sich tatsächlich verlassen konnten. Für Unternehmer kann zudem die Frage hilfreich sein, welche Entscheidungen, Strukturen oder Unterstützungsnetzwerke künftig dabei helfen, Belastungen früher wahrzunehmen und besser zu bewältigen.

Schlussgedanke

Oft erkennen wir erst im Rückblick, dass uns eine schwierige Lebensphase nicht nur Kraft gekostet, sondern auch innere Schätze geschenkt hat. Fragen Sie sich deshalb abschließend: „Welchen wertvollen Stein könnte ich für diese überwundene Krise in meine persönliche Schatzkiste legen?“

Denn jede gemeisterte Krise hinterlässt Spuren. Die entscheidende Frage ist, ob wir darin nur die Narben sehen – oder auch die Ressourcen, die daraus entstanden sind. Krisen gehören zum Leben. Niemand sucht sie freiwillig, und niemand möchte sie erleben. Doch ihr Wert offenbart sich oft erst im Rückblick. Nicht die Krise selbst macht uns stärker, sondern das, was wir in ihr lernen, entdecken und entwickeln.

Sie haben Rückfragen an B4B-Experte Christian Gulden oder wünschen eine persönliche Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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