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Externe Nachfolgelösung: Welche Auswirkung hat die aktuelle Krisensituation?
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Dr. Heiko Frank und Armin Schöpke, WTS Advisory AG

Externe Nachfolgelösung: Welche Auswirkung hat die aktuelle Krisensituation?

Armin Schöpke und Dr. Heiko Frank sind unsere Experten für Mergers & Acquisitions. Foto: WTS

Viele Unternehmen haben derzeit operativ eine Vielzahl an Herausforderungen zu meistern. Explodierenden Kosten für Vorprodukte, Rohstoffe und Energie auf Grund immer noch gestörter Lieferketten sowie der reduzierten Energielieferungen Russlands stehen eingeschränkte Möglichkeiten zur Weitergabe dieser erhöhten Kosten an die Kunden gegenüber. Dies belastet nicht nur die Unternehmensergebnisse, sondern auch den M&A-Markt.

„Unser Unternehmen befindet sich – wie wahrscheinlich viele – in einer komplexen Krisensituation. Zwar haben wir die Pandemie bislang gut weggesteckt, jedoch machen uns Lieferengpässe und die steigenden Energiekosten zu schaffen. Unsere externen Nachfolgepläne hatten wir auf Grund der operativen Herausforderungen der Pandemie hintangestellt. Wann ist es sinnvoll, unsere externen Nachfolgepläne wieder aktiv zu verfolgen?“

 Unsere Experten für Mergers & Acquisitions, Dr. Heiko Frank und Armin Schöpke von der WTS Advisory AG antworten: 

Lassen Sie uns zunächst die aktuelle, multiple Krisensituation mit Ihren Ursachen und Auswirkungen näher betrachten. Das politische Tauziehen um die Ausgestaltung der sogenannten Gaspreisbremse ist ein Spiegel der derzeitigen Verunsicherung bei Verbrauchern, Unternehmen und Investoren. Den Anfang nahm diese Verunsicherung mit Beginn der Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die weltweiten Lieferketten. Verstärkt wurden und werden die Lieferkettenprobleme durch die Blockade des Suezkanals im Jahr 2021 und Chinas anhaltende Null-Covid-Politik. Hinzu kommt seit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine vor mehr als einem halben Jahr die Versorgungsunsicherheit und die immer weiter steigenden Kosten im Energiebereich.

Zusammenfassend lassen sich diese Entwicklungen in den Wachstumsprognosen des ifo-Instituts erkennen, welches seine Prognosen für das BIP-Wachstum 2022 innerhalb von zwölf Monaten von 5,1 Prozent (Herbst 2021) auf zuletzt nur noch 1,6 Prozent (September 2022) wiederholt korrigieren musste. Auch das Konsumklima hat sich in den letzten Monaten erheblich eingetrübt, nachdem es im Nachgang der ersten Corona-Welle deutlich zugelegt hatte. Die vorgenannten Entwicklungen beeinflussen sowohl die Unternehmensergebnisse auf breiter Front negativ als auch das Investitionssentiment am M&A-Markt, was sich in zurückgehenden EBITDA-Multiplikatoren ausdrückt. Beide Faktoren zusammengenommen ergeben entsprechend geringere Unternehmensbewertungen und erschweren somit eine für die Gesellschafter attraktive externe Nachfolgelösung. 

Krisensituation belastet Unternehmensergebnisse 

Die größten Herausforderungen stellen sich deutschen Unternehmen derzeit auf der Kostenseite. Zum einen sind die internationalen Lieferketten seit über zwei Jahren erheblich gestört. In der Folge haben sich Vorprodukte wie etwa Computerchips erheblich verknappt und verteuert. Darüber hinaus belasten stark gestiegene Energiekosten insbesondere energieintensive Branchen und Branchen, die auf Erdgas als Vorprodukt angewiesen sind. Beispielhaft betrachten wir hier die Preisentwicklung für „Day Ahead“ Auktionen am EPEX-Spotmarkt. Von August 2021 auf August 2022 war hier eine Erhöhung des Strompreises von 83 EUR / MWh auf 465 EUR/MWh zu beobachten, was einer Preissteigerung um 460 Prozent entspricht. Im Oktober dieses Jahres konnte bereits leichte Entspannung mit einem Rückgang auf 153 EUR/MWh verzeichnet werden. All diese Faktoren kulminieren in einer anhaltend hohen Inflationsrate von 10,4 Prozent für Oktober 2022. Diese erheblichen Kostensteigerungen treffen auf ein äußerst zurückhaltendes Konsumklima, das sich mit einem Indexwert von -42,8 auf einem Allzeittief befindet. Im Ergebnis führen diese Kostensteigerungen bei beschränkten Möglichkeiten zur Weitergabe an die Kunden zu einer erheblichen Belastung der Unternehmensergebnisse. Diese Gemengelage spiegelt sich auch im ifo Geschäftsklimaindex, der im Oktober dieses Jahres mit 84,3 Punkten den niedrigsten Stand seit der ersten Corona-Welle im zweiten Quartal 2020 erreicht hat. Ähnlich pessimistisch blickten deutsche Unternehmenslenker zuletzt in der Finanzkrise 2008/2009 in die Zukunft. Ganz aktuell ist hinsichtlich der Unternehmensergebnisse aber auch ein erstes Licht am Ende des Tunnels erkennbar: Die DAX40-Unternehmen konnten im 3. Quartal 2022 ihren Gesamtumsatz um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal steigern und ihres Gesamtgewinne sogar um 28 Prozent. 

Unsicherheit belastet EBITDA-Multiples 

Eine statistische Auswertung des Analysehauses Pitchbook zur weltweiten Entwicklung der EBITDA-Multiples zeigt einen starken Rückgang von 11,4-fach (2021) auf 9,4-fach (Q1-Q3/2022). Dies ist der stärkste Rückgang seit der Lehman-Pleite und der darauffolgenden Finanzkrise, als die EBITDA-Multiples von 10,9-fach (2008) auf 7,9-fach (2009) sanken. Der Rückgang der Multiples auf breiter Front ist eine typische Reaktion in einem von großen Unsicherheiten geprägten Marktumfeld. Diese Verunsicherung muss aus Gründen der Vorsicht in Form von Risikoabschlägen bei der Unternehmensbewertung Berücksichtigung finden – das Ergebnis sind zurückgehende Multiples. Erschwerend kommt hinzu, dass M&A-Aktivitäten auf der Käuferseite typischerweise zum Teil mit Fremdkapital finanziert werden. Die Finanzierungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Monaten insbesondere aus zwei Gründen verschlechtert. Zum einen hat das Zinsniveau deutlich angezogen, was Finanzierungen entsprechend verteuert. Allein der 6-Monats-EURIBOR als Basiszinssatz hat sich in diesem Jahr vom -0,5 Prozent auf 2,3 Prozent erhöht. Zum anderen sind die finanzierenden Banken vorsichtiger geworden und gewähren geringere EBITDA-Multiples beziehungsweise Verschuldungsgrade im Rahmen von Akquisitionsfinanzierungen. 

Die Konsequenz sind rückläufige Unternehmensbewertungen 

Wir sehen im M&A-Markt derzeit somit eine Situation, in der auf breiter Frontrückläufige Unternehmensgewinne auf vorsichtige Investoren treffen, die nur geringere Multiplikatoren zu zahlen bereit sind. Die logische Konsequenz daraus sind geringere Unternehmensbewertungen (Enterprise Value, „EV“). Für ein Beispielunternehmen, welches im Jahr 2021 noch ein EBITDA von 10 Mio. EUR erwirtschaftete und bei einem EBITDA-Multiple von 10-fach einen Unternehmenswert von 100 Mio. EUR besaß, bedeutet die aktuell einen deutlichen Bewertungsabschlag. Ein Rückgang des EBITDA auf 8 Mio. EUR sowie ein reduzierter Multiple von 8-fach ergeben in der aktuellen Marktlage einen Unternehmenswert von nur noch 64 Mio. EUR. Im Rahmen einer externen Nachfolgeregelung kann diesen Marktentwicklungen beispielsweise durch eine Konzentration auf strategische Käufer entgegnet werden, da diese typischerweise bereit sind, einen strategischen Aufpreis zu bezahlen. 

Rückgängige Bewertungen belasten M&A-Aktivitäten 

Als M&A-Berater beobachten wir anhand aktueller Mandate sowie auf Basis unseres laufenden Austauschs mit allen relevanten Marktteilnehmern, dass es sowohl bei der Bereitschaft, Unternehmen beziehungsweise Unternehmensteile zu verkaufen, als auch bei der Investitionsbereitschaft von Finanzinvestoren und Strategen eine gewisse Zurückhaltung gibt. Dies ist nur allzu verständlich, da Verkäufer nicht ohne Not einen rückläufigen EV realisieren möchten und Investoren in unsicheren Zeiten abwartend reagieren. In den letzten Wochen ist zudem zu beobachten, dass immer häufiger Transaktionen „auf Eis gelegt“ oder gar komplett abgesagt werden – zu groß sind die Unsicherheiten im Markt. Dies wird auch von der Tatsache unterstrichen, dass es in Deutschland im Gesamtjahr 2022 mit dem Börsengang der Porsche AG nur einen nennenswerten IPO gab. Rein statistisch zeigt der M&A-Markt in der DACH-Region deutlich rückläufige Tendenzen. Die Anzahl der M&A-Transaktionen sank gemäß einer Auswertung von PwC von 1.884 im zweiten Halbjahr 2021 auf 1.436 im ersten Halbjahr 2022. Dies entspricht einem Rückgang von 23,8 Prozent. Der Gesamtwert der Transaktionen ging um 34,8 Prozent von 107,4 auf 67,3 Mrd. EUR zurück. 

Fazit 

Rückläufige Unternehmensgewinne und geringere EBITDA-Multiples belasten derzeit die Unternehmensbewertungen und somit die M&A-Aktivitäten in Deutschland. Gleichzeitig steht Private Equity Investoren mit 1,4 Billionen US-Dollar weltweit eine Rekordsumme an zu investierenden Mitteln zur Verfügung, die während der Investitionsphase der Fonds allokiert werden muss und Grund zur Hoffnung auf eine mittelfristige Erholung des M&A-Marktes gibt. Darüber hinaus gibt es Branchen wie etwa TMT, die von geringeren Multiplikatoren bisher weniger betroffen sind. Für eine externe Nachfolgelösung im Mittelstand muss man vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im M&A-Markt konstatieren, dass ein Verkauf – sofern möglich – derzeit eher aufgeschoben und gut vorbereitet werden sollte. Die so gewonnene Zeit kann zum Beispiel zur Umsetzung wertsteigernder Initiativen wie etwa im Bereich Digitalisierung und der Umstellung von Geschäftsmodellen von einmaligen Umsätzen auf wiederkehrende Umsätze genutzt werden. Wenn sich die Umsätze und Ergebnisse eines Unternehmens in diesem Jahr resilient gegenüber der multiplen Krisensituation zeigen, gibt es im Jahr 2023 gute Argumente für eine angemessene Unternehmensbewertung. Darüber hinaus ist es für mittelständische Unternehmensverkäufer ratsam, sich auf strategische Käufer zu konzentrieren, die auf Grund strategischer Überlegungen und möglicher Synergieeffekte höhere Kaufpreise darstellen können und ein Stück weit losgelöst von den Entwicklungen am M&A-Markt agieren.

Sie haben Rückfragen an M&A-Experten Dr. Heiko Frank von der WTS Advisory AG, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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