Werner-Bonhoff-Preis

Ausbildung von Flüchtlingen: Neu-Ulmer Unternehmer ausgezeichnet

Till Bartelt (Vorstand, Werner-Bonhoff-Stiftung) überreicht Marcello Danieli (links) den Scheck. Foto: Werner-Bonhoff-Stiftung
Die Werner-Bonhoff-Stiftung motiviert in ihrem Mitmach-Projekt „Bürokratie-Therapie“ Unternehmer ihre Bürokratismus-Erfahrungen zu teilen. Jedes Jahr wird ein herausragender Fall mit einem 50.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet.

Die Werner Bonhoff Stiftung vergibt jährlich den „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-§§-Dschungel”. Der Preis geht an Unternehmer, Selbstständige sowie Gründer, die Bürokratismus nicht einfach hinnehmen und mit ihrer Kritik einen Wandel „von unten nach oben“ anregen. Die Auswahl erfolgt unter den unternehmerischen Menschen, die sich mit einem Praxisfall an dem Mitmachprojekt „Bürokratie-Therapie“ beteiligen.

Danieli will freie Stellen mit Flüchtlingen besetzen

Zu den diesjährigen Preisträgern gehört Herr Marcello Danieli, Geschäftsführer der HARDER Logistics GmbH & Co. KG aus Neu-Ulm. Im Genehmigungs-Verfahren zur Ausbildung geeigneter Flüchtlinge zeigte der Unternehmer anhand seines Falls notwendigen Verbesserungsbedarf auf. In seinem Transport- und Logistik-Unternehmen hat Danieli pro Jahr bis zu acht freie Ausbildungsplätze. In den letzten fünf Jahren blieben aber Stellen unbesetzt. Das liegt laut Danieli zum einen an der ungenügenden Grundqualifizierung der Bewerber und zum anderen an der unzureichenden Motivation. Vor zwei Jahren zog er daher in Betracht, die freien Ausbildungsplätze auch mit Flüchtlingen zu besetzen.

Beschäftigung von Hilfsarbeitern statt Ausbildung von Fachkräften

Die erforderliche Genehmigung der Ausbildung erteilt die zuständige Ausländerbehörde den antragstellenden Unternehmen. Im Verfahren wird ein Identitätsnachweis des Bewerbers gefordert, idealer Weise durch einen gültigen Pass. Da dieser bei einem der für Danieli geeigneten Bewerber nicht vorlag, erhielt Danieli lediglich eine auf drei Jahre befristete Genehmigung zur Beschäftigung des aus Westafrika stammenden Mannes als Hilfsarbeiter. Danieli sieht jedoch in der Beschäftigung von Hilfsarbeitern keine langfristige Lösung seines Problems als Unternehmer, der Fachkräfte ausbilden und idealer Weise im Anschluss auch im Unternehmen halten möchte. Daher setzte er seine Bemühungen fort, die Ausbildungsgenehmigung zu erhalten. Nach über 500 aufgewendeten Personalstunden der Firma von Danieli wurde für keinen der Bewerber eine Genehmigung zur Ausbildung erteilt und die freien Ausbildungsplätze im Unternehmen blieben unbesetzt.

Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Verwaltung verbessern

„Es ist unverständlich, dass der Staat zwar viel Geld in Sprache, Unterkunft und Praktika für Flüchtlinge investiert, aber dann Unternehmern, die auf eigene Kosten einen qualifizierten Bewerber ausbilden wollen, derartig viele Steine in den Weg gelegt werden“, erzählt Danieli. Er fordert eine bessere und ressourcenschonende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Verwaltung. „Der bestehende Mangel an geeigneten Auszubildenden und damit zukünftigen qualifizierten Fachkräften ist aus unternehmerischer Sicht ein wichtiges Thema. Hier ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden und den Unternehmern gefragt. Verfahren sollten nicht unnötig kompliziert oder gar schablonenhaft und damit auch für die Beteiligten nicht mehr verständlich entschieden werden. Der Fall von Danieli macht beispielhaft sichtbar, dass es hier Verbesserungsbedarf in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden gib“, betont Stiftungsvorstand Till Bartelt.

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