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„Weichen sind weiter auf Elektromobilität gestellt“: Wie Grob die Autokrise abfedert
Interview

„Weichen sind weiter auf Elektromobilität gestellt“: Wie Grob die Autokrise abfedert

Manuel Neher und Claudia Schorer, Key-Account Manager E-Mobilität bei Grob-Werke in Mindelheim. Der Autozulieferer findet neue Branchen, die die schwächelnde Autoindustrie abfangen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Manuel Neher und Claudia Schorer, Key-Account Manager E-Mobilität bei Grob-Werke in Mindelheim. Der Autozulieferer findet neue Branchen, die die schwächelnde Autoindustrie abfangen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Während die Autoindustrie lahmt, wachsen neue Technologiebranchen. Claudia Schorer und Manuel Neher aus dem Vertrieb der Mindelheimer Grob-Werke erklären, wo Chancen liegen und was sich aus der Autoindustrie übertragen lässt.

B4BSCHWABEN.de: Wie beschreiben Sie die Situation in der Autoindustrie im Moment?

Manuel Neher: Natürlich sehen wir, dass die Automobilindustrie aktuell etwas schwächelt. Die Absatzzahlen, vor allem in der E-Mobilität, haben sich nicht so entwickelt, wie sie vor fünf Jahren prognostiziert wurden. Dadurch haben unsere Verkaufszahlen nicht das Niveau erreicht, mit dem wir geplant hatten. Was uns aber entgegenkommt, ist, dass wir als Hersteller für Investitionsgüter dieses Loch in der Automobilindustrie durch andere Technologien ausbalancieren können.

In welchen Branchen wächst Grob-Werke gerade?

Neher: Wir sehen aktuell, dass Technologien, die wir bereits angeboten haben, stark wachsen. Zum Beispiel Aerospace oder die Medizintechnik. Das sind Branchen, in denen eine hohe Qualität gefordert wird. Dort haben wir einen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern, auch aus dem Ausland.

Claudia Schorer: Zusätzlich entstehen für uns neue Märkte in Technologiebranchen wie humanoide Roboter, Semikonduktoren und Drohnen. In diesen Bereichen können wir unsere bestehenden Strukturen und Kundensegmente für die Fertigung der Komponenten nutzen

Was verbindet diese neuen Branchen?

Schorer: Die Kunden in der Automobilindustrie setzen zum Beispiel humanoide Roboter in der Fertigung ein. Wir haben hier also am Ende das gleiche Ökosystem und die gleichen Player im Markt, sowohl von der Anwenderseite als auch von den Produzenten.

Neher: Es gibt außerdem Bauteile in den neuen Technologien, die wir schon ähnlich für etablierte Technologien produziert hatten, beispielsweise Statoren oder Rotoren. Bei Drohnenantrieben sind die Elektromotoren ähnlich wie die für Elektrofahrzeuge, und die wiederum sind ähnlich zu den Elektromotoren in humanoiden Robotern. Aber wir sehen natürlich auch neue Herausforderungen in diesen Bereichen: kleinere Bauteile, filigranere Anwendungen. Es gibt Dinge, die kann man transferieren, aber wir brauchen auch Neuentwicklungen. Wir suchen insgesamt die Geschäftsfelder mit hoher Stückzahl und hoher Qualität, entweder in der Zerspanung oder in der Montagetechnik.

Viele befürchten in Deutschland den Niedergang der Industrie, vor allem, weil die Automobilbranche schwächelt. Welche Chancen entstehen denn dadurch aus Ihrer Sicht?

Neher: Schwierige Frage. Aber es wird deutlich, welche Vorteile es hat, Kernkompetenzen in Europa zu halten. Denn wir sehen, dass sich Lieferketten ganz schnell ändern oder zusammenbrechen können. Das heißt, wir müssen das Know-how hier halten. Wir sehen nach wie vor, dass in Deutschland und in Europa sehr viel in die Forschung investiert wird und ein großes Potenzial darin steckt. Aktuell stehen wir aber auch vor Strukturproblemen wie hohe Energiekosten oder Lohnabgaben, die die Produktion erschweren. Aber grundsätzlich darf man nicht vergessen, dass Deutschland immer noch ein attraktiver Fertigungsstandort ist. Die Menschen sind motiviert.

Schorer: Wir sind ein Entwicklungsstandort und das sollte man weiterhin nutzen. Ich glaube, in solchen Krisenzeiten besinnt man sich auf das Wesentliche zurück und versucht gemeinsam, auch neue Technologien voranzubringen und sich dafür als Wirtschaftsstandort einen Namen zu machen.

Lesen Sie hier:Grob sucht Wachstum abseits Automotive und findet neue Treiber

Neher: Wir sehen, dass unsere Niederlassungen unsere Produkte genauso gut bauen können wie in Deutschland. Beim tatsächlichen Bauen von Maschinen wird sich in den kommenden Jahren auch noch einiges auf dem Markt verändern. Aber die Neuentwicklung findet bei uns ausschließlich hier in Deutschland statt. Ich denke, das ist immer noch ein Vorteil, weil wir in der Entwicklung definitiv stark sind.

Was braucht aus Ihrer Sicht der Standort Deutschland, damit der Maschinenbau und die Industrie in den nächsten Jahren wettbewerbsfähig bleiben?

Neher: Wir brauchen guten Nachwuchs von den Universitäten und Fachhochschulen. Wir brauchen sichere Lieferketten und stabile politische Rahmenbedingungen. Keine explodierenden Energiepreise und verlässliche Planbarkeit. Dann wird die Innovationsfreudigkeit sichergestellt und damit auch der Maschinenbau. Aber man wird sich definitiv bewegen müssen. Der Wettbewerb schläft definitiv nicht, weder in Osteuropa noch in China.

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Wie blicken Sie in der Autoindustrie auf die nächsten Jahre? Sowohl beim Thema Verbrenner als auch bei der E-Mobilität.

Neher: Wir sehen, dass sich die Märkte in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich entwickeln. Die Vereinigten Staaten setzen wieder mehr auf den Verbrenner. In Europa sehen wir aktuell keinen Trend zurück zum Verbrenner. Die Weichen sind weiterhin auf Elektromobilität gestellt. Das Gleiche in China. Zudem kontaktieren uns viele Kunden für die Optimierung von Elektromotoren. Wir sehen Optimierungen in der Batterietechnik, die hauptsächlich in der Zellchemie stattfinden. Wir sehen also zum einen mehr Fokus auf Effizienz, den CO₂-Fußabdruck und auf Nachhaltigkeit und zum anderen auch mehr Flexibilität, um auf Nachfragen reagieren zu können.

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Wie hat sich die Entwicklung bei Grob-Werke in den letzten ein bis zwei Jahren verändert?

Schorer: Die Entwicklungszyklen sind immer kürzer und der Wettbewerb ist deutlich gestiegen, weil fast überall die Auslastung zurückgegangen ist. Gemessen am „Chinese Speed“ müssen wir in der Entwicklung sehr schnell agieren. Da sprechen wir bei der Entwicklung von Prototypen für zerspante Bauteile von wenigen Tagen bis hin zu Prototypen für Anlagen, die in einem Zeitraum von einem halben Jahr bis zu zehn Monaten entwickelt werden. Aber ich denke, Grob-Werke hat in den letzten 100 Jahren gezeigt, dass es sich neu entwickeln kann. Genauso werden wir uns auch jetzt wieder in den neuen Technologien behaupten: Wir haben die Kompetenz und die Leute dafür. Entsprechend freuen wir uns auf die Zukunft.

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