Die größten Arbeitgeber in Bayerisch-Schwaben | Teil 3

Interview: Deshalb wird am Bosch-Standort Blaichach investiert

Das Oberallgäu hat eine starke Wirtschaft. Dies bezeugen große Arbeitgeber, die in der Region schon über lange Zeit erfolgreich sind. Eines dieser Unternehmen ist Bosch in Blaichach. Im Interview erklärt der kaufmännische Werkleiter Johannes Lauterbach, welche Investitionen in Blaichach geplant sind und wo die strategischen Ziele für die Zeit nach Corona liegen.

Im Oberallgäu ist Bosch einer der größten Arbeitgeber. Wie viele Menschen sind im Unternehmen beschäftigt?

Johannes Lauterbach: Am Bosch-Standort Blaichach/Immenstadt beschäftigen wir rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Diese Mitarbeiter feierten in diesem Jahr auch ein ganz besonderes Jubiläum?

Richtig. Hier am Standort feiern wir 2020 unseren 60. Geburtstag. 1960 wurde das Bosch-Werk in Blaichach als Zünderfabrik gegründet. Nach der Errichtung des Immenstädter Werkteils wurde „BhP“ zum Leitwerk für die ABS/ESP Fertigung an elf Standorten weltweit.

60 Jahre sind eine lange Zeit. Warum haben Sie dem Standort immer die Treue gehalten? 

Unser Standort im Oberallgäu besticht durch die Allgäuer Alpen mit ihrem einzigartigen Panorama. Das mag zunächst für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens nebensächlich klingen. Aber dieser landschaftliche Aspekt zieht seit Jahrzehnten unzählige qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Region. Die Nähe zur Hochschule Kempten sichert uns zudem kontinuierlich hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen. Hier bauen wir besonders auf die Bereiche Elektro- und Informationstechnik, Fahrzeugtechnik, (Wirtschafts-)Informatik und Maschinenbau.

Nun sind die schöne Landschaft und die Hochschule Kempten bestimmt vorteilhaft für Bosch. Aber genügt das, um das Unternehmen zu einem der größten in der Region zu machen?

Ich denke ein wichtiger Faktor ist außerdem, dass das ESP (Elektronische Stabilitäts-Programm), welches am Standort Blaichach gefertigt wird, auf dem Markt sehr erfolgreich ist. Seit 25 Jahren hält ESP Fahrzeuge auch bei kritischen Fahrmanövern sicher in der Spur. Da ESP auf dem Automobilmarkt stets gut nachgefragt ist, können wir hier in Blaichach auch in Mitarbeiter investieren.

Nun ist aber gerade jetzt auch für die Automobilindustrie eine schwierige Zeit. Wie hat sich Corona auf Bosch in Blaichach ausgewirkt?

Trotz der großen Herausforderungen hat Bosch die erste Welle der Pandemie gut bewältigt. Der frühzeitige und konsequente Einsatz von Maßnahmen, hohe Agilität sowie unsere breite Aufstellung bildeten die Basis dafür. Aber wir müssen auch nichts beschönigen: Die Pandemie hatte auch auf den Standort in Blaichach erhebliche Auswirkungen. Der Rückgang der Nachfrage im Frühjahr und Sommer führte zu Betriebseinschränkungen in vielen deutschen Werken, so auch in Blaichach. Von April bis Juli konnte Bosch Blaichach der geringeren Nachfrage mit Kurzarbeit begegnen. Seit August zieht das Geschäft wieder an.

Heißt das, dass Bosch gestärkt aus der Krise hervorgehen wird?

Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abgeschätzt werden. Was aber sicher ist: Bosch investiert. Einer unserer Fokuspunkte heißt Elektromobilität. 2019 waren mehr als eine Million Elektroautos weltweit mit Antriebskomponenten von Bosch unterwegs. Ende 2022 sollen es 14 Millionen sein. Allein 2020 wurden in diesem Bereich rund 500 Millionen Euro investiert. Aus Blaichach kommen übrigens die Bremssysteme für Elektrofahrzeuge.

Gibt es noch weitere Fokuspunkte? 

Allerdings. Bosch setzt auch auf Fahrerassistenzsysteme. Bis 2022 will die Bosch-Gruppe vier Milliarden Euro in diesen Bereich investieren. In Blaichach fertigen wir hierfür eine neue Generation der Frontkamera. Diese Kameras sollen ihre Umgebung besser wahrnehmen und können mehr Informationen verarbeiten. So verfügen die neuen Kameras zusätzlich über einen Öffnungswinkel von 100 Grad statt wie bisher 50 Grad. Dadurch werden zum Beispiel Radfahrer, die sich an einer Kreuzung quer zur Fahrtrichtung des Autos auf Kollisionskurs bewegen, besser und schneller erkannt. Der Bremsvorgang wird eingeleitet und ein Unfall vermieden.

Das heißt, die Zukunft des Standortes Blaichach ist gesichert. Wo sehen Sie die nächsten großen strategischen Ziele des Unternehmens?

Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen und Produkte für das vernetzte Leben, die entweder über künstliche Intelligenz (KI) verfügen oder mit ihrer Hilfe entwickelt oder hergestellt werden. In Blaichach konnten wir bei der Digitalisierung der Fertigung bereits erste Erfolge erzielen. So haben wir neben dem Industrie 4.0 Award – Smart Factory auch einen Preis als Finalist beim Corporate Data Quality Award gewonnen. Diese Anstrengungen wollen wir in den nächsten Jahren deutlich ausbauen.

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Johannes Lauterbach: Am Bosch-Standort Blaichach/Immenstadt beschäftigen wir rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Diese Mitarbeiter feierten in diesem Jahr auch ein ganz besonderes Jubiläum?

Richtig. Hier am Standort feiern wir 2020 unseren 60. Geburtstag. 1960 wurde das Bosch-Werk in Blaichach als Zünderfabrik gegründet. Nach der Errichtung des Immenstädter Werkteils wurde „BhP“ zum Leitwerk für die ABS/ESP Fertigung an elf Standorten weltweit.

60 Jahre sind eine lange Zeit. Warum haben Sie dem Standort immer die Treue gehalten? 

Unser Standort im Oberallgäu besticht durch die Allgäuer Alpen mit ihrem einzigartigen Panorama. Das mag zunächst für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens nebensächlich klingen. Aber dieser landschaftliche Aspekt zieht seit Jahrzehnten unzählige qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Region. Die Nähe zur Hochschule Kempten sichert uns zudem kontinuierlich hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen. Hier bauen wir besonders auf die Bereiche Elektro- und Informationstechnik, Fahrzeugtechnik, (Wirtschafts-)Informatik und Maschinenbau.

Nun sind die schöne Landschaft und die Hochschule Kempten bestimmt vorteilhaft für Bosch. Aber genügt das, um das Unternehmen zu einem der größten in der Region zu machen?

Ich denke ein wichtiger Faktor ist außerdem, dass das ESP (Elektronische Stabilitäts-Programm), welches am Standort Blaichach gefertigt wird, auf dem Markt sehr erfolgreich ist. Seit 25 Jahren hält ESP Fahrzeuge auch bei kritischen Fahrmanövern sicher in der Spur. Da ESP auf dem Automobilmarkt stets gut nachgefragt ist, können wir hier in Blaichach auch in Mitarbeiter investieren.

Nun ist aber gerade jetzt auch für die Automobilindustrie eine schwierige Zeit. Wie hat sich Corona auf Bosch in Blaichach ausgewirkt?

Trotz der großen Herausforderungen hat Bosch die erste Welle der Pandemie gut bewältigt. Der frühzeitige und konsequente Einsatz von Maßnahmen, hohe Agilität sowie unsere breite Aufstellung bildeten die Basis dafür. Aber wir müssen auch nichts beschönigen: Die Pandemie hatte auch auf den Standort in Blaichach erhebliche Auswirkungen. Der Rückgang der Nachfrage im Frühjahr und Sommer führte zu Betriebseinschränkungen in vielen deutschen Werken, so auch in Blaichach. Von April bis Juli konnte Bosch Blaichach der geringeren Nachfrage mit Kurzarbeit begegnen. Seit August zieht das Geschäft wieder an.

Heißt das, dass Bosch gestärkt aus der Krise hervorgehen wird?

Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abgeschätzt werden. Was aber sicher ist: Bosch investiert. Einer unserer Fokuspunkte heißt Elektromobilität. 2019 waren mehr als eine Million Elektroautos weltweit mit Antriebskomponenten von Bosch unterwegs. Ende 2022 sollen es 14 Millionen sein. Allein 2020 wurden in diesem Bereich rund 500 Millionen Euro investiert. Aus Blaichach kommen übrigens die Bremssysteme für Elektrofahrzeuge.

Gibt es noch weitere Fokuspunkte? 

Allerdings. Bosch setzt auch auf Fahrerassistenzsysteme. Bis 2022 will die Bosch-Gruppe vier Milliarden Euro in diesen Bereich investieren. In Blaichach fertigen wir hierfür eine neue Generation der Frontkamera. Diese Kameras sollen ihre Umgebung besser wahrnehmen und können mehr Informationen verarbeiten. So verfügen die neuen Kameras zusätzlich über einen Öffnungswinkel von 100 Grad statt wie bisher 50 Grad. Dadurch werden zum Beispiel Radfahrer, die sich an einer Kreuzung quer zur Fahrtrichtung des Autos auf Kollisionskurs bewegen, besser und schneller erkannt. Der Bremsvorgang wird eingeleitet und ein Unfall vermieden.

Das heißt, die Zukunft des Standortes Blaichach ist gesichert. Wo sehen Sie die nächsten großen strategischen Ziele des Unternehmens?

Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen und Produkte für das vernetzte Leben, die entweder über künstliche Intelligenz (KI) verfügen oder mit ihrer Hilfe entwickelt oder hergestellt werden. In Blaichach konnten wir bei der Digitalisierung der Fertigung bereits erste Erfolge erzielen. So haben wir neben dem Industrie 4.0 Award – Smart Factory auch einen Preis als Finalist beim Corporate Data Quality Award gewonnen. Diese Anstrengungen wollen wir in den nächsten Jahren deutlich ausbauen.

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