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„Bei vielen Betrieben in Staatshand wird der chinesische Wettbewerber bevorzugt.“ Maximilian Offermann ist persönlich haftender Gesellschafter bei der BWF Group in Offingen. Zwar gebe es in China keine offizielle Vorgabe wie etwa den „Buy American Act“. Aber: „Unausgesprochen, nicht dokumentiert. Es ist stärker als es schon mal war“, beschreibt Offermann seine Erfahrungen.
BWF stellt unter anderem Vliesstoffe und Industriefilter her. Seit 1996 produziert das Unternehmen auch in China, für den chinesischen und den asiatischen Markt. „Inzwischen haben wir aber für das Asien-Geschäft auch einen Standort in Thailand, um ein bisschen Risiko aus China herauszunehmen“, sagt Offermann. Der Wettbewerbsdruck in China hat zugenommen.
„Die chinesischen Wettbewerber sind wirklich gut. Das muss man neidlos anerkennen“, sagt Offermann. Die Wettbewerber nutzen ähnliche Anlagen wie BWF. Der Wettbewerbsdruck ist laut Offermann im Moment so groß, dass keiner der Wettbewerber im Moment in seine Produktionen investiere. „Jeder kämpft um Projekte, weil der chinesische Markt insgesamt schwächelt“, erklärt er. Wegen der Überkapazitäten in China wollen die Unternehmen ihre Waren gerade mehr in Europa und den USA verkaufe.
Die Eindrücke von Offermann belegt auch eine Studie der Deutschen IHK. Rund 13.000 Unternehmen aus Deutschland haben daran teilgenommen. Zwei Drittel von ihnen sagen, dass der Konkurrenzdruck durch chinesische Wettbewerber zunimmt. Und nicht nur durch niedrigere Preise, sondern zunehmend auch durch Technologie und Innovation, bei denen die Unternehmen in China aufholen.
Besonders betroffen sind Unternehmen, die Standorte in China haben oder dorthin exportieren, sowie Unternehmen aus der Industrie (83 Prozent) und aus dem Handel (73 Prozent). Aber auch die Unternehmen, die keine direkten Geschäftsbeziehungen mit China haben, berichten laut der Studie von diesem Druck. „Den Druck nehmen die Unternehmen auf allen Märkten wahr. Sowohl vor Ort in China als auch auf dem EU-Binnenmarkt und in Deutschland“, erklärt Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International bei der IHK Schwaben.
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Im Bundesländervergleich nehmen mit 78 Prozent der befragten Unternehmen in Bayern den Druck am stärksten wahr. Warum das so ist, kann Lovell nicht sicher sagen. Sie hat aber eine Vermutung: „Bei uns in Bayern sind aber die klassische Automobil- und Zuliefererbranche und der Maschinenbau dominant. Und gerade in China stehen die unter enormem Druck“, sagt Lovell.
60 Prozent der Unternehmen, die einen wachsenden Wettbewerbsdruck spüren, wollen diesem mit Produktinnovationen begegnen, die Hälfte will ihre Kosten senken. 39 Prozent suchen nach neuen Absatzmärkten.
Doch auch von der EU fordern die Unternehmen Lösungen: Zwei Drittel etwa ein geschlossenes Auftreten der EU gegenüber China. 36 Prozent wollen den Zugang Chinas zum EU-Binnenmarkt begrenzen.
Gleichzeitig sind 55 Prozent für handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrung – selbst wenn ihr eigenes Unternehmen dadurch Nachteile erfahren würde. Etwa durch höhere Kosten, Zölle, Lieferengpässe und Gegenmaßnahmen.
Offermann sieht das anders. „Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Handelsbarrieren“, sagt er. Er befürchtet, dass eine Bevorzugung europäischer Unternehmen am Ende die Bedingungen für genau diese sogar eher verschlechtern würde. Denn das Produkt von BWF besteht aus synthetischen Fasern, die BWF nur in China oder Korea kaufen kann. „Wenn wir anfangen, Zölle oder andere Mechanismen zu installieren, trifft uns das am Ende des Tages genauso“, sagt Offermann. Zudem befürchtet er, dass China Gegenmaßnahmen ergreifen würde, die die europäischen Unternehmen auch wieder treffen.
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„Ich verstehe den Impuls der EU, einen gewissen Schutz zu suggerieren“, sagt Lovell. „Es wäre aber besser, wenn die EU die Wettbewerbsbedingungen hier für die europäischen Unternehmen verbessert, damit diese aus eigener Kraft bestehen können“, sagt Lovell. Zudem würde das wieder mehr Bürokratie bedeuten – ein Punkt, der bereits jetzt viele Unternehmen belastet.
Beim Zugang von chinesischen Handelsplattformen wie Shein und Temu sehen Lovell und Offermann es aber anders. Eigentlich gelten für diese die europäischen und deutschen Vorgaben für etwa Produktsicherheit und Grenzwerte bei Chemikalien. Doch immer wieder wird vor Produkten dieser Plattformen gewarnt. So hat zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe bei 15 von 18 untersuchten Textilien von Shein problematische Chemikalien gefunden. Knapp 40 Prozent der Produkte verstießen gegen geltendes EU-Recht.
„Gerade bei Kleinstsendungen ist es wirklich schwer, das alles zu kontrollieren“, sagt Lovell. Dass der EU hier ausreichend Kontrollmöglichkeiten fehlen, gefährdet die Verbraucher und ist am Ende ein Wettbewerbsvorteil für chinesische Händler und Unternehmen. „Die ganzen Nachweispflichten, welche Stoffe und Chemikalien eingesetzt wurden, kosten viel Geld“, sagt Offermann. „Es wäre ein Ansatz, wenn jemand, der in die EU liefern will, erst mal einen EU-Check durchlaufen müsste“, schlägt Offermann vor. „Dann hätte jedes chinesische Unternehmen die Möglichkeit, zu liefern, aber nach den gleichen Maßstäben wie die europäischen Unternehmen.“
Es liegt nahe, dass dementsprechend auch bei der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR chinesische Händler die Regelungen am Ende nicht oder wenig einhalten. Laut Franziska Behrenz von der Fachberatung Bereich International der IHK Schwaben gilt zwar auch diese Verordnung für alle Unternehmen, auch Temu braucht in jedem europäischen Land einen Bevollmächtigten.
Zudem muss jedes Unternehmen, das etwas in die EU importiert, abfragen, ob die Verpackungen PPWR-konform sind. Sind sie es nicht, darf das Unternehmen die Ware in der EU nicht verkaufen. „Die Frage ist aber immer, wie kontrolliert wird und wie viel Kapazitäten die Behörden haben“, schränkt Behrenz ein. „Das kann man jetzt noch nicht sagen. Da wird man abwarten müssen.“
Wie will BWF aus Offingen mit dem Wettbewerbsdruck in und durch China umgehen? „Wir glauben daran, dass sich am Ende Qualität und gute Beratungsleistung auszahlen“, sagt Offermann. Die eigenen Produkte seien langlebiger als die der Wettbewerber. Diesen Vorteil müsse das Unternehmen eben verkaufen. Dennoch muss BWF laut Offermann auch die eigenen Kosten senken. „Da hilft uns unser weltweiter Produktionsverbund, den chinesische Unternehmen nicht bieten können“, sagt Offermann.
Zudem geht er davon aus, dass in den nächsten ein bis drei Jahren einige chinesische Wettbewerber wieder vom Markt verschwinden werden. „Es werden Preise geboten, dafür kaufen wir nicht mal das Rohmaterial ein. Das wird nicht funktionieren“, ist sich Offermann sicher. Früher oder später werde sich der Markt bereinigen. „Da brauchen wir ein bisschen einen längeren Atem. Dann wird man sehen, wohin die Reise geht.“