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Wie gründungsstark ist der Wirtschaftsstandort Bayerisch-Schwaben?
Bilanz

Wie gründungsstark ist der Wirtschaftsstandort Bayerisch-Schwaben?

Die IHK Schwaben zieht Bilanz zum Gründungsjahr 2025.
Die IHK Schwaben zieht Bilanz zum Gründungsjahr 2025. Foto: IHK Schwaben

Die Zahl der Gewerbegründungen in Bayerisch-Schwaben ist 2025 auf einen Rekordwert gestiegen. Besonders der Wirtschaftsraum Augsburg, das Allgäu und Westschwaben verzeichnen deutliche Zuwächse. Neue Technologien und Künstliche Intelligenz treiben Gründungen an.

Wie steht es um Gründungsstärke in Bayerisch-Schwaben? Im Jahr 2025 wurden in der Region 15.380 neue Gewerbe angemeldet. Das sind 8,45 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wurde sogar der bisherige Höchstwert aus der Corona-Zeit übertroffen. Besonders stark entwickelte sich der Wirtschaftsraum Augsburg mit 5.778 Neugründungen. Das entspricht einem Plus von 12,26 Prozent. Im Allgäu wurden 5.697 neue Gewerbe angemeldet. Das sind 7,35 Prozent mehr als im Vorjahr. In Westschwaben stieg die Zahl auf 2.383 Gründungen. Das entspricht einem Plus von 9,82 Prozent. Die Berater der IHK-Regionen bewerten diese Entwicklung positiv. „Wir spüren, dass gerade junge Menschen mit innovativen Konzepten und Produkten den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – und das trotz der derzeit konjunkturell schwierigen Lage“, sind sich Maximilian Brill, Gerhard Remmele, Karin Bräuer und Jürgen Wager einig.

Immer mehr Chancengründer starten ein Unternehmen

Nach Angaben der IHK Schwaben gründen heute viele Menschen aus Überzeugung und nicht aus wirtschaftlicher Not. Viele beginnen zunächst im Nebenerwerb. So können sie ihre Geschäftsidee testen und gleichzeitig finanziell abgesichert bleiben. Die Zahl der Gewerbeabmeldungen ging 2025 erneut zurück und lag bei rund 11.500. Dadurch stieg das Gründungssaldo, die Differenz zwischen An- und Abmeldungen, um mehr als 50 Prozent. „Aktuell machen sich zunehmend Chancengründer auf den Weg. Das sind Menschen, die trotz der konjunkturellen Risiken den Wunsch verfolgen, der eigenen Idee nachzugehen", so die Regionalberater. „Das unterstreicht, dass sich die neugegründete Gewerbe in den meisten Fällen am Markt etablieren können.“

Künstliche Intelligenz verändert die Gründungsszene

Die IHK sieht neue Technologien als wichtigen Treiber dieser aktuellen Entwicklung. Vor allem Künstliche Intelligenz erleichtere den Einstieg in die Selbstständigkeit. Neue digitale Werkzeuge könnten den Zeit- und Kostenaufwand bei der Entwicklung und Erprobung von Geschäftsmodellen senken. Zudem entstehen immer mehr Unternehmen, deren Geschäftsmodell direkt auf Künstlicher Intelligenz basiert. Dazu gehören Lösungen für Prozessautomatisierung, KI-Schnittstellen oder Beratungsangebote für Unternehmen.

Augsburg baut seine Start-up-Stärke aus

Im Wirtschaftsraum Augsburg stieg die Zahl der Neugründungen von 5.147 auf 5.778. Gleichzeitig blieb die Zahl der Gewerbeabmeldungen mit 4.233 nahezu unverändert. Das Gründungssaldo erhöhte sich auf 1.545 und lag damit 68 Prozent über dem Vorjahr. Nach dem „Startup und Scaleup Monitor“ bildet Augsburg mit seinem Umland das drittgrößte Start-up-Ökosystem Bayerns. Insgesamt gibt es dort 125 Start-ups. Augsburg selbst belegt bundesweit Rang 29 mit 81 Start-ups. Jedes fünfte Start-up arbeitet in der Software-Branche. „Eine entscheidende Rolle spielt, dass wir in der Region über ein gut funktionierendes Ökosystem verfügen, in dem Akteure wie Hochschulen und Gründerzentren eng vernetzt sind“, sagt Jürgen Wager, Gründungsberater für den Wirtschaftsraum Augsburg.

Allgäu und Westschwaben setzen Wachstum fort, Nordschwaben bleibt hoch

Auch das Allgäu erreichte 2025 einen neuen Höchststand bei den Gewerbegründungen. Das Gründungssaldo stieg auf fast 1.300 und lag damit 45 Prozent über dem Vorjahr. Kempten belegt mit 31 aktiven Start-ups je 100.000 Einwohner Platz 48 im bundesweiten Städtevergleich.

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In Westschwaben wurden 2.383 neue Gewerbe gegründet. Gleichzeitig sank die Zahl der Gewerbeabmeldungen auf 1.720. Das Gründungssaldo stieg auf 633 und lag damit 85 Prozent über dem Vorjahr. Neu-Ulm belegt Platz 63 im bundesweiten Start-up-Ranking. Zum regionalen Netzwerk gehören unter anderem die Hochschule Neu-Ulm mit dem Founders Space, die TFU GmbH, das Areal Digital Leipheim, die Startup-Region-Ulm und StartupSüd.

In Nordschwaben wurden 2025 insgesamt 1.522 Gewerbe gegründet. Damit lag die Region nur knapp unter dem Rekordwert des Vorjahres. Die Zahl der Gewerbeabmeldungen sank auf 1.170. Das Gründungssaldo blieb mit 352 stabil. Unterstützt werden Gründerinnen und Gründer unter anderem durch das Technologie Centrum Westbayern in Nördlingen sowie die Initiative „Gründen oder Übernehmen – Durchstarten im Landkreis Dillingen“.

Weniger Gründerinnen nutzen das Angebot

Die IHK Schwaben führte 2025 rund 1.750 Beratungsgespräche mit Gründungsinteressierten. Das Niveau blieb damit hoch. Der Anteil der Gründerinnen ging jedoch von 44 auf 41 Prozent zurück. „Hier besteht noch erhebliches Potenzial. Dazu ist es wichtig, gezielt Anreize zu setzen und strukturelle Hürden abzubauen“, erklären die Gründungsberater. Menschen mit Migrationshintergrund nutzen die Beratungsangebote der IHK laut eigenen Aussagen überdurchschnittlich häufig. „Sie kommen meist gut vorbereitet in die Beratung und bringen tragfähige Geschäftsideen mit“, so die Berater.

Auch im bundesweiten Vergleich entwickelt sich Bayerisch-Schwaben überdurchschnittlich. Während die Zahl der Neugründungen deutschlandweit um 7,7 Prozent zunahm, lag das Plus in Bayerisch-Schwaben bei 8,45 Prozent.

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