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Magnus Trinkwalder vom Augsburger Textilunternehmen Manomama ist mit Blick auf die neue Verpackungsverordnung der EU in einem Zwiespalt. „Die Verordnung hat wirklich gute Punkte, etwa Höchstgrenzen für PFAS in Lebensmittelverpackungen oder das Ziel, Verpackungsmüll zu reduzieren. Das sind Dinge, die wir als Manomama absolut unterschreiben“; sagt er.
Doch für Manomama mit seinen 50 Mitarbeitenden ist die „Packaging and Packaging Waste Regulation“ oder kurz „PPWR“ eine zusätzliche Belastung. „Wir sind eine kleine Manufaktur und kein Textilriese wie Temu oder Shein mit großen Abteilungen, die solche Themen sofort abfedern können“, sagt Trinkwalder. „Für uns ist das aktuell ein Verwaltungsakt, den wir erst einmal verstehen und koordinieren müssen.“ Die PPWR gilt seit 12. August.
Teil der PPWR ist es, dass Unternehmen, die in ein EU-Land Waren versenden, dort einen Bevollmächtigten brauchen. Dieser übernimmt die Verantwortung für die Entsorgung und das Recyceln der Verpackungen. Trinkwalder geht davon aus, dass ihn Bevollmächtigte in allen EU-Ländern einen fünfstelligen Betrag kosten würden. Heruntergerechnet auf eine Jeans, mache das einen Euro aus. Den Verwaltungsaufwand nicht eingerechnet. Eine Kostenerhöhung, die das Unternehmen nicht an die Kunden weitergeben würde und dann die eigene Marge belastet. „Wir haben Margen von 20 bis 30 Prozent. Da kann so ein Euro schnell 15 bis 20 Prozent der Marge auffressen.“
Manomama hat seinen EU-Versand eingestellt und prüft, in welche Länder sich der Versand noch lohnt. Österreich vielleicht.
Wie Manomama geht es vielen kleineren Unternehmen, weiß Franziska Behrenz von der Fachberatung Bereich International der IHK Schwaben. „Dass der Bevollmächtigte hier die Verantwortung übernimmt, macht die Angebote teuer. Das macht es für viele kleine Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Behrenz. „Manche sagen, dass damit der Binnenmarkt für sie tot sei. Andere, dass das ihr Geschäft insgesamt gefährde.“ Denn teilweise breche jetzt mehrere tausend Euro Umsatz weg. Weil dieser sich über verschiedene EU-Länder verteilt, lohne es sich aber nicht, sich in jedem Land zu registrieren.
So jemand ist Christian Huber. Er ist Geschäftsführer der Ledermanufaktur Riemenmeister aus Augsburg. Hat sechs Mitarbeitende. Wegen der neuen Verpackungsverordnung hat er den Versand in alle EU-Länder eingestellt. Nur noch nach Österreich liefert er seine Gürtel, Geldbeutel und Brillenetuis. Andere Länder lohnen sich für Huber nicht mehr. „Erstens sind die Regeln total undurchsichtig. Zweitens muss ich für jedes Land 300 bis 400 Euro für die Registrierungen planen“, sagt Huber.
Huber rechnet damit, dass er ohne das EU-Geschäft fünf bis zehn Prozent weniger Umsatz machen wird. Würde er auch nicht mehr nach Österreich liefern, läge sein Umsatzausfall bei 20 Prozent. Neben seinen Umsatzeinbußen bereitet ihm die Verordnung noch ein anderes Problem: „In der Zeit, in der ich mich mit der Verordnung beschäftigen muss, könnte ich mich sonst um die Weiterentwicklung meines Geschäftes und Personals kümmern.“
Huber und Trinkwalder fühlen sich durch die neue Verordnung ungerecht behandelt. „Es sind mal wieder Regeln, die am Ende große Unternehmen schützen, weil sie Ressourcen haben, um sich dagegen zu wappnen“, kritisiert Trinkwalder. „Vor allem kleine Unternehmen leiden und nicht die, die für einen sehr großen Anteil am Verpackungsmüll verantwortlich sind.“
Huber fürchtet, dass die PPWR heimischen Unternehmen schadet, während chinesische Großkonzerne wie Temu dadurch dann profitieren. „Wir diskutieren in der EU schon lange, wie wir uns davor schützen können, dass Plattformen wie Temu unsere Geschäfte zerstören. Und jetzt wurde mit der Verordnung genau das Gegenteil geschafft“, kritisiert Huber. Weil kleine Unternehmen wie seine Ledermanufaktur Riemenmeister ihren EU-Handel einstellen müssen. Weil die großen Unternehmen eigene Rechtsabteilungen haben, während er als Geschäftsführer sich selbst um die PPWR kümmern muss – statt um sein Geschäft.
Laut Behrenz von der IHK Schwaben gilt die PPWR für alle Unternehmen. Auch für chinesische Unternehmen, die etwas in die EU liefern. So bräuchte auch Temu in jedem europäischen Land einen Bevollmächtigten. Zudem muss jedes Unternehmen, das etwas in die EU importiert, abfragen, ob die Verpackungen PPWR-konform sind. Sind sie es nicht, darf man die Ware in der EU nicht mehr verkaufen. „Die Frage ist aber immer, wie kontrolliert wird und wie viel Kapazitäten die Behörden haben“, schränkt Behrenz ein. „Das kann man jetzt noch nicht sagen. Da wird man abwarten müssen.“
Wie Trinkwalder findet auch Huber von der Ledermanufaktur Riemenmeister die Absicht gut, dass durch die PPWR Verpackungsmüll reduziert werden soll. Aber: „Es wurde mit der Verordnung auf die großen Unternehmen gezielt und die kleinen hat es getroffen. Amazon hat in jedem Land eine Niederlassung, die brauchen keinen extra Bevollmächtigten. Es hat die Falschen getroffen“, kritisiert Huber. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie weltfremd man sein muss, dass man solche Gesetze macht und nicht über die Folgen für die Wirtschaft nachdenkt.“
Trinkwalder vermisst bei solchen EU-Verordnungen ebenfalls den Praxisbezug. „Die Leute, die Posten bei der EU besetzen, sollten mehr praktischen Background haben und ein Fingerspitzengefühl dafür, was ihre Regeln dann bei mittelständischen Unternehmen auslösen“, wünscht er sich. Die EU hätte die Verordnung besser gestalten können, indem sie ein EU-weites Zentralregister einführt, statt der einzelnen Registrierungen für alle 27 Länder. „Warum gibt es eine EU-weite Verordnung, wenn die Umsetzung dann wieder national zersplittert ist? Damit zerschlägt man ja die Harmonisierung dieses Binnenmarkts völlig und den Grundgedanken der EU auch“, wundert sich Trinkwalder.
Huber hofft, dass die EU gerade für kleine Unternehmen eine einfache Lösung findet. Doch bis dahin, so fürchtet er, sind seine Stammkunden in den EU-Ländern schon verloren. Und Trinkwalder? Der blickt mit Manomama in die Zukunft: „Wir gehen unseren Weg weiter. Ich behaupte selbstbewusst: Wir machen vieles nachhaltiger und innovativer, als die EU es bislang vorsieht.“