Innovation aus Schwaben

Plasmion: Gewinner des Startup-Slams Augsburg im Interview

Dr. Klaus Wutz und Dr. Jan-Christoph Wolf von Plasmion. Foto: Plasmion
Mit seinen „elektronischen Nasen“ hat Plasmion den ersten Augsburger Startup-Slam gewonnen. Warum die Auszeichnung so wichtig ist und wie es zur Firmenidee überhaupt kam, verrät Gründer Dr. Jan-Christoph Wolf im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie ist die Idee zu Plasmion entstanden?
Dr. Jan-Christoph Wolf: Nach meiner Promotion arbeitete ich an der ETH Zürich an einer mobilen Methode, chemische Kampfstoffe aufzuspüren. Dabei wurde mir das enorme Potential dieses Konzepts bewusst und es entstand die Idee zur Kommerzialisierung. Die Erfahrungen von damals bildeten die Grundlage für die Technologie, die das Team von Plasmion schließlich patentiert hat. Wir sind drei Chemiker und ein Betriebswirtschaftler. Die Gründung der Firma erfolgte im Juli 2016, unser erstes Produkt wurde dann im Januar 2017 auf den Markt gebracht.

Was macht Plasmion genau?

Vereinfacht gesagt, stellen wir „elektronische Nasen“ her. Der Kunde erhält ein System, mit dem er vollautomatisiert messen kann. Anders als bei einer klassischen Analyse ist keine Vorbereitung der Proben nötig. Das spart enorm viel Zeit.

Ein Beispiel: Sie kennen den Geruch von Kaffee. Dieser setzt sich aus mehr als 300 Aromastoffen zusammen. Wenn Sie nun wissen möchten, welche Stoffe das sind, dann müssten sie normalerweise den Kaffee im Labor mahlen, extrahieren, auftrennen und dann analysieren. Dies dauert circa einen halben Tag. Mit unserer Technik halten sie einfach nur die Kaffeebohne vor das Messgerät und haben in unter einer Sekunde die enthaltenen Aromastoffe gemessen.

Und das gilt nicht nur für Kaffee. Sie können damit fast alles messen und in Echtzeit verfolgen. Von krebserregenden Stoffen im Abgas, giftigen Industriechemikalien, Pestiziden im Boden, im Wasser oder in Lebensmitteln, alle Arten von Aromastoffen, Biomarker in menschlichem Atem, Sprengstoffe, Drogen und natürlich auch chemische Kampfstoffe.

Wer ist die Zielgruppe?

Neben klassischen Analyselaboren vor allem Industriekunden, die über unsere Technik einen sensitiven und selektiven „Geruchssensor“ für ihre Automatisierung einsetzen wollen. Industrie 4.0 ist hier ein wichtiges Schlagwort. So kann die Sicherheitsindustrie mit unserer Technik eine automatische, kontaktlose Sprengstoff- oder Drogenkontrolle an Flughäfen oder Hotels verwirklichen.

Als Startup: Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Team?

Unsere Haupt-Herausforderung ist es derzeit, bekannter zu werden. So wollen wir entsprechende Kunden und Projektpartner gewinnen. Die beste Technik hilft nichts, wenn niemand weiß, dass es sie gib.  Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Industriepartner, der unseren SICRIT®-Sensor in seinem industriellen Umfeld einsetzen möchte.

Welche Unterstützung bekommt von Plasmion?

Zunächst konnten wir das EXIST-Förderstipendium in Anspruch nehmen. Nun finanzieren wir uns über unsere Umsätze im Labormarkt. Da wir sehr stark in Forschung und Entwicklung investieren, nutzen wir auch verschiedene Förderangebote wie beispielsweise Innovations-Gutscheine. Gerade für den anstehenden Sprung in den Industriemarkt sind wir aber auch auf der Suche nach entsprechender finanzieller Unterstützung.

Plasmion hat den ersten Augsburger Startup-Slam gewonnen. Wie wichtig ist das für Ihr Unternehmen?

Ganz ehrlich? Wir hätten nicht damit gerechnet zu gewinnen. Die Konkurrenz war sehr groß und alle hatten gute Ideen. Zudem war es auch unser erster öffentlicher Pitch überhaupt. Wenn man dann auch noch gleich gewinnt, ist das ein tolles Feedback und motiviert enorm – vor allem, da es sich um einen Publikumspreis handelt. Natürlich ist dieser Erfolg auch eine super Werbung für zukünftige Kunden, Kooperationspartner und Investoren.

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