Im Gespräch mit Lorenz A. Rau

Messe Augsburg: „Herber Rückschlag für die ganze Branche“

Eine Branche in Bedrängnis: Durch das Corona-Virus werden weltweit Veranstaltungen und Messen verschoben oder abgesagt. Wie schlimm es in Augsburg ist und welche Potenziale der neue Messe-Geschäftsführer im Standort sieht.

Seit Sommer letzten Jahres steht fest, dass Lorenz A. Rau neuer Geschäftsführer der Messe Augsburg wird. Zum 1. März 2020 übernahm er das Amt, mitten in der Corona-Krise. „Generell ist das, was gerade in der Messebranche passiert, fast katastrophal. Es wird am Vertrauen, an der Glaubwürdigkeit und der Sicherheit des ganzen Instruments gerüttelt. Wenn Menschen Angst haben, zu einer Messe zu gehen, weil sie fürchten, gesundheitliche Schäden davon zu tragen, ist das das Schlimmste, was passieren kann“, erklärt Rau rund zwei Wochen nach seinem Start. „Ein herber Rückschlag für die ganze Branche.“

Wirtschaftlich schwierige Situation für Messeveranstalter

Ein „extrem schmerzhafter Verlust“ für Augsburg und die Region war laut Rau auch die Verschiebung der Weltleitmesse für Schleiftechnik, GrindTec. „Nicht nur wir als Gastgeber mit den Hallen hängen daran.“ Besucher, Austeller, Dienstleister – sie alle waren auf die Messe eingestellt. Hotels seien teilweise komplett mit Messebesuchern und Ausstellern ausgebucht gewesen. Jetzt sind sie leer. Auch Messeveranstalter selbst trifft die aktuelle Situation teils schwer. „Wirtschaftlich betrachtet ist es für viele eine sehr schwierige Situation. Im besten Fall kann man es irgendwie abfedern, im schlimmsten Fall hat es katastrophale wirtschaftliche Folgen.“

Daher begrüßt Rau die Lösung, gerade die großen Messen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die Hoffnung: in ein paar Monaten hat sich die Situation soweit beruhigt, dass allen Teilnehmern ein sicherer Zugang gewährt werden kann. Fünf große Veranstaltungen und Messen mussten bisher von der Messe Augsburg verlegt werden. „Man kann nicht alles in die zweite Jahreshälfte verschieben“, gibt Rau zu bedenken. Um das Meiste möglich zu machen, soll möglichst eng getaktet werden.

Messen im digitalen Zeitalter

Während die Großen verschieben, steigen Kleine auf alternative Lösungen um. Firmen setzten bei internen Events beispielsweise auf Videokonferenzen, statt Räume der Messe zu mieten. Ersetzen können solch digitale Lösungen die Branche aber nicht. „Messen bergen viel mehr Potenzial. Dieses haptische, sich zu begegnen, einem möglichen Geschäftspartner in die Augen zu sehen – alles Sachen, die über das World Wide Web nicht möglich sind“, so Rau.

Digitalisierung sei dennoch eine riesige Chance für Messen und Messeveranstalter. Zum einen lassen sich neue Messen rund um digitale Themen kreieren. Zum anderen lässt sich ein Messebesuch vereinfachen. Die Vergangenheit zeigte: Besucher wollen geführt werden. Routenplaner auf dem Smartphone um effizient zum Wunsch-Austellern zu kommen sind nur ein Beispiel. In Augsburg prüft Lorenz Rau derzeit, was bereits umgesetzt wird und was noch implementiert werden kann. Dabei nennt er eine digitale Wegeführung, die individuell an verschiedene Messen angepasst werden kann – wie am Flughafen. „In Augsburg sind wird eher der ‚Smart Follower‘, der schaut, was bei den Großen gut funktioniert“, erklärt Rau.

Corona verschärft Wettbewerbslage

Beim Blick auf andere Messen hält Rau außerdem fest: „Es ist ein sehr fairer Wettbewerb.“ Die öffentliche Debatte um den neuen Standort der IAA sei eine echte Ausnahme in Deutschland. Jeder Standort habe ein Portfolio an Veranstaltungen und eigenen Themencluster, in denen man sich bewege. Anders sehe es im Ausland aus. „International ist es teils ruinös. Da gibt es viele privat organisierte Veranstalter, die gar kein Gelände haben, sich billig einmieten, Gewinne einstreichen und dann wieder gehen. Die größten zehn Veranstalter haben sich in den letzten Jahren zudem teilweise gegenseitig aufgekauft. Gerade durch Corona wird sich dieser Wettbewerb verstärken. Da werden Messen wegbrechen und sich die Lage verschärfen.“ Sorgen um den Standort Augsburg macht sich Rau zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht. Es gilt, den positiven Trend der letzten Jahre über die Krise hinweg zu bewahren und voranzutreiben.

„Den einen großen Trend bei Messen gibt es nicht“

Diesen haben nicht zuletzt große Branchentreffs wie die GrindTec begünstigt. Mit dem Nischenschwerpunkt „Schleiftechnik“ zieht die Messe alle zwei Jahre die gesamte Community nach Augsburg. Heißt nicht, dass nur noch solche Formate Zukunft haben. „Ich glaube den einen großen Trend bei Messen gibt es nicht“, macht Rau deutlich. „Große, allgemeine Messen – Publikums wie B2B-Messen – haben es immer schwerer“, erklärt er, betont aber, dass Ausnahmen hier die Regel bestätigen. Die Zukunft sieht er mehr in Richtung Fach- und Spezialmessen. Auch Kongressmessen etablieren sich immer mehr. Dabei sei der Standort mit ausschlaggebend, wo eine Messe großes Potenzial hat.

Messe Augsburg: Ziel ist Umwegrentabilität

Rentabilität im klassischen Sinne sei aber nicht die oberste Priorität für die Messe Augsburg selbst. Diese ist schließlich ein Kommunales Unternehmen, hat die Aufgabe, die Wirtschaft zu fördern. „Unser Hauptunternehmenszweck ist es nicht, wahnsinnig viel Geld zu verdienen, wie ein Börsen-Unternehmen. Unser Hauptziel ist es, Umwegrentabilität zu erwirtschaften. Veranstaltungen, die für uns ein Null-Summen-Spiel wären, würden für die Region trotzdem einen positiven Effekt bedeuten.“ Man rechnet mit jedem verdienten Messe Euro werden weitere sieben bis zehn Euro in der Region erwirtschaftet.

Rau sieht Potenzial in eigenen Messeveranstaltung

Trotz turbulentem Start freut sich Rau auf seine kommenden Aufgaben. „Ich habe gute Rahmenbedingungen am Standort gesehen. Im Portfolio mit eigenen Veranstaltungen sehe ich viel Potenzial für Wachstum. Ich glaube, dass Augsburg eine große Rolle spielen kann im starken Wirtschaftsstandort Bayern. Dafür hat die Messe zwischen Nürnberg und München eine gute Position, die aktuell noch unter Wert verkauft wird.“ Spannend bleibt dabei auch die Zusammenarbeit mit dem Freistaat. „Der Freistaat Bayern hat sich ja in den letzten Jahren an allen großen Investitionen nicht wenig beteiligt, ohne Gesellschafter zu sein. Da muss man in den nächsten Monaten und Jahren schauen, wo und wie wir weiter kooperieren können. Wir werden sehen, was die Zeit bringt.“

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Im Gespräch mit Lorenz A. Rau

Messe Augsburg: „Herber Rückschlag für die ganze Branche“

Eine Branche in Bedrängnis: Durch das Corona-Virus werden weltweit Veranstaltungen und Messen verschoben oder abgesagt. Wie schlimm es in Augsburg ist und welche Potenziale der neue Messe-Geschäftsführer im Standort sieht.

Seit Sommer letzten Jahres steht fest, dass Lorenz A. Rau neuer Geschäftsführer der Messe Augsburg wird. Zum 1. März 2020 übernahm er das Amt, mitten in der Corona-Krise. „Generell ist das, was gerade in der Messebranche passiert, fast katastrophal. Es wird am Vertrauen, an der Glaubwürdigkeit und der Sicherheit des ganzen Instruments gerüttelt. Wenn Menschen Angst haben, zu einer Messe zu gehen, weil sie fürchten, gesundheitliche Schäden davon zu tragen, ist das das Schlimmste, was passieren kann“, erklärt Rau rund zwei Wochen nach seinem Start. „Ein herber Rückschlag für die ganze Branche.“

Wirtschaftlich schwierige Situation für Messeveranstalter

Ein „extrem schmerzhafter Verlust“ für Augsburg und die Region war laut Rau auch die Verschiebung der Weltleitmesse für Schleiftechnik, GrindTec. „Nicht nur wir als Gastgeber mit den Hallen hängen daran.“ Besucher, Austeller, Dienstleister – sie alle waren auf die Messe eingestellt. Hotels seien teilweise komplett mit Messebesuchern und Ausstellern ausgebucht gewesen. Jetzt sind sie leer. Auch Messeveranstalter selbst trifft die aktuelle Situation teils schwer. „Wirtschaftlich betrachtet ist es für viele eine sehr schwierige Situation. Im besten Fall kann man es irgendwie abfedern, im schlimmsten Fall hat es katastrophale wirtschaftliche Folgen.“

Daher begrüßt Rau die Lösung, gerade die großen Messen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die Hoffnung: in ein paar Monaten hat sich die Situation soweit beruhigt, dass allen Teilnehmern ein sicherer Zugang gewährt werden kann. Fünf große Veranstaltungen und Messen mussten bisher von der Messe Augsburg verlegt werden. „Man kann nicht alles in die zweite Jahreshälfte verschieben“, gibt Rau zu bedenken. Um das Meiste möglich zu machen, soll möglichst eng getaktet werden.

Messen im digitalen Zeitalter

Während die Großen verschieben, steigen Kleine auf alternative Lösungen um. Firmen setzten bei internen Events beispielsweise auf Videokonferenzen, statt Räume der Messe zu mieten. Ersetzen können solch digitale Lösungen die Branche aber nicht. „Messen bergen viel mehr Potenzial. Dieses haptische, sich zu begegnen, einem möglichen Geschäftspartner in die Augen zu sehen – alles Sachen, die über das World Wide Web nicht möglich sind“, so Rau.

Digitalisierung sei dennoch eine riesige Chance für Messen und Messeveranstalter. Zum einen lassen sich neue Messen rund um digitale Themen kreieren. Zum anderen lässt sich ein Messebesuch vereinfachen. Die Vergangenheit zeigte: Besucher wollen geführt werden. Routenplaner auf dem Smartphone um effizient zum Wunsch-Austellern zu kommen sind nur ein Beispiel. In Augsburg prüft Lorenz Rau derzeit, was bereits umgesetzt wird und was noch implementiert werden kann. Dabei nennt er eine digitale Wegeführung, die individuell an verschiedene Messen angepasst werden kann – wie am Flughafen. „In Augsburg sind wird eher der ‚Smart Follower‘, der schaut, was bei den Großen gut funktioniert“, erklärt Rau.

Corona verschärft Wettbewerbslage

Beim Blick auf andere Messen hält Rau außerdem fest: „Es ist ein sehr fairer Wettbewerb.“ Die öffentliche Debatte um den neuen Standort der IAA sei eine echte Ausnahme in Deutschland. Jeder Standort habe ein Portfolio an Veranstaltungen und eigenen Themencluster, in denen man sich bewege. Anders sehe es im Ausland aus. „International ist es teils ruinös. Da gibt es viele privat organisierte Veranstalter, die gar kein Gelände haben, sich billig einmieten, Gewinne einstreichen und dann wieder gehen. Die größten zehn Veranstalter haben sich in den letzten Jahren zudem teilweise gegenseitig aufgekauft. Gerade durch Corona wird sich dieser Wettbewerb verstärken. Da werden Messen wegbrechen und sich die Lage verschärfen.“ Sorgen um den Standort Augsburg macht sich Rau zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht. Es gilt, den positiven Trend der letzten Jahre über die Krise hinweg zu bewahren und voranzutreiben.

„Den einen großen Trend bei Messen gibt es nicht“

Diesen haben nicht zuletzt große Branchentreffs wie die GrindTec begünstigt. Mit dem Nischenschwerpunkt „Schleiftechnik“ zieht die Messe alle zwei Jahre die gesamte Community nach Augsburg. Heißt nicht, dass nur noch solche Formate Zukunft haben. „Ich glaube den einen großen Trend bei Messen gibt es nicht“, macht Rau deutlich. „Große, allgemeine Messen – Publikums wie B2B-Messen – haben es immer schwerer“, erklärt er, betont aber, dass Ausnahmen hier die Regel bestätigen. Die Zukunft sieht er mehr in Richtung Fach- und Spezialmessen. Auch Kongressmessen etablieren sich immer mehr. Dabei sei der Standort mit ausschlaggebend, wo eine Messe großes Potenzial hat.

Messe Augsburg: Ziel ist Umwegrentabilität

Rentabilität im klassischen Sinne sei aber nicht die oberste Priorität für die Messe Augsburg selbst. Diese ist schließlich ein Kommunales Unternehmen, hat die Aufgabe, die Wirtschaft zu fördern. „Unser Hauptunternehmenszweck ist es nicht, wahnsinnig viel Geld zu verdienen, wie ein Börsen-Unternehmen. Unser Hauptziel ist es, Umwegrentabilität zu erwirtschaften. Veranstaltungen, die für uns ein Null-Summen-Spiel wären, würden für die Region trotzdem einen positiven Effekt bedeuten.“ Man rechnet mit jedem verdienten Messe Euro werden weitere sieben bis zehn Euro in der Region erwirtschaftet.

Rau sieht Potenzial in eigenen Messeveranstaltung

Trotz turbulentem Start freut sich Rau auf seine kommenden Aufgaben. „Ich habe gute Rahmenbedingungen am Standort gesehen. Im Portfolio mit eigenen Veranstaltungen sehe ich viel Potenzial für Wachstum. Ich glaube, dass Augsburg eine große Rolle spielen kann im starken Wirtschaftsstandort Bayern. Dafür hat die Messe zwischen Nürnberg und München eine gute Position, die aktuell noch unter Wert verkauft wird.“ Spannend bleibt dabei auch die Zusammenarbeit mit dem Freistaat. „Der Freistaat Bayern hat sich ja in den letzten Jahren an allen großen Investitionen nicht wenig beteiligt, ohne Gesellschafter zu sein. Da muss man in den nächsten Monaten und Jahren schauen, wo und wie wir weiter kooperieren können. Wir werden sehen, was die Zeit bringt.“

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben