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ifo-Chef Fuest: „Massenproduktion und energieintensive KI sind für uns gelaufen“
52. Augsburger Konjunkturgespräch

ifo-Chef Fuest: „Massenproduktion und energieintensive KI sind für uns gelaufen“

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts München, beim 52. Augsburger Konjunkturgespräch der IHK Schwaben und der Universität Augsburg. Fuest hat über Industriepolitik und die Chancen der deutschen Wirtschaft gesprochen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts München, beim 52. Augsburger Konjunkturgespräch der IHK Schwaben und der Universität Augsburg. Fuest hat über Industriepolitik und die Chancen der deutschen Wirtschaft gesprochen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Die deutsche Industrie kriselt. Oft wird der Ruf laut, die Politik solle eingreifen. Über Chancen und Risiken hat Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts München, beim 52. Augsburger Konjunkturgespräch gesprochen.

Allein 2025 wurden laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY in der deutschen Industrie 120.000 Arbeitsplätze abgebaut. Dass der Industrieanteil mit wachsendem Wohlstand abnimmt, ist in vielen Volkswirtschaften so. Das sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts München, beim 52. Augsburger Konjunkturgespräch. Das Problem in Deutschland sei, dass parallel nicht genug andere, produktive Sektoren aufgebaut wurden – wie etwa der Finanzsektor oder der Digitalsektor.

Wo kann Deutschland punkten?

Fuest sieht etwa Chancen im Smart Engineering oder bei spezialisierten Maschinen. „Unser Wettbewerbsvorteil in Europa liegt bei Produkten, die nicht standardisiert sind. Das können wir“, sagt Fuest in Augsburg.

Mithilfe einer Wachstums-Anteils-Matrix wagt Fuest eine weitere Prognose für die deutsche Industrie: Die Nahrungsmittel- und Futterindustrie, Hersteller chemischer Erzeugnisse und der Maschinenbau zum Beispiel könnten demnach in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum und eine hohe wirtschaftliche Bedeutung haben. Auch die Rüstungsindustrie könnte in den kommenden Jahren stark wachsen, ihre wirtschaftliche Bedeutung bleibe aber geringer als die der vorher genannten Branchen.

Die Autoindustrie ordnet Fuest als „Cashcow“ ein – einen Industriezweig mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung, aber wenig Wachstum. „Was wirklich Zukunft hat, wissen wir aber nicht. Das muss sich beweisen“, schränkt Fuest die Ergebnisse der Analyse ein.

Industriepolitik – Chance oder Risiko?

Deshalb bringt es laut Fuest nichts, politisch festzulegen, in welchen Sektoren die Zukunft liegt. „Es reicht nicht, zu erkennen, was Zukunft hat. Man muss auch erkennen, ob das eigene Land dort einen Wettbewerbsvorteil hat.“ Wenn Politik Zukunftsbranchen festlegt, entsteht aber oft ein Problem – wie bei der grünen Industriepolitik der EU und Deutschlands. „Man hat nicht so tief darüber nachgedacht“, sagt Fuest. Denn Solarzellen, Windräder und Wärmepumpen sind Massenprodukte. Bei Massenproduktion kann Deutschland aber nicht mithalten, die findet in Indien und China statt.

Gleiches gelte für die Grundlagenentwicklung der KI. Diese ist energieintensiv. Deutschland sei durch das Abschalten der Atomkraftwerke aber auf Dauer ein energiearmer Standort. „Massenproduktion und energieintensive KI sind für uns gelaufen“, konstatiert Fuest für Deutschland. Nur weil etwas neu ist, sei das nicht automatisch das richtige.

Auch eine missionsorientierte Industriepolitik hat laut Fuest ihre Tücken. Die Politik wählt hier die Ziele aus und unterstützt die Unternehmen mit Subventionen. Die Unternehmen konkurrieren um das Erreichen der Ziele. Fuest sieht hier aber das Problem, dass die Politik das Ziel vorgibt und nicht die Märkte oder Konsumenten. Ein Punkt, der auch am Verbrenner-Aus der EU häufig kritisiert wird.

Pflicht bei der Industriepolitik

Industriepolitik sollte laut Fuest immer eine sorgfältige Analyse als Grundlage haben und klare Ziele verfolgen. Als Basis davon sieht er eine sogenannte horizontale Industriepolitik, die gute Standortbedingungen schafft. „Das ist die Pflicht. Der Rest ist dann die Kür“, so Fuest.

Eine Aussage, die Musik in den Ohren des IHK-Hauptgeschäftsführers Marc Lucassen ist. „Wir wären schon froh, wenn in Berlin und Brüssel wenigstens die horizontale Industriepolitik umgesetzt werden würde“, reagiert Lucassen auf die Aussage von Fuest.

Die Probleme bei den Standortbedingungen sind altbekannt und oft genannt: zu hohe Kosten für Arbeit und Energie, zu hohe Steuern und Abgaben und zu viel Bürokratie. Deutschland müsse jetzt gegensteuern. „Wir müssen darüber reden, was wir nicht mehr haben wollen. Je eher wir es tun, desto weniger wird es wehtun“, fordert Lucassen. Auch für Fuest ist klar: „Dem Rückgang der Industrie in Deutschland sollte man nicht schulterzuckend zuschauen.“

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