Kommentar

Hotel und Gastro: Leere Betten, leere Plätze, leere Worte

Wenn die Politik die Gastro und Hotellerie nicht endlich unterstützt, dann wars das mit der Stammkneipe oder dem Lieblingsrestaurant. Vielleicht für immer.

Geschäftsessen im Lieblings-Restaurant. Ein Wellness-Wochenende nach einer harten Woche im Büro. Oder ein gemütliches Feierabendbier mit den Kollegen in der Stammkneipe. Da freuen wir uns doch alle schon sehnsüchtig wieder drauf, oder? Dumm nur, dass das wahrscheinlich nicht mehr möglich sein wird. Selbst wenn wir die Corona-Pandemie in den Griff bekommen. Es wird nämlich keine Kneipen mehr geben, in denen wir mit Freunden einen Absacker genießen können, wenn die Politik nicht bald auch Hotellerie und Gastronomie ordentlich unter die Arme greift.

Denn: Rund 70.000 Hotel- und Gastronomie-Betriebe stehen laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vor der Insolvenz. Den insgesamt gut 223.000 Betrieben fehlen bis Ende April rund zehn Milliarden Euro Umsatz. „Kein Unternehmen verkraftet es, wenn der Umsatz für mehrere Monate zu 100 Prozent wegfällt“, betont Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern.  

Entschädigungen vom Staat? Fehlanzeige. Nachholeffekte, wie anderen Branchen? Ebenfalls Fehlanzeige. Woher soll das Geld also kommen? Die Betriebe werden es nur mit einer hohen Verschuldung schaffen, aus der Krise zu kommen, sollten sie überhaupt überleben. Zukunftsperspektiven: Keine. 

Einzelhandel und Friseure haben eine Perspektive bekommen. Für sie wurden Auflagen definiert, unter denen sie wieder öffnen dürfen. Und Hotel- und Gastronomie? Versucht jetzt mangels Unterstützung irgendwie sich selbst zu helfen. Die Augsburger Hoteliers Simone Kink (Parkhotel Schmid), Christian Dreisbach (Best Hotels), Andreas Schön (Hotel Alpenhof) und Theodor Gandenheimer (Drei Mohren Hotel) haben eine Exit-Strategie entwickelt. Eigenständig. In der Hoffnung, dass dann endlich was vorwärts geht. Hygienemaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz fürs Personal, Kennzeichnung von Laufwegen und Raummindestgrößen mit Personenzahlbegrenzung sollen ein baldiges Öffnen möglich machen. 

Auch Gastrobetreibe helfen sich so gut es geht selbst – und statt dem Staat, greifen ihnen Stammgäste unter die Arme: Auf Plattformen wie #augsburghaeltzusammen oder Rette deinen Lieblingsladen bitten sie um Spenden, damit sie überleben und ihre Mitarbeiter weiter bezahlen können. Hier wurden schon viele tausend Euro gespendet, damit die Lieblingskneipe weiterleben kann. Ein schönes Zeichen der Solidarität – aber unterm Strich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. 

Wenigstens gibt es mittlerweile Versprechen seitens der Politik, wenn auch noch keine Perspektiven: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat heute verkündet, die Mehrwertsteuer für den Bereich Hotel und Gastronomie für ein Jahr auf sieben Prozent zu senken. Schön und gut, aber das ist nicht mehr als ein erster Schritt. Denn wenn der Umsatz bei 0 ist, dann hilft auch kein geringerer Steuersatz. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert daher einen konkreten Zeitplan für die baldige Öffnung der Gaststätten und Hotels. Auf diese Versprechen müssen aber baldmöglichst konkrete Maßnahmen folgen. Sonst gibt’s das Feierabendbier auch nach Corona zu Hause auf der Couch und das Geschäftsessen in der Papiertüte von der Fastfood-Kette.

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Denn: Rund 70.000 Hotel- und Gastronomie-Betriebe stehen laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vor der Insolvenz. Den insgesamt gut 223.000 Betrieben fehlen bis Ende April rund zehn Milliarden Euro Umsatz. „Kein Unternehmen verkraftet es, wenn der Umsatz für mehrere Monate zu 100 Prozent wegfällt“, betont Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern.  

Entschädigungen vom Staat? Fehlanzeige. Nachholeffekte, wie anderen Branchen? Ebenfalls Fehlanzeige. Woher soll das Geld also kommen? Die Betriebe werden es nur mit einer hohen Verschuldung schaffen, aus der Krise zu kommen, sollten sie überhaupt überleben. Zukunftsperspektiven: Keine. 

Einzelhandel und Friseure haben eine Perspektive bekommen. Für sie wurden Auflagen definiert, unter denen sie wieder öffnen dürfen. Und Hotel- und Gastronomie? Versucht jetzt mangels Unterstützung irgendwie sich selbst zu helfen. Die Augsburger Hoteliers Simone Kink (Parkhotel Schmid), Christian Dreisbach (Best Hotels), Andreas Schön (Hotel Alpenhof) und Theodor Gandenheimer (Drei Mohren Hotel) haben eine Exit-Strategie entwickelt. Eigenständig. In der Hoffnung, dass dann endlich was vorwärts geht. Hygienemaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz fürs Personal, Kennzeichnung von Laufwegen und Raummindestgrößen mit Personenzahlbegrenzung sollen ein baldiges Öffnen möglich machen. 

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Wenigstens gibt es mittlerweile Versprechen seitens der Politik, wenn auch noch keine Perspektiven: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat heute verkündet, die Mehrwertsteuer für den Bereich Hotel und Gastronomie für ein Jahr auf sieben Prozent zu senken. Schön und gut, aber das ist nicht mehr als ein erster Schritt. Denn wenn der Umsatz bei 0 ist, dann hilft auch kein geringerer Steuersatz. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert daher einen konkreten Zeitplan für die baldige Öffnung der Gaststätten und Hotels. Auf diese Versprechen müssen aber baldmöglichst konkrete Maßnahmen folgen. Sonst gibt’s das Feierabendbier auch nach Corona zu Hause auf der Couch und das Geschäftsessen in der Papiertüte von der Fastfood-Kette.

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