Kommentar

Bundesliga-Start: Der Fußball macht sich selbst kaputt

Die Bundesliga feiert am Samstag ihr Comeback – trotz Corona. Ein Comeback, das nicht einmal eingefleischte Fußball-Fans so wirklich wollen. Es wird Zeit, dass die abgehobene Milliarden-Branche endlich umdenkt.

Der Profifußball kehrt ab 16. Mai zurück aufs Spielfeld – unter Auflagen. Das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten überzeugt. Statt zu jammern, hat die Branche ihr Schicksal selbst in die Hand genommen – ohne staatliche Hilfen und in Augsburg ohne Kurzarbeit.

Der Ball rollt wieder

Rund 56.000 Arbeitsplätze werden durch den Restart gesichert. Die Fußballbranche denkt nicht nur an ihre Mitarbeiter und Spieler, sondern auch an die Sponsoren. Zudem werden die Hotels in der Region unterstützt, da die Spieler alle in Quarantäne müssen. Der FC Augsburg nächtigt derzeit im Hotel Schempp in Bobingen – ein Hotel, das sonst wegen des Corona-Virus geschlossen hat. Klar geht es der Branche auch darum, die Einnahmen fließen zu lassen. Irgendwie müssen die Spieler-Gehälter von durchschnittlich 238.000 Euro im Monat (Quelle: kicker Sportmagazin) - in Augsburg deutlich weniger - auch bezahlt werden. Aber ob das eine Sonderbehandlung rechtfertigt? 

Rote Karte für Hertha BSC

Das Beispiel Hertha BSC zeigt deutlich, was in der Branche alles schiefläuft. Im Januar hat der Verein noch mit Investorengelder um sich geschmissen, im Februar hat der Trainer per Facebook gekündigt. Und als würde das nicht reichen, taucht im Mai eine neue Peinlichkeit im Netz auf: In einem absurden Live-Video verstoßen die Spieler gegen jegliche Abstands- und Hygieneregeln der DFL und regen sich gleichzeitig über 10-prozentige Gehaltskürzungen auf. Und als wäre das Image nicht schon genug geschädigt, holt Hertha auch noch Jens Lehmann in den Aufsichtsrat, der gerade mit etwas diffusen Ansichten zur Corona-Krise auf sich aufmerksam macht: Er wollte nicht nur 20.000 Zuschauer in große Stadien „reinstecken“, er sieht auch grundsätzlich keine größere Gefahr, die vom Corona-Virus ausgehen könnte.  

Würde ein Unternehmer aus Bayerisch-Schwaben so führen wie das Management von Hertha BSC, dann wäre er wohl schnell von der Spielfläche verschwunden. Obendrein tun die Unternehmer alles, um ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. Für manchen sogar existenzgefährdend – während der Fußball ab Samstag wieder durch Übertragungsrechte Millionen kassiert.  

Branche schießt ein Eigentor 

Noch nie hat sich so deutlich wie jetzt das gierige Gesicht gezeigt, das sich hinter der Maske „Alles für die Fans” versteckt hat. Dass sie die Fratze nicht einmal mehr vor den Fans verbergen können, zeigt das Beispiel FC Augsburg. Gerade mal rund 13 Prozent (Stand: Anfang der Woche) haben auf ihre Dauerkarten-Rückerstattung verzichtet. Protest auf Fanart. Wieso soll die hart arbeitende Mittelschicht auf Geld verzichten, wenn sich die überbezahlten Spieler damit so schwer tun. Um das aber klarzustellen: Die Fans kehren nicht dem FCA, sondern dem System den Rücken zu. 

Der Abstieg des König Fußballs

In dieser Woche gehen nicht nur die Großen wieder in den Nahkampf, sondern auch die Kleinen, wenn auch mit Abstand und unter strengen Hygieneregeln. Was das für einen ehrenamtlichen Trainer an Aufwand bedeutet, wissen viele Profis nicht zu (einzu-)schätzen: Jeden Tag steht gerade ein Trainer auf den Bolzplätzen der Region im Regen und ermöglicht – unter eigener Haftung – den Nachwuchskickern, wieder Fußball spielen zu können. Diese Kinder sind die Basis und gleichzeitig die Zukunft des Fußballs. Wenn alles wieder nach der Krise rund läuft, denkt die Branche vielleicht auch mal daran, ihre Millionen hier zu investieren. Hertha BSC traue ich diesen Transfer zwar nicht zu, dem FCA hingegen schon – trotz des peinlichen Zwischenfalls von Heiko Herrlich.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Kommentar

Bundesliga-Start: Der Fußball macht sich selbst kaputt

Die Bundesliga feiert am Samstag ihr Comeback – trotz Corona. Ein Comeback, das nicht einmal eingefleischte Fußball-Fans so wirklich wollen. Es wird Zeit, dass die abgehobene Milliarden-Branche endlich umdenkt.

Der Profifußball kehrt ab 16. Mai zurück aufs Spielfeld – unter Auflagen. Das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten überzeugt. Statt zu jammern, hat die Branche ihr Schicksal selbst in die Hand genommen – ohne staatliche Hilfen und in Augsburg ohne Kurzarbeit.

Der Ball rollt wieder

Rund 56.000 Arbeitsplätze werden durch den Restart gesichert. Die Fußballbranche denkt nicht nur an ihre Mitarbeiter und Spieler, sondern auch an die Sponsoren. Zudem werden die Hotels in der Region unterstützt, da die Spieler alle in Quarantäne müssen. Der FC Augsburg nächtigt derzeit im Hotel Schempp in Bobingen – ein Hotel, das sonst wegen des Corona-Virus geschlossen hat. Klar geht es der Branche auch darum, die Einnahmen fließen zu lassen. Irgendwie müssen die Spieler-Gehälter von durchschnittlich 238.000 Euro im Monat (Quelle: kicker Sportmagazin) - in Augsburg deutlich weniger - auch bezahlt werden. Aber ob das eine Sonderbehandlung rechtfertigt? 

Rote Karte für Hertha BSC

Das Beispiel Hertha BSC zeigt deutlich, was in der Branche alles schiefläuft. Im Januar hat der Verein noch mit Investorengelder um sich geschmissen, im Februar hat der Trainer per Facebook gekündigt. Und als würde das nicht reichen, taucht im Mai eine neue Peinlichkeit im Netz auf: In einem absurden Live-Video verstoßen die Spieler gegen jegliche Abstands- und Hygieneregeln der DFL und regen sich gleichzeitig über 10-prozentige Gehaltskürzungen auf. Und als wäre das Image nicht schon genug geschädigt, holt Hertha auch noch Jens Lehmann in den Aufsichtsrat, der gerade mit etwas diffusen Ansichten zur Corona-Krise auf sich aufmerksam macht: Er wollte nicht nur 20.000 Zuschauer in große Stadien „reinstecken“, er sieht auch grundsätzlich keine größere Gefahr, die vom Corona-Virus ausgehen könnte.  

Würde ein Unternehmer aus Bayerisch-Schwaben so führen wie das Management von Hertha BSC, dann wäre er wohl schnell von der Spielfläche verschwunden. Obendrein tun die Unternehmer alles, um ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. Für manchen sogar existenzgefährdend – während der Fußball ab Samstag wieder durch Übertragungsrechte Millionen kassiert.  

Branche schießt ein Eigentor 

Noch nie hat sich so deutlich wie jetzt das gierige Gesicht gezeigt, das sich hinter der Maske „Alles für die Fans” versteckt hat. Dass sie die Fratze nicht einmal mehr vor den Fans verbergen können, zeigt das Beispiel FC Augsburg. Gerade mal rund 13 Prozent (Stand: Anfang der Woche) haben auf ihre Dauerkarten-Rückerstattung verzichtet. Protest auf Fanart. Wieso soll die hart arbeitende Mittelschicht auf Geld verzichten, wenn sich die überbezahlten Spieler damit so schwer tun. Um das aber klarzustellen: Die Fans kehren nicht dem FCA, sondern dem System den Rücken zu. 

Der Abstieg des König Fußballs

In dieser Woche gehen nicht nur die Großen wieder in den Nahkampf, sondern auch die Kleinen, wenn auch mit Abstand und unter strengen Hygieneregeln. Was das für einen ehrenamtlichen Trainer an Aufwand bedeutet, wissen viele Profis nicht zu (einzu-)schätzen: Jeden Tag steht gerade ein Trainer auf den Bolzplätzen der Region im Regen und ermöglicht – unter eigener Haftung – den Nachwuchskickern, wieder Fußball spielen zu können. Diese Kinder sind die Basis und gleichzeitig die Zukunft des Fußballs. Wenn alles wieder nach der Krise rund läuft, denkt die Branche vielleicht auch mal daran, ihre Millionen hier zu investieren. Hertha BSC traue ich diesen Transfer zwar nicht zu, dem FCA hingegen schon – trotz des peinlichen Zwischenfalls von Heiko Herrlich.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben