Kommentar

Recht auf Homeoffice – völlig überflüssig

Arbeitsminister Hubertus Heil will Homeoffice in Deutschland gesetzlich durchsetzen. Der vermeintliche Arbeitnehmer-Traum kann aber ganz schnell zum Albtraum für die Wirtschaft werden. Wieso Heil auf dem Holzweg ist.

Der Corona-Lockdown hat vorangetrtrieben, was bisher nicht so richtig in Schwung kommen wollte: Millionen Menschen in Deutschland arbeiten statt im Büro von zuhause aus: Videocalls statt Besprechungen vor Ort und Jogginghose statt Anzug.  Die Krise zeigt, dass Homeoffice funktionieren kann. Es gibt Kollegen, die sagen, sie schaffen jetzt noch mehr als früher. Sie seien einfach ungestörter, konzentrierter. Und irgendwie hat man das Gefühl, man muss mehr leisten, um dem Chef zu beweisen: Du kannst mir vertrauen. Ich arbeite zuhause mindestens genauso hart. Auch das lästige Pendeln fällt weg – eine Stunde länger schlafen hat ja auch was.

So wird der Wunsch bei vielen geweckt auch nach der Krise wenigstens ein paar Tage in der Woche im Homeoffice zu arbeiten. Bundesarbeitsminister Hubert Heil fordert nun sogar ein Recht darauf. Den Gesetzesentwurf will er schon im Herbst vorlegen. Und das ganz unabhängig vom Corona-Virus oder anderen Gesundheitsgefährdungen. „Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche“, erklärte Heil.  Mit „fairen Regeln“ will er verhindern, dass „sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst“. Auch im Homeoffice gäbe es einen Feierabend – „und zwar nicht erst um 22 Uhr“. Heimarbeit soll für die Arbeitnehmer eine freiwillige Möglichkeit sein. „Wir wollen mehr Homeoffice ermöglichen, aber nicht erzwingen“, sagte Heil.

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Da fragt man sich doch: Woher kommt jetzt dieser Überregulierungswahn? Man könnte meinen, nur weil wir die sinnvollen und wichtigen Einschränkungen unseres Privat- und Arbeitslebens quasi ohne Protest hingenommen haben, darf man uns jetzt alles überstülpen? Haben die Arbeitgeber nicht bewiesen, dass sie alles tun, um ihre Mitarbeiter zu schützen und ihnen das Homeoffice zu ermöglichen? Es wurde viel Geld in neue Soft- und Hardware investiert. Unternehmer haben ihre Admins in Nachtschichten alles so einrichten lassen, dass ein vollwertiger Heimarbeitsplatz Realität wurde. Sollen künftig wirklich Arbeitnehmer vor Gericht ziehen und den Arbeitgeber dazu zwingen, Homeoffice zu erlauben? 

Aus unternehmerischer Sicht kann man sich sicher sein, dass Arbeitgeber Homeoffice aus guten Gründen unterbinden oder regulieren. Jeder Chef kennt doch seine „Pappenheimer“. Und sie wissen genau, wann Präsenz sinnvoll ist und welche Dinge man auch mal zuhause erledigen kann. Es gibt nicht viele Chefs, die einen Arbeitnehmer wegschicken, der gute Gründe hat, warum er lieber zuhause arbeiten will. Und wenn, dann sollte der Arbeitnehmer überlegen, ob er sich nicht in einer anderen Firma wohler fühlen würde. Doch viel schlimmer: Wie viel Wert hat ein Arbeitnehmer für einen Arbeitgeber, wenn der ihn vor Gericht gezogen hat? Glaubt Herr Heil wirklich, dass da eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist? Denn auf nichts anderes basiert Homeoffice: Vertrauen. 

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Ich traue unseren bayerisch-schwäbischen Unternehmern durch aus zu, dass sie Homeoffice einsetzen, wo sinnvoll und individuelle Vereinbarungen mit ihren Mitarbeitern treffen, wenn gewünscht. Genau so sieht das auch die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Sie lehnt die Planungen des Bundesarbeitsministers entschieden ab. „Es muss der grundgesetzlich geschützten unternehmerischen Entscheidungsfreiheit überlassen bleiben, wo der Arbeitseinsatz der Mitarbeiter erfolgt“, äußert sich Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw.  

Und wer sagt, dass es für die Arbeitnehmer keine Nachteile gibt? „Einige Mitarbeiter konnten in den Bereich des Homeoffice hineinschnuppern und sind meist davon überzeugt, dass das Arbeiten im Büro eine völlig andere Qualität darstellt als daheim. Und zwar bezogen auf die Sozialkontakte und den schnelleren, besseren Austausch“, erzählt Ariane Grandel, Geschäftsführerin der Dr. Grandel GmbH.  

Eine Frage bleibt da noch: Wir stehen am Beginn einer Wirtschaftskrise, deren Ausmaß wir heute bei Weitem noch nicht überblicken. Wer ein bisschen nach vorne blickt, kann die Insolvenzwelle auf uns zurollen sehen. Menschen werden ihre Arbeitsplätze verlieren. Und da frag ich mich doch: Sollte sich ein Bundesarbeitsminister aktuell nicht lieber darum kümmern?  Denn Homeoffice ohne Office ist genau wie das Recht darauf: absolut überflüssig.  

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So wird der Wunsch bei vielen geweckt auch nach der Krise wenigstens ein paar Tage in der Woche im Homeoffice zu arbeiten. Bundesarbeitsminister Hubert Heil fordert nun sogar ein Recht darauf. Den Gesetzesentwurf will er schon im Herbst vorlegen. Und das ganz unabhängig vom Corona-Virus oder anderen Gesundheitsgefährdungen. „Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche“, erklärte Heil.  Mit „fairen Regeln“ will er verhindern, dass „sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst“. Auch im Homeoffice gäbe es einen Feierabend – „und zwar nicht erst um 22 Uhr“. Heimarbeit soll für die Arbeitnehmer eine freiwillige Möglichkeit sein. „Wir wollen mehr Homeoffice ermöglichen, aber nicht erzwingen“, sagte Heil.

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Aus unternehmerischer Sicht kann man sich sicher sein, dass Arbeitgeber Homeoffice aus guten Gründen unterbinden oder regulieren. Jeder Chef kennt doch seine „Pappenheimer“. Und sie wissen genau, wann Präsenz sinnvoll ist und welche Dinge man auch mal zuhause erledigen kann. Es gibt nicht viele Chefs, die einen Arbeitnehmer wegschicken, der gute Gründe hat, warum er lieber zuhause arbeiten will. Und wenn, dann sollte der Arbeitnehmer überlegen, ob er sich nicht in einer anderen Firma wohler fühlen würde. Doch viel schlimmer: Wie viel Wert hat ein Arbeitnehmer für einen Arbeitgeber, wenn der ihn vor Gericht gezogen hat? Glaubt Herr Heil wirklich, dass da eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist? Denn auf nichts anderes basiert Homeoffice: Vertrauen. 

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Und wer sagt, dass es für die Arbeitnehmer keine Nachteile gibt? „Einige Mitarbeiter konnten in den Bereich des Homeoffice hineinschnuppern und sind meist davon überzeugt, dass das Arbeiten im Büro eine völlig andere Qualität darstellt als daheim. Und zwar bezogen auf die Sozialkontakte und den schnelleren, besseren Austausch“, erzählt Ariane Grandel, Geschäftsführerin der Dr. Grandel GmbH.  

Eine Frage bleibt da noch: Wir stehen am Beginn einer Wirtschaftskrise, deren Ausmaß wir heute bei Weitem noch nicht überblicken. Wer ein bisschen nach vorne blickt, kann die Insolvenzwelle auf uns zurollen sehen. Menschen werden ihre Arbeitsplätze verlieren. Und da frag ich mich doch: Sollte sich ein Bundesarbeitsminister aktuell nicht lieber darum kümmern?  Denn Homeoffice ohne Office ist genau wie das Recht darauf: absolut überflüssig.  

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