Interview

Dreistädteeck GVZ Augsburg: „Ziel ist nicht der schnelle Verkauf“

Drei Städte, ein Projekt das „bundesweit als Paradebeispiel für interkommunale Zusammenarbeit“ gilt: Was sich aktuell im GVZ Region Augsburg tut und wo Geschäftsführer Ralf Schmidtmann  Verbesserungspotenzial sieht, lesen Sie im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie groß ist das GVZ insgesamt und wie viel Fläche ist derzeit verbaut/verplant?

Ralf Schmidtmann: Das GVZ Region Augsburg liegt im Norden von Augsburg im Schnittpunkt der Autobahn A8 und Bundesstraßen B12 und B17. Die Fläche ist insgesamt 112 Hektar groß. 29 Hektar davon sind Grün- und Ausgleichsflächen, 12 Hektar nehmen die Straßenzüge ein und weitere 10 sind für den Containerbahnhof vorgesehen. Übrig bleiben 61 Hektar Nutzfläche für einen Mix an Logistikdienstleistern, der die regionale Wirtschaft optimal unterstützt. Denn Logistik ist nicht Logistik. Auf der Hälfte der Nutzfläche dienen Kontraktlogistiker mit einer Vielzahl von Mehrwertdienstleistungen regionalen Industrie- und Handelsunternehmen in ihrer Beschaffungs- und Distributionslogistik. Die Flächen sind ausverkauft. Weitere 30 Prozent sind für Dienstleister rund um den Kombinierten Verkehr reserviert und als „Servicepark Intermodal“ gerade in der aktiven Vermarktung. 20 Prozent der Flächen ist für Firmen vorgesehen, die vom Hotel bis zum Gabelstaplerservice, Logistiker im GVZ oder in der Region unterstützen.

Sind Sie mit der Auslastung so zufrieden?

Uns ist es wichtig, den richtigen Mix an Firmen im GVZ anzusiedeln. Wir vermarkten die Flächen an Unternehmen, die unsere Region auf lange Sicht und nachhaltig unterstützen können. Unser Ziel ist nicht der schnelle Verkauf der Flächen an bestimmte Firmen, sondern die richtige Logistikinfrastruktur für unseren Wirtschaftsraum.

Neuster Nachbar ist Hosokawa Alpine: Wie kam es zur Ansiedlung?

Hosokawa Alpine ist ein Paradebeispiel dafür, dass unser Konzept aufgeht. Als regionales Traditionsunternehmen war der Anlagenhersteller im Folienbereich auf der Suche nach neuen Flächen für die Auslagerung der Logistik. Das GVZ qualifizierte sich zum einen durch die Nähe zum Firmensitz und zum anderen durch den direkten Anschluss an die Bahn- und Straßeninfrastruktur.

Auch ein Hotel zieht ins GVZ – Warum ist das sinnvoll?

Hauptzielgruppe für das 220-Betten-Hotel, das 2020 die ersten Gäste empfängt, sind Geschäftsreisende, Messe- und Tagungsgäste sowie Besucher und Mitarbeiter der ansässigen Unternehmen am Logistikstandort. Darüber hinaus ist das Hotel durch die ideale Lage an der Autobahn zwischen Stuttgart und München eine attraktive Location in der Region. Das Hotel ist eine Win-win-Situation für die Firmen im GVZ und die gesamte Region.

Logistik wird oft mit Flächenfraß verbunden. Was tun Sie im GVZ für die Umwelt?

Das Zusammenspiel von Wirtschaft, Mensch und Natur war von Anfang an ein Thema, das die Planer mit Blick auf die Generationen von morgen, sehr wichtig genommen haben. So zieht sich zum Beispiel am südwestlichen Rand des Güterverkehrszentrums eine Hügel- und Naturlandschaft mit Streuobstwiesen, Biotopen und Gehölzen entlang, in der viele Pflanzen und Tiere einen idealen Lebensraum finden. Ebenso zeigt sich die umweltbewusste Planung bei den Verkehrs- und Logistikflächen zum Beispiel in den vielen punktuellen oder flächigen Versickerungsmöglichkeiten, die den natürlichen Wasserhaushalt aufrechterhalten. Mit vielen anderen Maßnahmen wie zum Beispiel die großzügige Bepflanzung mit Bäumen verbessert sich damit die Aufenthaltsqualität für Mensch und Tier.

Augsburg, Neusäß und Gersthofen sind am GVZ beteiligt: Wie läuft das Miteinander?

Der Zusammenschluss der drei Städte gilt bundesweit als Paradebeispiel für interkommunale Zusammenarbeit. Es läuft also sehr gut. Dafür haben sich die drei Städte 1997 zunächst im Planungsverband GVZ Raum Augsburg zusammengeschlossen, dessen erste Aufgabe es war das Gelände zu erschließen und Bauvorhaben der ansiedelnden Unternehmen zu prüfen. Für die Aufgaben rund um den Betrieb und die Instandhaltung der Flächen wurde vor rund zehn Jahren zusätzlich der Zweckverband gegründet, über den sich die drei Städte Gewinn und Aufwand mit kleinstmöglichstem bürokratischem Einsatze und vollkommen paritätisch teilen.

Wo sehen Sie im GVZ noch Verbesserungspotenzial?

Das GVZ hat sich vom kaum bekannten Hidden Champion zu einem gefragten Standort in der Logistiklandschaft entwickelt. Unter den mittlerweile 13 angesiedelten Unternehmen mit vielen hundert Arbeitsplätzen befinden sich unter anderem eine ganze Reihe der Top 100 Logistiker. Wir haben also offensichtlich einiges richtig gemacht. Was uns noch bleibt ist der Servicepark Intermodal. Er soll die richtigen Logistikdienstleister im Kombinierten Verkehr anziehen und mit dem Containerbahnhof das Herzstück im GVZ bilden, das Verkehre zur Entlastung der Straße auf die Schiene bringt.

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Ralf Schmidtmann: Das GVZ Region Augsburg liegt im Norden von Augsburg im Schnittpunkt der Autobahn A8 und Bundesstraßen B12 und B17. Die Fläche ist insgesamt 112 Hektar groß. 29 Hektar davon sind Grün- und Ausgleichsflächen, 12 Hektar nehmen die Straßenzüge ein und weitere 10 sind für den Containerbahnhof vorgesehen. Übrig bleiben 61 Hektar Nutzfläche für einen Mix an Logistikdienstleistern, der die regionale Wirtschaft optimal unterstützt. Denn Logistik ist nicht Logistik. Auf der Hälfte der Nutzfläche dienen Kontraktlogistiker mit einer Vielzahl von Mehrwertdienstleistungen regionalen Industrie- und Handelsunternehmen in ihrer Beschaffungs- und Distributionslogistik. Die Flächen sind ausverkauft. Weitere 30 Prozent sind für Dienstleister rund um den Kombinierten Verkehr reserviert und als „Servicepark Intermodal“ gerade in der aktiven Vermarktung. 20 Prozent der Flächen ist für Firmen vorgesehen, die vom Hotel bis zum Gabelstaplerservice, Logistiker im GVZ oder in der Region unterstützen.

Sind Sie mit der Auslastung so zufrieden?

Uns ist es wichtig, den richtigen Mix an Firmen im GVZ anzusiedeln. Wir vermarkten die Flächen an Unternehmen, die unsere Region auf lange Sicht und nachhaltig unterstützen können. Unser Ziel ist nicht der schnelle Verkauf der Flächen an bestimmte Firmen, sondern die richtige Logistikinfrastruktur für unseren Wirtschaftsraum.

Neuster Nachbar ist Hosokawa Alpine: Wie kam es zur Ansiedlung?

Hosokawa Alpine ist ein Paradebeispiel dafür, dass unser Konzept aufgeht. Als regionales Traditionsunternehmen war der Anlagenhersteller im Folienbereich auf der Suche nach neuen Flächen für die Auslagerung der Logistik. Das GVZ qualifizierte sich zum einen durch die Nähe zum Firmensitz und zum anderen durch den direkten Anschluss an die Bahn- und Straßeninfrastruktur.

Auch ein Hotel zieht ins GVZ – Warum ist das sinnvoll?

Hauptzielgruppe für das 220-Betten-Hotel, das 2020 die ersten Gäste empfängt, sind Geschäftsreisende, Messe- und Tagungsgäste sowie Besucher und Mitarbeiter der ansässigen Unternehmen am Logistikstandort. Darüber hinaus ist das Hotel durch die ideale Lage an der Autobahn zwischen Stuttgart und München eine attraktive Location in der Region. Das Hotel ist eine Win-win-Situation für die Firmen im GVZ und die gesamte Region.

Logistik wird oft mit Flächenfraß verbunden. Was tun Sie im GVZ für die Umwelt?

Das Zusammenspiel von Wirtschaft, Mensch und Natur war von Anfang an ein Thema, das die Planer mit Blick auf die Generationen von morgen, sehr wichtig genommen haben. So zieht sich zum Beispiel am südwestlichen Rand des Güterverkehrszentrums eine Hügel- und Naturlandschaft mit Streuobstwiesen, Biotopen und Gehölzen entlang, in der viele Pflanzen und Tiere einen idealen Lebensraum finden. Ebenso zeigt sich die umweltbewusste Planung bei den Verkehrs- und Logistikflächen zum Beispiel in den vielen punktuellen oder flächigen Versickerungsmöglichkeiten, die den natürlichen Wasserhaushalt aufrechterhalten. Mit vielen anderen Maßnahmen wie zum Beispiel die großzügige Bepflanzung mit Bäumen verbessert sich damit die Aufenthaltsqualität für Mensch und Tier.

Augsburg, Neusäß und Gersthofen sind am GVZ beteiligt: Wie läuft das Miteinander?

Der Zusammenschluss der drei Städte gilt bundesweit als Paradebeispiel für interkommunale Zusammenarbeit. Es läuft also sehr gut. Dafür haben sich die drei Städte 1997 zunächst im Planungsverband GVZ Raum Augsburg zusammengeschlossen, dessen erste Aufgabe es war das Gelände zu erschließen und Bauvorhaben der ansiedelnden Unternehmen zu prüfen. Für die Aufgaben rund um den Betrieb und die Instandhaltung der Flächen wurde vor rund zehn Jahren zusätzlich der Zweckverband gegründet, über den sich die drei Städte Gewinn und Aufwand mit kleinstmöglichstem bürokratischem Einsatze und vollkommen paritätisch teilen.

Wo sehen Sie im GVZ noch Verbesserungspotenzial?

Das GVZ hat sich vom kaum bekannten Hidden Champion zu einem gefragten Standort in der Logistiklandschaft entwickelt. Unter den mittlerweile 13 angesiedelten Unternehmen mit vielen hundert Arbeitsplätzen befinden sich unter anderem eine ganze Reihe der Top 100 Logistiker. Wir haben also offensichtlich einiges richtig gemacht. Was uns noch bleibt ist der Servicepark Intermodal. Er soll die richtigen Logistikdienstleister im Kombinierten Verkehr anziehen und mit dem Containerbahnhof das Herzstück im GVZ bilden, das Verkehre zur Entlastung der Straße auf die Schiene bringt.

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