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Vita Mentalis aus Augsburg: Gesund führen in Krisenzeiten
Interview

Vita Mentalis aus Augsburg: Gesund führen in Krisenzeiten

Christian Gulden und Bianca Widmayer haben Vita Mentalis gegründet. Foto: Christian Gulden
Christian Gulden und Bianca Widmayer haben Vita Mentalis gegründet. Foto: Christian Gulden

Gesundheit als fester Teil der Unternehmenskultur: Vita Mentalis zeigt, wie Orientierung, Vertrauen und gesunde Führung die Gesundheit und damit die Stärke der Mitarbeitenden erhöhen.

Was möchten Sie mit Vita Mentalis erreichen?

Bianca Widmayer: Wir wollen dazu beitragen, dass körperliche und mentale Gesundheit zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur wird. Für uns bedeutet Gesundheitsförderung deshalb mehr als reine Wissensvermittlung oder einzelne Gesundheitstage.

Christian Gulden: Unser Ziel ist eine erlebbare und alltagstaugliche Gesundheitsförderung, die Mitarbeitende und Führungskräfte wirklich erreicht und gleichzeitig den alltäglichen Anforderungen eines Unternehmens standhält. Gesundheit soll nicht als zusätzliches „To-do“ wahrgenommen werden, sondern möglichst selbstverständlich in den Arbeitsalltag integriert werden.

Wie ist die Idee zu Vita Mentalis entstanden?

Widmayer: Die Idee entstand während unserer gemeinsamen Logotherapieausbildung. Christian bringt über 25 Jahre Führungs- und Unternehmererfahrung mit, ich komme aus der Sportwissenschaft und Gesundheitsförderung. Gleichzeitig verbindet uns der therapeutische und sinnzentrierte Blick auf den Menschen. Daraus entstand die Idee eines Gesundheitsprogramms, das Menschen, Führung, Arbeitsbedingungen und Unternehmenskultur gemeinsam betrachtet.

Sie kommen aus unterschiedlichen Richtungen: Bianca Widmayer aus der Sportwissenschaft, und Sie, Herr Gulden, haben lange Jahre als Führungskraft gearbeitet. Wie verbinden Sie Ihre unterschiedlichen Erfahrungen bei Vita Mentalis miteinander?

Gulden: Biancas Schwerpunkt liegt auf der körperlichen Gesundheit und der Frage, wie gesundes Verhalten möglichst einfach umgesetzt werden kann. Denn Wissen allein verändert wenig, wenn der Arbeitsalltag die Umsetzung erschwert. Ich betrachte Gesundheitsmaßnahmen durch die „Unternehmerbrille“: Was ist realistisch und funktioniert auch unter Zeit- und Leistungsdruck? Besonders im Blick habe ich dabei die mentale Gesunderhaltung von Führungskräften – mit dem Schwerpunkt „gesund führen“ der eigenen Person, sowie der Mitarbeitenden. Gemeinsam betrachten wir deshalb Mensch, Verhalten, Führung und Arbeitsumfeld.

Sie sind beide auch in der Logotherapie ausgebildet, die auf den Psychologen Viktor E. Frankl zurückgeht. Frankl ist den meisten vielleicht erst mal als Überlebender des Holocausts bekannt. Was ist der Kern seiner umfangreichen Lehre?

Widmayer: Frankl reiht sich neben Sigmund Freud und Alfred Adler innerhalb der Wiener Schulen der Psychotherapie ein. Ein zentraler Gedanke Frankls ist, dass der Mensch ein sinnorientiertes Wesen ist und ein persönliches „Wozu“ Orientierung geben kann. Seine Erfahrungen als Überlebender der Konzentrationslager verleihen seiner Lehre eine besondere Tiefe. Für unseren Alltag ist ein Gedanke besonders relevant: Wir können nicht jede Situation bestimmen, besitzen aber Gestaltungsspielräume im Umgang damit. Was kann ich verändern? Wofür übernehme ich Verantwortung? Welche Haltung finde ich gegenüber dem Unveränderbaren? Damit bietet Frankl einen sehr praktischen Ansatz für Orientierung, Eigenverantwortung, Resilienz und gesundes Handeln.

Wie hängen körperliche und mentale Gesundheit zusammen?

Widmayer: Unmittelbar und in beide Richtungen. Stress kann sich körperlich z.B. durch Verspannungen, Schlafprobleme oder Magenbeschwerden zeigen. Gleichzeitig beeinflussen Bewegung und körperliches Wohlbefinden Konzentration und mentale Belastbarkeit. Umgekehrt kann wertschätzendes Feedback regelrecht Energie freisetzen oder der Spaziergang in der Mittagspause eine wichtige Voraussetzung für einen klaren Kopf und konzentriertes Arbeiten in der zweiten Arbeitstaghälfte sein.

Wie wirken sich die Gesundheit der Führungskraft und ihre Haltung zu diesem Thema auf Teams und die einzelnen Mitarbeitenden aus?

Gulden: Eine Führungskraft wirkt immer doppelt: durch Verhalten und durch Vorbild. Eine gesundheitsbewusste, reflektierte Führungskraft schafft Orientierung, Sicherheit und Vertrauen – drei Faktoren, die nachweislich die psychische und physische Gesundheit von Mitarbeitenden stärken können. Gleichzeitig prägt die Haltung der Führungskraft den Umgang mit Belastung im Unternehmen. Wenn Führung offen über mentale Gesundheit spricht, Verantwortung übernimmt und gesunde Grenzen vorlebt, entsteht ein Klima, in dem Mitarbeitende sich trauen, frühzeitig über Überlastung zu sprechen und aktiv für ihre eigene Gesundheit zu sorgen.

Was bieten Sie Unternehmen und deren Mitarbeitenden mit Vita Mentalis an?

Widmayer: Mit unserem Vita Mentalis-Programm gehen wir flexibel auf die Bedürfnisse unserer Kunden und deren Budgetrahmen ein. Das kann in Form eines kurzen Impulsvortrages oder eines Workshops sein oder durch ein langfristig angelegtes Programm zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Dabei geht es uns um die Vermittlung von praktisch umsetzbarem Gesundheitswissen, das gut in den Arbeitsalltag übertragbar ist und sich nachhaltig bei den Menschen verankert. Letztendlich ist unser Ziel, die Zufriedenheit und Gesunderhaltung der Mitarbeitenden zu verbessern. Inhaltlich gehen wir beispielsweise auf die Themenfelder Stressmanagement, Resilienz, Erhaltung der mentalen und körperlichen Gesundheit sowie gesunde Führung mit konkreten Transfermaßnahmen für den Arbeitsalltag ein.

Was ist Voraussetzung, damit mentale und körperliche Gesundheit wirklich in Arbeitsalltag und Unternehmenskultur umgesetzt werden und nicht nach ein paar Wochen wieder in Vergessenheit geraten?

Widmayer: Für mich kommen dabei im Wesentlichen drei Dinge zusammen: Ganzheitlichkeit, Einfachheit und Nachhaltigkeit. Ganzheitlichkeit bedeutet für uns, mentale und körperliche Gesundheit gemeinsam zu denken und dabei nicht nur den einzelnen Mitarbeitenden, sondern auch Führung und Arbeitsbedingungen im Blick zu haben. Ein weiterer, wesentlicher Punkt ist die Einfachheit: Menschen müssen verstehen, wozu eine Veränderung sinnvoll ist, und gleichzeitig muss sie im Arbeitsalltag realistisch umsetzbar sein. Das beste Gesundheitsprogramm bringt uns nichts, wenn es an der Realität des Arbeitsalltags scheitert. Das bringt mich zum letzten Punkt, der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet für uns ein gewisses Maß an Kontinuität. Ein Gesundheitstag kann ein wertvoller Impuls sein, aber eine gesunde Unternehmenskultur entsteht durch das, was danach immer wieder gelebt wird. Ganz nach dem Motto „Es passiert nichts Gutes, außer man tut es!“

Warum ist der Blick auf die Gesundheit der Mitarbeitenden und Führungskräfte gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig?

Gulden: Wenn ich die Frage rein betriebswirtschaftlich beantworten müsste, dann geht es um die Einsparung von Kosten, die durch krankheitsbedingte Ausfälle entstehen können. Doch so einfach ist es nicht! In meinem Berufsleben musste ich mehrfach schwierige Phasen zusammen mit meinen Mitarbeitenden bewältigen. Dabei machte ich die Erfahrung, dass die meisten Kolleginnen und Kollegen sehr wohl die Situation realistisch wahrnehmen und dadurch veränderungsbereit sind. Einer meiner wesentlichen Führungsaufgaben war, für einen klaren Kurs und damit für Sicherheit und Vertrauen zu sorgen. Das entlastet die Menschen und gibt Orientierung, damit alle Beteiligten zielgerichtet ihre Aufgaben umsetzen können. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Krisenzeiten zu einer erfolgreichen (Neu-)Ausrichtung führen. Dennoch können Situationen entstehen, die großen Druck auf die Mitarbeitenden ausüben. Dies bewusst wahrzunehmen – sich mit den betroffenen Menschen zu beschäftigen und gemeinsam Lösungen zu finden, ist eine Frage meiner Haltung, wie ich gesunde Führung tatsächlich lebe.