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Die Stimmung der bayerisch-schwäbischen Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen hat sich zum Jahresbeginn 2026 verbessert. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die Erwartungen als auch die aktuelle Lage abbildet, liegt mit einem Wert von 108 Punkten deutlich über der Wachstumsschwelle von 100. Damit liegt die Region beim höchsten Wert seit Frühjahr 2023, wenn auch weiterhin unterhalb zu seinem zehnjährigen Mittel von 113 Punkten.
IHK-Präsident Reinhold Braun und Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, stellten heute die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 vor.
„Wir befinden uns seit 2018 in einer Abwärtsbewegung und die Parameter zeigen deutlich, dass wir in einer Strukturkrise stecken, die sich seit sieben Jahren verfestigt hat“, fasste Dr. Marc Lucassen eingangs die Situation zusammen. „Dennoch ist positiv, dass wir in den letzten Monaten einen leichten Aufwärtstrend verzeichnen. Wir hoffen also, dass unsere Wirtschaft zu alter Stärke zurückfindet.“ Gleichzeitig rief IHK-Präsident Reinhold Braun vor allem die Politik klar auf: „Was wir jetzt brauchen, sind keine Klassenkampfparolen. Wir alle sitzen nämlich im gleichen Boot und müssen Leistung bringen – denn diese muss sich schlichtweg wieder lohnen!“
Eine tatsächliche Wirtschaftswende stehe noch aus, gaben Reinhold Braun und Dr. Marc Lucassen unisono zu bedenken. „Der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft gelingt zum Jahresbeginn 2026 ein Comeback auf Raten. Die sehr verhaltenen Investitions- und Beschäftigungspläne zeigen allerdings auch, dass wir weiter auf eine echte Wirtschaftswende warten“, so Dr. Marc Lucassen.
Nun komme es auf die Bundesregierung an. Denn die regionale Wirtschaft erwarte weiterhin ein starkes Aufbruchssignal und eine klare Orientierung bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, wie IHK-Präsident Reinholf Braun hinterherschiebt: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Ein wirtschaftliches Comeback entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch einen mutigen und zugleich ausgewogenen Masterplan für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
21 Prozent der befragten 950 Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation, 17 Prozent eine Verschlechterung. Die branchenspezifischen Konjunkturindizes zeigen Unterschiede zwischen Branchen auf: An der Spitze stehen weiterhin Dienstleistungen (116 Punte), Baugewerbe (112) Transportgewerbe (109) sowie Reise und Gastgewerbe (103). Lediglich der Einzelhandel ist mit 96 Punkten als einzige Branche unterhalb der „Wachstumsschwelle“.
„Erfreulich ist, dass der für Bayerisch-Schwaben so wichtigen Industrie mit 102 Punkten ebenfalls der Schritt in die Wachstumszone gelungen ist. Treiber dieser Entwicklung ist unter anderem die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, die für immer mehr Unternehmen von Interesse ist“, so Lucassen.
Ein immer größer werdender Standortnachteil vor allem für klein- und mittelständische Unternehmen seien laut der IHK-Konjunkturumfrage sicherlich die steigenden Arbeitskosten. Wenn der zehnjährige Durchschnitt noch bei 46 Prozent stand, liegt er den jüngsten Ergebnissen zufolge nun bei 60 Prozent. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen also unbedingt entlastet werden. Denn grundsätzlich stehen die regionalen KMU zum Heimatstandort, doch die Beschäftigten- und Investitionszahlen zeigen, dass hier große Zurückhaltung herrsche.
Die größten Risiken sind quer über alle Branchen hinweg die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (65 Prozent), die Inlandsnachfrage (63 Prozent) sowie die Arbeitskosten (60 Prozent). „Alle drei Top-Risiken haben seit der letzten Umfrage zugelegt, die Arbeitskosten haben sogar ein neues Allzeithoch erreicht. Dagegen haben die Energie- und Rohstoffpreise sowie der Arbeits- und Fachkräftemangel etwas an Bedeutung verloren“, erläutert Lucassen.
IHK-Präsident Reinhold Braun zeigte sich zuversichtlich, dass 2026 genau der richtige Zeitpunkt für eine Wirtschaftswende sei. „Die vordringlichste Aufgabe der Politik bleibt es, wettbewerbsfähige und damit wachstumsfördernde Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft zu gewährleisten. Dazu gehört ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert, sowie ein Erbschaftsteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze schont. Darüber hinaus muss das Arbeitsvolumen in Deutschland steigen, beispielsweise indem Vollzeit nicht nur zeitlich möglich, sondern auch steuerlich attraktiv ist.“
„Wir brauchen eine mutige Wirtschaftswende ohne parteipolitisches Klienteldenken, die von der gesamten Gesellschaft einen ausgewogenen Beitrag erwartet. Wir sollten uns nicht mit einem schuldenfinanzierten Mini-Wachstum zufriedengeben, sondern als Wirtschaftsstandort insgesamt wachsen, damit unsere mittelständischen Unternehmen übergeben werden können, der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt dynamisch bleibt und unsere sozialen Sicherungssysteme stabil sind. Das alles gehört in einen Masterplan für Deutschland, der es uns ermöglicht, die Chancen in Europa sowie in neuen Märkten wie Indien oder Südamerika zu ergreifen. Wir brauchen ein Comeback“, rief der IHK-Präsident abschließend auf.