Interview

Digitales Zentrum Schwaben: Gründung muss cool sein

Stefan Schimpfle, Geschäftsführer Digitales Zentrum Schwaben, verrät im Interview,weshalb es für die Gründung eine Kultur des positiven Denkens und Ausprobierens bedarf.

Keine Lust auf Risiko!?

Angst vor dem Scheitern, fehlende Finanzierung, Bürokratie oder einfach nur das allgemeine Idealbild eines Anstellungsverhältnisses in herkömmlichen Unternehmen. Bei der Gründungsdynamik hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Doch unser Rohstoff sind die kreativen Köpfe in unserem Land. Damit gehen wir viel zu sorglos um. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft ist damit bedroht. Daher ist eine neue Gründer:innenzeit von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Wir müssen eine Kultur des positiven Denkens und Ausprobierens schaffen. Gründung muss einfach cool sein!

Was können wir tun, um den Gründungsgeist und die Gründungskultur zu befeuern?

Wir müssen das Unternehmertum als Leitbild neben der Anstellungstätigkeit setzen, Gründungen noch stärker unterstützen und fördern und unser Bildungswesen konsequent auf die Zukunft ausrichten. Warum tauchen in der allgemeinen Diskussion immer noch viel zu selten die Sprachen auf, ohne die man in Zukunft wie ein Analphabet dastehen wird. C++, PHP, … !? Der inoffizielle Schlachtruf des Silicon Valley lautet: Code is Poetry. Wenig verwunderlich, dass die großen digitalen Innovationen vor allem von der anderen Seite des Atlantiks - oder zunehmend aus Asien - kommen. Besonders wichtig ist dabei auch die Förderung von Mädchen und jungen Frauen.

Was ist konkret zu tun?

Fünf Handlungsempfehlungen für eine bessere Gründungskultur:

  • Gründung, Unternehmertum und Coding müssen bereits in der Schule Teil des Lehrplans sein. Junge Menschen müssen ein gutes Gefühl bekommen und eine Vorstellung davon, was es bedeutet, selbständig zu sein. Sie müssen lernen, wie der Weg in die Selbständigkeit gegangen werden kann. Kinder sollen bereits ab der ersten Klasse spielerisch an das Programmieren herangeführt werden. Das erfordert aber auch, dass unsere Lehrer:innen entsprechend ausgebildet werden und das entsprechendes Lehrmaterial vorhanden ist. An weiterführenden Schulen und Hochschulen müssen Themen zum unternehmerischen Denken und Handeln stärker auf die Agenda genommen werden. Wenn die Gründungsförderung erst nach der Schulzeit beginnt, haben viele junge Menschen gedanklich bereits einen anderen Weg eingeschlagen.
  • Etablierte Unternehmer:innen müssen noch vielmehr als Vorbilder agieren und jungen Gründer:innen helfen, den Weg der Selbständigkeit zu gehen. Mentoringprogramme, Coachings oder Praktika sind hilfreich. Zudem sollte der Mittelstand noch viel stärker die Kooperation mit Startups suchen. Die zunehmende Beschleunigung von Innovationszyklen erfordert, dass Unternehmen Veränderungen in Technologien und Geschäftsmodellen agiler umsetzen müssen. Das heißt noch viel mehr in Partnerschaften zu arbeiten und zu denken. Für den Mittelstand und die Industrie bedeuten innovative kleine Unternehmen den Blick in die Zukunft. Sie sind Quellen der Innovation und Frühindikatoren für neue Märkte. Sie haben oft die Fähigkeit, schneller und flexibler technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu erproben. Umgekehrt können etablierte Unternehmen durch ihre internationale Präsenz, weltweite Marktzugänge und Fertigungskapazitäten einem jungen Unternehmen zum internationalen Durchbruch verhelfen. Damit ergibt sich großes Kooperationspotenzial zwischen diesen unterschiedlichen Kulturen.
  • Wir brauchen ein positives gesellschaftliches Bewusstsein welche Bedeutung das Unternehmertum in einer Volkswirtschaft einnimmt. Es ist der Mittelstand, der Arbeitsplätze schafft, der Innovationen hervorbringt und damit für den Wohlstand in der Gesellschaft sorgt. Unsere Medienlandschaft stürzt sich viel zu sehr auf Negativmeldungen. Wir brauchen mehr positive und bessere Berichterstattung über die Erfolgs- und Erfahrungsberichte von Mittelstand und Startups.
  • Die Finanzierung von Gründungen muss weiter erleichtert werden. Wer den Mut aufbringt, ein Unternehmen zu gründen, sollte unterstützt werden. Es darf nicht das Privileg von Kindern gutverdienender Eltern sein, eine Geschäftsidee umzusetzen. Es mangelt mittlerweile nicht mehr so sehr an Startkapital, aber bei größeren Summen bleibt es schwierig.
  • Wir brauchen eine echte Gründungskultur und die entsprechenden Netzwerke dazu. Es gilt die Kräfte zu bündeln, Barrieren abzubauen und Brücken zu bauen. Ein besonderes Augenmerk sollte der Unterstützung von Gründerinnen zukommen. Am meisten hilft es, erfolgreiche Gründerinnen als Vorbilder in die Aktivitäten einzubinden, damit sie von ihren Erfahrungen berichten und begeistern können.

In Teil 3 erfahren Sie mehr über aktuelle Aktivitäten im Wirtschaftsraum Augsburg.

 

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Was können wir tun, um den Gründungsgeist und die Gründungskultur zu befeuern?

Wir müssen das Unternehmertum als Leitbild neben der Anstellungstätigkeit setzen, Gründungen noch stärker unterstützen und fördern und unser Bildungswesen konsequent auf die Zukunft ausrichten. Warum tauchen in der allgemeinen Diskussion immer noch viel zu selten die Sprachen auf, ohne die man in Zukunft wie ein Analphabet dastehen wird. C++, PHP, … !? Der inoffizielle Schlachtruf des Silicon Valley lautet: Code is Poetry. Wenig verwunderlich, dass die großen digitalen Innovationen vor allem von der anderen Seite des Atlantiks - oder zunehmend aus Asien - kommen. Besonders wichtig ist dabei auch die Förderung von Mädchen und jungen Frauen.

Was ist konkret zu tun?

Fünf Handlungsempfehlungen für eine bessere Gründungskultur:

  • Gründung, Unternehmertum und Coding müssen bereits in der Schule Teil des Lehrplans sein. Junge Menschen müssen ein gutes Gefühl bekommen und eine Vorstellung davon, was es bedeutet, selbständig zu sein. Sie müssen lernen, wie der Weg in die Selbständigkeit gegangen werden kann. Kinder sollen bereits ab der ersten Klasse spielerisch an das Programmieren herangeführt werden. Das erfordert aber auch, dass unsere Lehrer:innen entsprechend ausgebildet werden und das entsprechendes Lehrmaterial vorhanden ist. An weiterführenden Schulen und Hochschulen müssen Themen zum unternehmerischen Denken und Handeln stärker auf die Agenda genommen werden. Wenn die Gründungsförderung erst nach der Schulzeit beginnt, haben viele junge Menschen gedanklich bereits einen anderen Weg eingeschlagen.
  • Etablierte Unternehmer:innen müssen noch vielmehr als Vorbilder agieren und jungen Gründer:innen helfen, den Weg der Selbständigkeit zu gehen. Mentoringprogramme, Coachings oder Praktika sind hilfreich. Zudem sollte der Mittelstand noch viel stärker die Kooperation mit Startups suchen. Die zunehmende Beschleunigung von Innovationszyklen erfordert, dass Unternehmen Veränderungen in Technologien und Geschäftsmodellen agiler umsetzen müssen. Das heißt noch viel mehr in Partnerschaften zu arbeiten und zu denken. Für den Mittelstand und die Industrie bedeuten innovative kleine Unternehmen den Blick in die Zukunft. Sie sind Quellen der Innovation und Frühindikatoren für neue Märkte. Sie haben oft die Fähigkeit, schneller und flexibler technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu erproben. Umgekehrt können etablierte Unternehmen durch ihre internationale Präsenz, weltweite Marktzugänge und Fertigungskapazitäten einem jungen Unternehmen zum internationalen Durchbruch verhelfen. Damit ergibt sich großes Kooperationspotenzial zwischen diesen unterschiedlichen Kulturen.
  • Wir brauchen ein positives gesellschaftliches Bewusstsein welche Bedeutung das Unternehmertum in einer Volkswirtschaft einnimmt. Es ist der Mittelstand, der Arbeitsplätze schafft, der Innovationen hervorbringt und damit für den Wohlstand in der Gesellschaft sorgt. Unsere Medienlandschaft stürzt sich viel zu sehr auf Negativmeldungen. Wir brauchen mehr positive und bessere Berichterstattung über die Erfolgs- und Erfahrungsberichte von Mittelstand und Startups.
  • Die Finanzierung von Gründungen muss weiter erleichtert werden. Wer den Mut aufbringt, ein Unternehmen zu gründen, sollte unterstützt werden. Es darf nicht das Privileg von Kindern gutverdienender Eltern sein, eine Geschäftsidee umzusetzen. Es mangelt mittlerweile nicht mehr so sehr an Startkapital, aber bei größeren Summen bleibt es schwierig.
  • Wir brauchen eine echte Gründungskultur und die entsprechenden Netzwerke dazu. Es gilt die Kräfte zu bündeln, Barrieren abzubauen und Brücken zu bauen. Ein besonderes Augenmerk sollte der Unterstützung von Gründerinnen zukommen. Am meisten hilft es, erfolgreiche Gründerinnen als Vorbilder in die Aktivitäten einzubinden, damit sie von ihren Erfahrungen berichten und begeistern können.

In Teil 3 erfahren Sie mehr über aktuelle Aktivitäten im Wirtschaftsraum Augsburg.

 

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