Jörn Steinhauer, alphasystems

Digitalisierung: Wie funktionieren „geschützte Räume“?

Dieses Konzept wird für Unternehmen, die sich weiter digitalisieren wollen, immer wieder empfohlen. Aber was steckt dahinter?

„Man hört immer wieder, dass wir als Unternehmen die nächsten Schritte der Digitalisierung in einem sogenannten „geschützten Raum” entwickeln sollen. Wie sieht dieser Raum denn genau aus beziehungsweise vor was oder vor wem soll er geschützt werden? Bei vielen Produkten, die uns angeboten werden, haben wir den Eindruck, dass vor allem die Realität im Unternehmen keinen Zutritt hatte...“


Jörn Steinhauer, unser Experte für Prozessdigitalisierung, kennt die Antwort: 

Der geschützte Raum schützt – ganz hart formuliert – das Digitalisierungsprojekt vor dem eigenen Unternehmen und den internen Mitarbeitern. Denn – und das ist inzwischen auch durch Studien belegt – die digitale Transformation in den Unternehmen scheitert meist an internen Grabenkämpfen. Leider behindern die unternehmensinternen Widerstände die digitale Transformation am häufigsten. Mit einem Anteil von mehr als 65 Prozent steht „die Verteidigung bestehender Strukturen” an Top 1 der Fail-Liste. Dieses „Bewahrertum“ sorgt für eine schleppende Digitalisierung und hängt uns im Vergleich mit anderen Ländern (USA etwa „nur“ 28 Prozent) noch weiter nach hinten ab.

Und je größer das Unternehmen ist, umso tiefer sind Gräben, die sich hier auf tun. Abteilung eins lässt sich von Abteilung zwei nichts sagen, Abteilung drei will die Arbeitsprozesse nicht ändern („das haben wir schon immer so gemacht und das ist gut so“) und Abteilung vier hat angeblich zu wenig Zeit, Personal oder Budget - Gründe finden sich viele.


Etliche Digitalisierungsprojekte scheitern, weil in den Konzernen, aber auch im Mittelstand, an Strukturen und Prozessen fest gehalten wird und der Mut fehlt, diese Themen „anzufassen“ oder gar radikal zu ändern. Innovationen werden durch klassische Strukturen eher gehemmt als gefördert: Eine Entwicklung im Geheimen, mit ausführlichen Lastenheften, Budgets, die 3 Jahre im Voraus geplant werden, Produkte, die zur „Perfektion“ gebracht werden, bevor auch nur ein Kunde sie jemals gesehen hat…

Wenn man aber in der Digitalisierung erfolgreich sein will, muss man genau aus diesen gewohnten Paradigmen und Arbeitsmustern ausbrechen, von Grund auf neu denken und die Disruption auf allen Ebenen selbst herbeiführen.


Vom Dinosaurier zum Einhorn

Die digitale Transformation voran zu treiben bedeutet nicht, neue Prozesse oder Technologien zu etablieren. Wichtig ist es vor allem, dass sich die kulturelle Einstellung aller Mitarbeiter – und noch viel wichtiger - der Chefetage ändert und diese dann auch gelebt wird.

Neben den inhaltlichen Themen gehören dazu auch das Leben von Teamarbeit, eine transparente Fehlerkultur, keine Angst vorm Scheitern sowie vollumfänglicher Informationsaustausch, aber ebenso das permanente Hinterfragen bestehender Strukturen und Prozesse. Die technologischen Voraussetzungen und notwendigen Tools zu schaffen, kann dabei im besten Fall ein Rahmen darstellen, der die Grundlagen definiert. Der Wandel betrifft vielmehr jeden Mitarbeiter auf (s)einer ganz individuellen Ebene.

Da dies durchaus auch ein längerer Prozess sein kann, entstehen erfolgreiche Lösungen für digitale Projekte häufig in sogenannten „geschützten Atmosphären (Räumen)”. Das Team bekommt mehr Freiheiten und berichtet optimalerweise direkt an die Geschäftsleitung. Weitere Hirachiestufen oder sonstige organisatorische / inhaltliche Hürden werden beseitigt.


Digitalisierung geht nur im Team

Neue Geschäftsmodelle, die nicht in einem kreativen – und vor allem frei von Vorgaben und bestehenden Denkweisen und Strukturen – Umfeld entwickelt werden, scheitern häufiger. Sie unterliegen oft traditionellen Entwicklungsschritten und Kompromissen zwischen den Abteilungen. Das Digitalisierungs-Team muss interdisziplinär und frei von diesen Zwängen arbeiten können – Freiraum, Nutzenzentrierung und eine geeignete Test- und Umsetzungsmethodik gehören daher mit zu den wichtigsten Voraussetzungen, um mit neuen Paradigmen innovative Konzepte zu testen und erfolgreich aufzubauen.

Noch besser ist natürlich die Gründung einer eigenen Digitaleinheit, die in ihrem komplett eigenen Eco-System arbeiten kann. Damit kann das Team unvoreingenommen an die Themen ran gehen und entsprechende Prototypen entwickeln. Sollten sich die Ideen als gut und erfolgreich erweisen, werden sie weiter entwickelt und auf das Unternehmen übertragen.

Als Unternemen und Unternehmer muss man sich vom Streben nach Perfektion und absoluter Sicherheit frei machen. Die digitale Transformation ist ein bedeutender Schritt und man muss immer mit Rückschlägen rechnen. Wer aber denkt, “lass die Fehler die anderen machen” wird schnell die Disruption durch die Mitbewerber erfahren - denn Digitalisierung bedeutet auch den Angriff auf das eigene Kerngeschäft.

Sie haben Rückfragen an unseren Experten für Prozessdigitalisierung Jörn Steinhauer, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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Jörn Steinhauer, alphasystems

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„Man hört immer wieder, dass wir als Unternehmen die nächsten Schritte der Digitalisierung in einem sogenannten „geschützten Raum” entwickeln sollen. Wie sieht dieser Raum denn genau aus beziehungsweise vor was oder vor wem soll er geschützt werden? Bei vielen Produkten, die uns angeboten werden, haben wir den Eindruck, dass vor allem die Realität im Unternehmen keinen Zutritt hatte...“


Jörn Steinhauer, unser Experte für Prozessdigitalisierung, kennt die Antwort: 

Der geschützte Raum schützt – ganz hart formuliert – das Digitalisierungsprojekt vor dem eigenen Unternehmen und den internen Mitarbeitern. Denn – und das ist inzwischen auch durch Studien belegt – die digitale Transformation in den Unternehmen scheitert meist an internen Grabenkämpfen. Leider behindern die unternehmensinternen Widerstände die digitale Transformation am häufigsten. Mit einem Anteil von mehr als 65 Prozent steht „die Verteidigung bestehender Strukturen” an Top 1 der Fail-Liste. Dieses „Bewahrertum“ sorgt für eine schleppende Digitalisierung und hängt uns im Vergleich mit anderen Ländern (USA etwa „nur“ 28 Prozent) noch weiter nach hinten ab.

Und je größer das Unternehmen ist, umso tiefer sind Gräben, die sich hier auf tun. Abteilung eins lässt sich von Abteilung zwei nichts sagen, Abteilung drei will die Arbeitsprozesse nicht ändern („das haben wir schon immer so gemacht und das ist gut so“) und Abteilung vier hat angeblich zu wenig Zeit, Personal oder Budget - Gründe finden sich viele.


Etliche Digitalisierungsprojekte scheitern, weil in den Konzernen, aber auch im Mittelstand, an Strukturen und Prozessen fest gehalten wird und der Mut fehlt, diese Themen „anzufassen“ oder gar radikal zu ändern. Innovationen werden durch klassische Strukturen eher gehemmt als gefördert: Eine Entwicklung im Geheimen, mit ausführlichen Lastenheften, Budgets, die 3 Jahre im Voraus geplant werden, Produkte, die zur „Perfektion“ gebracht werden, bevor auch nur ein Kunde sie jemals gesehen hat…

Wenn man aber in der Digitalisierung erfolgreich sein will, muss man genau aus diesen gewohnten Paradigmen und Arbeitsmustern ausbrechen, von Grund auf neu denken und die Disruption auf allen Ebenen selbst herbeiführen.


Vom Dinosaurier zum Einhorn

Die digitale Transformation voran zu treiben bedeutet nicht, neue Prozesse oder Technologien zu etablieren. Wichtig ist es vor allem, dass sich die kulturelle Einstellung aller Mitarbeiter – und noch viel wichtiger - der Chefetage ändert und diese dann auch gelebt wird.

Neben den inhaltlichen Themen gehören dazu auch das Leben von Teamarbeit, eine transparente Fehlerkultur, keine Angst vorm Scheitern sowie vollumfänglicher Informationsaustausch, aber ebenso das permanente Hinterfragen bestehender Strukturen und Prozesse. Die technologischen Voraussetzungen und notwendigen Tools zu schaffen, kann dabei im besten Fall ein Rahmen darstellen, der die Grundlagen definiert. Der Wandel betrifft vielmehr jeden Mitarbeiter auf (s)einer ganz individuellen Ebene.

Da dies durchaus auch ein längerer Prozess sein kann, entstehen erfolgreiche Lösungen für digitale Projekte häufig in sogenannten „geschützten Atmosphären (Räumen)”. Das Team bekommt mehr Freiheiten und berichtet optimalerweise direkt an die Geschäftsleitung. Weitere Hirachiestufen oder sonstige organisatorische / inhaltliche Hürden werden beseitigt.


Digitalisierung geht nur im Team

Neue Geschäftsmodelle, die nicht in einem kreativen – und vor allem frei von Vorgaben und bestehenden Denkweisen und Strukturen – Umfeld entwickelt werden, scheitern häufiger. Sie unterliegen oft traditionellen Entwicklungsschritten und Kompromissen zwischen den Abteilungen. Das Digitalisierungs-Team muss interdisziplinär und frei von diesen Zwängen arbeiten können – Freiraum, Nutzenzentrierung und eine geeignete Test- und Umsetzungsmethodik gehören daher mit zu den wichtigsten Voraussetzungen, um mit neuen Paradigmen innovative Konzepte zu testen und erfolgreich aufzubauen.

Noch besser ist natürlich die Gründung einer eigenen Digitaleinheit, die in ihrem komplett eigenen Eco-System arbeiten kann. Damit kann das Team unvoreingenommen an die Themen ran gehen und entsprechende Prototypen entwickeln. Sollten sich die Ideen als gut und erfolgreich erweisen, werden sie weiter entwickelt und auf das Unternehmen übertragen.

Als Unternemen und Unternehmer muss man sich vom Streben nach Perfektion und absoluter Sicherheit frei machen. Die digitale Transformation ist ein bedeutender Schritt und man muss immer mit Rückschlägen rechnen. Wer aber denkt, “lass die Fehler die anderen machen” wird schnell die Disruption durch die Mitbewerber erfahren - denn Digitalisierung bedeutet auch den Angriff auf das eigene Kerngeschäft.

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