Interview

Züblin zu Corona: Baubranche mit „blauem Auge“ davongekommen

Die Corona-Krise hat auch die Baubranche getroffen. Markus Steck, kaufmännischer Direktionsleiter der Züblin-Direktion Ulm, blickt trotzdem positiv in die Zukunft. Vor welchen Herausforderung die Branche dennoch steht.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Die Corona-Krise trifft die Weltwirtschaft. Wie geht es Ihrer Branche?

Markus Steck: Die Baubranche im Allgemeinen ist bisher noch mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Bisher werden die Auftragsbestände abgearbeitet. Die Betriebe, die keine Infizierten im Unternehmen hatten, konnten den Betrieb –unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und Arbeitsschutzregeln – recht gut aufrechterhalten. Auf uns in der Direktion Ulm trifft das zu: Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Auch auf das Jahr 2021 blicken wir positiv. Es wird jedoch sicherlich mancher Bauunternehmer nächstes Jahr einen geringeren Auftragsbestand verbuchen.

Wie können die Hygienemaßnahmen auf Baustellen umgesetzt werden?

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Es wurde im März diesen Jahres sehr schnell auf die Corona-Pandemie reagiert. Bund und Länder sind für die schnell eingeleiteten Maßnahmen zu loben. Vor Beginn der Tätigkeiten auf den Baustellen sind die Beschäftigten zum Beispiel in feste Arbeitsgruppen einzuteilen. Bei den auswärtstätigen Arbeitnehmern gilt das Grundprinzip „Zusammen Wohnen – Zusammen Arbeiten“.  Es werden mehr Container für sanitäre Zwecke und Aufenthaltsräume vorgehalten. Viruzide Desinfektionsmittel in ausreichender Menge sind zur Verfügung zu stellen. Dies ist jedoch nur ein kleiner Auszug von vielen Maßnahmen.

Vor welchen wirtschaftlichen Herausforderungen steht die Bauindustrie aktuell?

Die Bauindustrie hofft, dass trotz Corona die vorgesehenen Gelder für Bauprojekte bereitgestellt werden. Für die Bereiche Straßen -und Brückeninstandsetzung können diese aufgrund der Dringlichkeit meines Erachtens nicht weiter zurückgestellt werden. Das würde volkswirtschaftlich gesehen zu einem immensen Schaden in der Zukunft führen. Zudem gilt Corona-bedingt vermehrt darauf zu achten, auch in Zukunft für solvente Bauherren zu bauen zu können. Eine der großen Herausforderungen, den Fachkräftemangel zu kompensieren, bleibt auch weiterhin bestehen. Die Vorfertigung gewisser Bauteile für die Bauprojekte wird mit die größte Aufgabe darstellen. Nicht zu vergessen ist auch der enorm hohe CO2 Ausstoß bei allen am Bau beteiligten Industriezweigen, vor allem bei der Zementindustrie müssen die Emissionen drastisch verringert werden.      

Wie hat sich die Auftragslage in den letzten Monaten verändert?

Zu Beginn der Corona-Pandemie kamen verständlicherweise weniger Bauanfragen. Vor allem im Industrie -und Hotelbau wurden Projekte zurückgestellt. Dies spiegelte sich bei mehreren Bereichen in den Auftragsbücher wider. Somit muss der Fokus vermehrt auf den Wohnungs- und Infrastrukturbau gerichtet werden.    

Die Digitalisierung spielt in der Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Trifft das auch auf Ihre Branche zu?

Die Digitalisierung wird wohl keine Branche auslassen, auch nicht die Baubranche. Meistens werden die zu bauenden Projekte schon in 3D-Modellen geplant. Dies sorgt für mehr Transparenz und Kostensicherheit für alle am Bau beteiligten Parteien. Auch für die Vorfertigung gewisser Bauteile ist die Digitalisierung der nötigen Maschinen maßgebend.

Die Preise auf dem Immobilienmarkt in Bayerisch-Schwaben steigen stetig. Wie wird das aus Ihrer Sicht weitergehen?

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Die Baukosten werden auch in Zukunft nicht sinken. Das Ziel sollte aber sein, dass sie in Zukunft nicht so rasant steigen, wie in den letzten fünf Jahren. Ein guter Ansatz dafür kommt von der bayerischen Staatsregierung – die Landesbauordnung soll überarbeitet und etwas schlanker gestaltet werden. In den letzten Jahren mussten immer mehr Vorschriften und strengere Normen eingehalten werden, die den Bauablauf erschwerten und die damit verbundenen Kosten in die Höhe trieben. Ebenso muss der serielle und modulare Gedanke im Bauen weiter beschleunigt werden. Dadurch können bisher angefallene Kosten minimiert und die Qualität teils verbessert werden.

Wie der Immobilienmarkt auf die Corona-Auswirkungen reagiert ist noch etwas abzuwarten. Dies hängt hauptsächlich im Jahr 2021 von der jeweils wirtschaftlichen Lage der Regionen ab. Werden in Zukunft auch die Homeoffice-Arbeitsplätze weiter bestehen, führt das zu einem Leerstand von Bürogebäuden. Eine Auswirkung davon könnte sein, dass das Leben auf dem Land attraktiver wird. Sollte sich das durchsetzen, besteht die Möglichkeit, dass sich die Preise für Immobilien mancherorts einpendeln und nicht steigen. Doch ist es die Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass alle Familien die Alternative haben, in den Städten zu wohnen. Eine Stadt ohne Kinder ist trostlos.

Was können Sie aus der aktuellen Krise lernen und für die Zeit danach beibehalten?

Bei vielen Meetings und Seminaren außerhaus wird hinterfragt, ob diese beispielsweise auch über eine Videokonferenz abgehalten werden können. Dort gilt es den richtigen Mix zu finden. Auch im Privaten sollte sich jeder einzelne in Bezug auf unsere Umwelt auch hinterfragen, ob auf gewisse Dinge verzichtet werden können, wie beispielsweise auf viel zu billige Flugtickets. Reisen ja – aber etwas weniger und nicht in Massen.

Welches Projekt aus Ihrer beruflichen Laufbahn hat Sie besonders beeindruckt?

Mein über zehnjähriger Aufenthalt in Lateinamerika war sehr prägend, verbunden mit meinem ersten Projekt in der Bauleitung für den Bau eines Staudammes in Chile. Fast alles war neu. Die beruflichen und kulturellen Neuheiten haben mich bis heute geprägt. Diese Eindrücke zum Start des beruflichen Werdegangs erleben zu dürfen, war eine einmalige Erfahrung.

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Die Corona-Krise hat auch die Baubranche getroffen. Markus Steck, kaufmännischer Direktionsleiter der Züblin-Direktion Ulm, blickt trotzdem positiv in die Zukunft. Vor welchen Herausforderung die Branche dennoch steht.

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Markus Steck: Die Baubranche im Allgemeinen ist bisher noch mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Bisher werden die Auftragsbestände abgearbeitet. Die Betriebe, die keine Infizierten im Unternehmen hatten, konnten den Betrieb –unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und Arbeitsschutzregeln – recht gut aufrechterhalten. Auf uns in der Direktion Ulm trifft das zu: Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Auch auf das Jahr 2021 blicken wir positiv. Es wird jedoch sicherlich mancher Bauunternehmer nächstes Jahr einen geringeren Auftragsbestand verbuchen.

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Vor welchen wirtschaftlichen Herausforderungen steht die Bauindustrie aktuell?

Die Bauindustrie hofft, dass trotz Corona die vorgesehenen Gelder für Bauprojekte bereitgestellt werden. Für die Bereiche Straßen -und Brückeninstandsetzung können diese aufgrund der Dringlichkeit meines Erachtens nicht weiter zurückgestellt werden. Das würde volkswirtschaftlich gesehen zu einem immensen Schaden in der Zukunft führen. Zudem gilt Corona-bedingt vermehrt darauf zu achten, auch in Zukunft für solvente Bauherren zu bauen zu können. Eine der großen Herausforderungen, den Fachkräftemangel zu kompensieren, bleibt auch weiterhin bestehen. Die Vorfertigung gewisser Bauteile für die Bauprojekte wird mit die größte Aufgabe darstellen. Nicht zu vergessen ist auch der enorm hohe CO2 Ausstoß bei allen am Bau beteiligten Industriezweigen, vor allem bei der Zementindustrie müssen die Emissionen drastisch verringert werden.      

Wie hat sich die Auftragslage in den letzten Monaten verändert?

Zu Beginn der Corona-Pandemie kamen verständlicherweise weniger Bauanfragen. Vor allem im Industrie -und Hotelbau wurden Projekte zurückgestellt. Dies spiegelte sich bei mehreren Bereichen in den Auftragsbücher wider. Somit muss der Fokus vermehrt auf den Wohnungs- und Infrastrukturbau gerichtet werden.    

Die Digitalisierung spielt in der Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Trifft das auch auf Ihre Branche zu?

Die Digitalisierung wird wohl keine Branche auslassen, auch nicht die Baubranche. Meistens werden die zu bauenden Projekte schon in 3D-Modellen geplant. Dies sorgt für mehr Transparenz und Kostensicherheit für alle am Bau beteiligten Parteien. Auch für die Vorfertigung gewisser Bauteile ist die Digitalisierung der nötigen Maschinen maßgebend.

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Wie der Immobilienmarkt auf die Corona-Auswirkungen reagiert ist noch etwas abzuwarten. Dies hängt hauptsächlich im Jahr 2021 von der jeweils wirtschaftlichen Lage der Regionen ab. Werden in Zukunft auch die Homeoffice-Arbeitsplätze weiter bestehen, führt das zu einem Leerstand von Bürogebäuden. Eine Auswirkung davon könnte sein, dass das Leben auf dem Land attraktiver wird. Sollte sich das durchsetzen, besteht die Möglichkeit, dass sich die Preise für Immobilien mancherorts einpendeln und nicht steigen. Doch ist es die Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass alle Familien die Alternative haben, in den Städten zu wohnen. Eine Stadt ohne Kinder ist trostlos.

Was können Sie aus der aktuellen Krise lernen und für die Zeit danach beibehalten?

Bei vielen Meetings und Seminaren außerhaus wird hinterfragt, ob diese beispielsweise auch über eine Videokonferenz abgehalten werden können. Dort gilt es den richtigen Mix zu finden. Auch im Privaten sollte sich jeder einzelne in Bezug auf unsere Umwelt auch hinterfragen, ob auf gewisse Dinge verzichtet werden können, wie beispielsweise auf viel zu billige Flugtickets. Reisen ja – aber etwas weniger und nicht in Massen.

Welches Projekt aus Ihrer beruflichen Laufbahn hat Sie besonders beeindruckt?

Mein über zehnjähriger Aufenthalt in Lateinamerika war sehr prägend, verbunden mit meinem ersten Projekt in der Bauleitung für den Bau eines Staudammes in Chile. Fast alles war neu. Die beruflichen und kulturellen Neuheiten haben mich bis heute geprägt. Diese Eindrücke zum Start des beruflichen Werdegangs erleben zu dürfen, war eine einmalige Erfahrung.

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