Hauptversammlung

Ulmer Club der Industrie kritisiert Umgang mit Mittelständlern

Die Wirtschaftslage des Mittelstands im Raum Ulm/Neu-Ulm erscheint trotz abschwächender Konjunktur stabil. Anlässlich der Hauptversammlung haben die Unternehmen des Clubs der Industrie ihre Einschätzung zum ersten Halbjahr abgeben.

Die sich abzeichnende schwierige konjunkturelle Situation und die Beurteilung der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung standen im Mittelpunkt der diesjährigen CI-Hauptversammlung, die in der Oldtimerhalle der Firma EvoBus in Neu-Ulm stattfand. In einem Gastvortrag ging Jürgen W. Müller, Chefökonom der Daimler AG, angesichts der handelspolitischen Schwierigkeiten auf die aktuelle Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage ein.

„Bei uns herrscht große Frustration“

„Bei uns herrscht eine große Frustration über einen zunehmenden Stillstand in Deutschland und eine tiefe Unzufriedenheit darüber, dass in der Politik nicht mehr perspektivisch gedacht und langfristig geplant und gehandelt wird. Hieraus resultiert die Sorge, wie die mittelständische Wirtschaft in Zukunft weltweit im Wettbewerb noch bestehen kann“, so der CI-Vorsitzender Gerd Stiefel.

Wirtschaftlich gesunder Mittelstand – trotz schlechter Rahmenbedingungen

So müssten sich die Mitgliedsunternehmen in einem schwierigen Umfeld, das von konjunktureller Eintrübung gepaart mit wirtschaftsfremder Politik geprägt ist, behaupten. Doch die Lage ist hier, besonders im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands, noch weitgehend zufriedenstellend.

„Aktuell bewegt sich die Arbeitslosenquote in unserer Wirtschaftsregion zwischen zwei und drei Prozent, was Vollbeschäftigung bedeutet. Bei einer Mitgliederumfrage vor den Sommerferien ergab sich für das erste Halbjahr 2019 trotz schwächer werdender Konjunktur immer noch eine Bewertung der Geschäftslage von ganz überwiegend gut bis befriedigend bei einer leicht rückläufigen Erwartungshaltung für das zweite Halbjahr“, berichtete das geschäftsführendes CI-Vorstandsmitglied Michael Mühlbacher.

Als alarmierend wertete er jedoch den erwarteten Rückgang der Gewerbesteuer-Einnahmen für 2019 in Neu-Ulm um fast ein Drittel. Damit würden die Einnahmen um 13 Millionen Euro auf 32 Millionen Euro sinken.  

„Stärkung der Wirtschaft ist nicht mehr mehrheitsfähig“

Besonders in dieser Situation ist der Staat gefordert, gute und zukunftsweisende Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wir haben jedoch den Eindruck, dass in der Politik die Stärkung der Wirtschaft nicht mehr mehrheitsfähig ist und die Akteure den Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in Kauf nehmen“, konkretisierte Stiefel. Im Widerspruch dazu würden die gleichen Politiker die Forderung erheben, die Wirtschaft müsse Standorte und Arbeitsplätze zukunftsfähig machen und investieren.

Ländlicher Raum bleibt von G5-Versorgung abgehängt

Ein Beispiel für das vermeintliche Scheitern der Politik sei die unzureichende Breitbandverkabelung und Mobilfunkqualität. Die Flächenabdeckung des G4-Netzes in Deutschland liegt lediglich bei 75 Prozent und damit knapp vor Griechenland; an drittletzter Stelle in der EU.

Heruntergebrochen auf die Wirtschaftsregion Ulm/Neu-Ulm bedeute dies, dass der ländliche Teil der Region nicht nur aufgrund seiner Lage, sondern auch infrastrukturell benachteiligt wird. Denn die Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm können bei der Einführung des G5-Netzes lediglich die innerstädtischen Bereiche und die großen Industriegebiete auf Ulmer und Neu-Ulmer-Seite abdecken. „Die flächendeckende G5-Versorgung und eine hohe Mobilfunkqualität sind in einer modernen digitalisierten Welt eine Frage der Daseinsfürsorge und damit eine grundgesetzliche Pflicht des Staates“, so Stiefel.

Über den Club der Industrie

Der Club der Industrie Ulm/Neu-Ulm e.V. (CI) ist eine unabhängige Vereinigung von Unternehmern im Einzugsbereich der Wirtschaftsregion Ulm/Neu-Ulm. Die Vereinigung mit Sitz in Neu-Ulm zählt 100 Mitgliedsunternehmen aus Industrie und industrienaher Dienstleistung, die über 26.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Der CI ist die Erweiterung der Industrievereinigung Landkreis Neu-Ulm e.V. Letztere vertritt seit ihrer Gründung im Jahr 1960 gezielt die Interessen regional ansässiger Unternehmer gegenüber öffentlich-rechtlichen und politischen Institutionen und Organisationen.

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Als alarmierend wertete er jedoch den erwarteten Rückgang der Gewerbesteuer-Einnahmen für 2019 in Neu-Ulm um fast ein Drittel. Damit würden die Einnahmen um 13 Millionen Euro auf 32 Millionen Euro sinken.  

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Heruntergebrochen auf die Wirtschaftsregion Ulm/Neu-Ulm bedeute dies, dass der ländliche Teil der Region nicht nur aufgrund seiner Lage, sondern auch infrastrukturell benachteiligt wird. Denn die Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm können bei der Einführung des G5-Netzes lediglich die innerstädtischen Bereiche und die großen Industriegebiete auf Ulmer und Neu-Ulmer-Seite abdecken. „Die flächendeckende G5-Versorgung und eine hohe Mobilfunkqualität sind in einer modernen digitalisierten Welt eine Frage der Daseinsfürsorge und damit eine grundgesetzliche Pflicht des Staates“, so Stiefel.

Über den Club der Industrie

Der Club der Industrie Ulm/Neu-Ulm e.V. (CI) ist eine unabhängige Vereinigung von Unternehmern im Einzugsbereich der Wirtschaftsregion Ulm/Neu-Ulm. Die Vereinigung mit Sitz in Neu-Ulm zählt 100 Mitgliedsunternehmen aus Industrie und industrienaher Dienstleistung, die über 26.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Der CI ist die Erweiterung der Industrievereinigung Landkreis Neu-Ulm e.V. Letztere vertritt seit ihrer Gründung im Jahr 1960 gezielt die Interessen regional ansässiger Unternehmer gegenüber öffentlich-rechtlichen und politischen Institutionen und Organisationen.

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