Bau-Fritz GmbH & Co. KG

Baufritz im Jubiläums-Interview: „Der Tüftler-Geist liegt in der Familie“

Baufritz-Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer. Foto: Bau-Fritz GmbH & Co. KG

Mit Bildergalerie: Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer blickt im Interview auf 120 Jahre Firmen-Geschichte zurück. Dabei verrät sie, auf welche Meilensteine sie besonders stolz ist und welche Firmen-Tradition Baufritz groß gemacht hat.

Alle Bilder zum 120-jährigen Jubiläum bei Baufritz sehen Sie hier.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Fritz-Kramer, was ist Ihnen als Geschäftsführerin in vierter Generation besonders wichtig?

Dagmar Fritz-Kramer: Den Generationen vor mir ist es gelungen, das Unternehmen in allen Zeiten – gute wie schlechte – an  die Anforderungen ihrer Zeit anzupassen und neue Wege zu entdecken. Gleichzeitig konnten sie ihre Kinder von der Lust zu Bauen überzeugen und immer wieder die richtigen Mitarbeiter finden, die diese Begeisterung teilten. Ich hoffe, mir gelingt dies genauso.

War es immer klar, dass Sie eines Tages ins Familien-Unternehmen einsteigen?

Nein, das war keine ausgemachte Sache. Ich muss meinen Eltern zugutehalten, dass es auch keinen Zwang gab. Es ist doch relativ schwierig, gleich nach dem Schulabschluss den Weg fürs Leben zu finden. Ich habe für diese Entscheidung Zeit bekommen, habe ursprünglich Schauwerbe-Gestalterin gelernt und  konnte ein bisschen was ausprobieren. Als Dekorateurin war ich  jedoch eher die ausführende Hand einer fremden Kreativ-Strategie. Ich wollte lieber selbst etwas bewegen. Das war der Auslöser, mich weiterzubilden. So kam ich zum Innenarchitektur- und später zum Wirtschaftsingenieurs-Studium.

Was war Ihre allererste Aufgabe bei Baufritz?

Meine Diplomarbeit im Fach Innenarchitektur habe ich in der Firma geschrieben. In dieser Zeit hat mir mein Vater ein paar interessante Projekte vorgelegt. Damals, 1996, haben wir gerade den großen Holzkopf gebaut und auch ein neues Musterhaus in München geplant. Da hat mich mein Vater beiläufig nach meiner Meinung gefragt und mich integriert. Es hat mir Spaß gemacht zu sehen, wie ich mich mit meinem Wissen ein Stück weit in den Betrieb einbringen kann. Da habe ich dann auch „Blut geleckt“ und mir war klar, wie meine berufliche Zukunft aussieht.

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Meilenstein, auf den das Unternehmen zurückblickt?

Das war definitiv die konsequent ökologische Ausrichtung des gesamten Unternehmens. Meine Mutter erkrankte, nachweislich rückführbar auf Wohngifte, schwer an Krebs. Danach begann mein Vater, sich mit alternativen, ökologisch einwandfreien Naturmaterialien zu beschäftigen. Er richtete Ende der 70er Jahre die gesamte Produktion komplett ökologisch aus.

Gibt es eine Familientradition, die auch nach 120 Jahren noch besteht?

Ja, die gibt es: Das Tüfteln und Werkeln. Es gibt zahlreiche geniale Innovationen im Unternehmen, die aufgrund anfangs völlig „verrückter“ Ideen entstanden sind. Bestes Beispiel dafür ist unsere mit Molke und Soda behandelte Hobelspäne-Dämmung, eine Idee meines Vaters. Der Tüftler-Geist liegt in der Familie. Und auch im Unternehmen regen wir die Mitarbeiter mit unserer „Ideen-Schmiede“ zum Mitmachen an.

Welchen wichtigen Rat hat Ihnen Ihr Vater auf dem Weg mitgegeben?

Ich konnte bei Fragen jederzeit auf meinen Vater zugehen und auf seine wertvollen Erfahrungen zurückgreifen. Gleichzeitig war sicherlich das eigene Vorleben und Verkörpern, quasi das Brennen für unsere Firmenphilosophie „Gut für Mensch und Natur“, ein gutes Vorbild für mich.

Baufritz wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Worauf sind Sie besonders stolz?

Als Mutter von zwei Kindern weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Unterstützung der Familien in Form von Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind. Deshalb habe ich mich sehr über die Auszeichnung zu Deutschlands familienfreundlichstem Mittelstandsunternehmen (2008) gefreut. In wirtschaftlicher Hinsicht waren vor allem der Bayerische Mittelstandspreis, den wir sogar gleich zwei Mal (2003 und 2009) entgegennehmen durften, sowie der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (2009) große Erfolge für Baufritz.

Der Sitz Ihres Unternehmens ist in Erkheim. Wie verbunden fühlen Sie sich dem Allgäu?

Ich bin im Allgäu geboren und aufgewachsen. Hier habe ich den Großteil meiner Familie und Freunde und auch meine Hobbies spielen sich hier ab. Wenn man unsere herrliche Allgäuer Natur mit all ihren wunderbaren Facetten betrachtet, dann kann man nur dankbar sein, wie gut es der Herrgott mit uns gemeint hat. Und natürlich fühle ich mich als Allgäuerin hier tief verwurzelt.

Sie sind die  erste Frau in der Geschäftsleitung von Baufritz und wurden bereits als „Unternehmerin des Jahres“ ausgezeichnet. Haben Sie einen Tipp für Frauen, die in einer Männerdomäne erfolgreich sein wollen?

Natürlich kämpft man als Frau in der Baubranche auch heute gegen gängige Vorurteile: „Kann die denn den Plan lesen? – Ist die nicht zu sozial?“. Mein Rat lautet hier: Nur Mut! In diesem Zuge wäre es sicher auch interessant zu wissen, was mein Urgroßvater Silvester Fritz davon halten würde, dass sein Unternehmen heute von einer Frau geleitet wird.

Eine letzte Frage noch: Was darf Ihrer Meinung nach in keinem Haus fehlen?

Mehr als auf einen bestimmten Gegenstand kommt es auf die Ausrichtung an. Wer bereits bei der Planung auch an die Umwelt denkt, wird in seinem neuen Heim auch davon profitieren. Und am Ende des Tages muss man sich in seinem Heim ganz einfach wohlfühlen.

Das Interview führte Rebecca Weingarten

Alle Bilder zum 120-jährigen Jubiläum bei Baufritz sehen Sie hier.

Baufritz feiert 120-jähriges Jubiläum im Allgäu
Auf Zeitreise durch die Firmengeschichte: 2016 feiert Baufritz 120-jähriges Jubiläum. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
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