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Betriebsrat und ZF Friedrichshafen haben sich auf ein neues, übertarifliches Vergütungssystem geeinigt. Das berichten beide Seiten übereinstimmend. Bis 9. Oktober sollen nun die rund 8.000 Tarifbeschäftigten in Friedrichshafen in einer Urabstimmung entscheiden, ob sie den Kompromiss annehmen oder nicht.
Auslöser des Streits zwischen Betriebsrat und Unternehmen war, dass ZF im Juli die Betriebsvereinbarung gekündigt hatte. Damit sollte die sogenannte „Zeppelin-Zulage“ wegfallen, die nur die Beschäftigten in Friedrichshafen erhalten. Laut Betriebsrat macht die Zeppelin-Zulage zwischen sieben und 13 Prozent des monatlichen Einkommens aus.
Das teilt der Betriebsrat mit. Der Kompromiss lautet „LeistungsPLUS“. Laut Betriebsrat orientiert sich die Höhe übertariflicher Zahlungen an der individuellen Leistungsbewertung der Mitarbeitenden. Zudem wird die Höhe mit tariflichen Entgeltsteigerungen weiter angepasst.
Zudem soll eine Tariferhöhung von 3,1 Prozent, die ab 1. September 2026 gegolten hätte, auf den 1. Januar 2027 verschoben werden. Laut Betriebsrat enthält das Paket weitere Maßnahmen, um den Standort Friedrichshafen flexibler und wettbewerbsfähiger zu machen.
Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen befindet sich gerade in einem umfangreichen Restrukturierungsprozess. Vor knapp einem Jahr hatte ZF einen Sparkurs verabschiedet. Bis 2028 wird ZF in Deutschland bis zu 14.000 Stellen abbauen. Vor allem die Antriebssparte, auch „Division E“ genannt, ist von der Restrukturierung betroffen.
Durch die Restrukturierung konnte ZF seine Zahlen wieder verbessern: Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) von 853 auf 964 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung ist im ersten Halbjahr erneut gesunken und liegt bei 9,8 Milliarden Euro. 2025 lag sie noch bei über 10 Milliarden Euro. Der Schuldenabbau ist für Vorstand Mathias Miedreich oberstes Ziel. Dennoch hatte ZF im vergangenen Jahr wieder einen Milliardenverlust gemacht.
Laut Achim Dietrich, Vorsitzender des Betriebsrats N, hatte ZF die übertariflichen Leistungen wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Friedrichshafen gekündigt. Für Dietrich ist es aber zu einfach, wenn die Lohnhöhe für die Krise in der Autobranche verantwortlich gemacht wird. „Nicht die Arbeitskosten haben uns in die aktuelle Situation geführt, sondern strategische Versäumnisse, hohe Energiekosten und der zunehmend harte globale Wettbewerb“, sagt Dietrich. Er fordert strategische Investitionen und eine kooperative Entwicklung von Zukunftsbildern.
Ein Sprecher von ZF erklärt auf Anfrage, dass es sich das Unternehmen in der Verhandlung nicht einfach gemacht und hart, aber konstruktiv verhandelt habe. „Das neue System, mit dem Leistung belohnt wird und die Mitarbeiter am Ergebnis beteiligt werden, ist eine wichtige Weichenstellung für die Zukunftsfähigkeit des Standortes. Dadurch verbessern wir unsere Kostensituation und erhöhen die Chancen für Neuaufträge“, so der ZF-Sprecher weiter.
Zu Details des neuen Entgeltsystems will sich ZF noch nicht äußern. Sollten die Beschäftigten in Friedrichshafen die Vereinbarung am 9. Oktober annehmen, gilt sie laut Betriebsrat bis mindestens 31. Dezember 2031.