Interview

Wir Lokalhelden über Stadtzentren: „Arbeitsplätze gehen verloren

Die Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Einschränkungen schwächen die Innenstädte. Wir Lokalhelden ist eine Kemptener Initiative, die das verhindern möchte. Claudia Deniffel, Leiterin der Öffentlichkeitskommunikation, erklärt im Interview, wie der Wandel zum reinen Online-Shopping aufgehalten werden kann.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie sehr leiden Innenstädte unter der Corona-Krise?

Claudia Deniffel: Sehr. Innenstädte leben von Menschen die aktiv und gerne ihre Zeit dort verbringen. Dazu zählen jene, die sich einfach treiben lassen wollen, die das Flair genießen und spontan konsumieren. Aber auch diejenigen, die Erledigungen wie Wocheneinkäufe und spezifische Besorgungen mit einem Erlebnis verbinden. Mit den Schutzmaßnahmen der Corona-Krise fällt der Spontan- und Unterhaltungskonsum weg und Besuche im Stadtzentrum beschränken sich auf pure Notwendigkeiten. Die Schließung des Einzelhandels wirkt sich damit nicht nur auf die Läden selbst aus, sondern betrifft das ganze Umfeld.

Der Trend geht immer mehr zum Online-Shopping. Welche Auswirkungen kann das dauerhaft auf unser Leben haben?

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Neben der immensen Umweltbelastung wirkt sich das Online-Shopping vor allem auf den Menschen aus. Je weniger im lokalen Einzelhandel eingekauft wird, desto stärker wird sich die örtliche Infrastruktur verändern. Am Konkurrenzdruck gescheiterte, kleine Läden werden schließen müssen. Das nimmt nicht nur vielen Einzelhändler:innen die Lebensgrundlage, sondern wird unser aller Einkaufserlebnis in Innenstädten verändern. Denn häufig sind es Boutiquen, Fachgeschäfte und individuelle Schaufenster, die Fußgängerzonen zu einem Erlebnis werden lassen. Das hat außerdem zur Folge, dass wertvolle Arbeitsplätze verloren gehen. Stattdessen müssen wir dann beobachten, wie Online-Versand-Riesen Arbeitsplätze zu menschenunwürdigen Bedingungen anbieten. Zum anderen werden die Innenstädte veröden. Denn je langweiliger das Einkaufserlebnis, desto weniger Menschen suchen den Konsum. Darunter leidet dann auch die Gastronomie, für die die Laufkundschaft eine wichtige Stütze ist.

Haben die Probleme im Einzelhandel erst durch die Corona-Pandemie begonnen?

Nein, natürlich nicht. Der Einzelhandel kämpft schon seit Jahren. Die Schutzmaßnahmen der Corona-Pandemie sind aber natürlich ein Katalysator der Probleme.

Wie effektiv sind Konzepte wie „Click & Collect“ während dem Lockdown?

Auf unserer Plattform haben wir dazu unterschiedliche Erfahrungen gehört. Auf der einen Seite berichten uns Einzelhänder:innen, dass es zumindest ein kleiner Ausgleich für fehlende Einnahmen ist. Auf der anderen Seite schreiben Kund:innen, dass sie das Angebot nicht nutzen. Als Begründung wurde dafür genannt, dass es komplizierter ist, als eine Online-Bestellung und dass es keine zentrale Übersicht gibt, wer Click & Collect zu welchen Konditionen anbietet. Das Konzept steckt noch in Kinderschuhen und muss bei der breiten Bevölkerung erst noch ankommen. Ist es einmal etabliert, könnte es das Repertoire des Einzelhandels aber langfristig erweitern.

Welche Maßnahmen würden den Einzelhandel Ihrer Meinung nach fit für die Zukunft machen?

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Eben jene Frage versuchen wir mit unserer Community zu beantworten. Wir sind der Überzeugung: ohne Digitalisierung werden kleine Läden untergehen. Einzelhändler:innen müssen mit der Zeit gehen und in zukunftsfähige Konzepte investieren. Dazu gehört ein souveräner Internetauftritt, um sichtbar zu bleiben. Darüber hinaus müssen Konzepte weitergedacht werden, die Online mit Offline verbinden – wie wir es beispielsweise von Click & Collect schon kennen. Außerdem sind moderne Zahlsysteme denkbar, wie man es aus den skandinavischen Ländern kennt. Dort ist es schon längst möglich, überall auch per Handy zu bezahlen. Ein weiterer Ansatz ist es, neue Gründe zu schaffen, aktiv in einen Laden zu gehen. Gelingt es dem Einzelhandel, eine neue Form des Einkauferlebnisses zu schaffen, hat er dem Online-Handel etwas voraus. Abgesehen davon wird der Einzelhandel in einer Internet-Gesellschaft vermutlich nicht an einem eigenen Lieferangeboten vorbeikommen.

Wie wichtig ist der Internetauftritt auch bei kleinen Geschäften?

Sehr. Wer gesehen werden will, muss im Internet präsent sein. Ob mit Online-Shop, Instagram oder lediglich einem Google-Maps-Eintrag. Wer nicht im Netz sichtbar ist wird übersehen.

Was ist das größte Problem des Einzelhandels?

Die digitale Kluft zu großen Versandunternehmen. Wer in einer Google-Generation den Absprung zu Digitalisierung nicht schafft, wird verlieren.

Wie wichtig ist eine kompetente Beratung heutzutage wirklich noch für den Einkäufer?

Gerade bei teuren Anschaffung nach wie vor wichtig. Aber kompetente Offline-Beratung hat starke Konkurrenz durch kompetente Online-Beratung bekommen. Dazu zählen nicht nur Preis-Leistungs-Rechner, sondern vor allem auch Expert:innen, die in Artikeln, Videos und Blogs beraten.

Hand aufs Herz: Wie stellen Sie sich die Innenstädte in zehn Jahren vor?

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Im worst case: Verödete Dienstleistungszentren, die nur noch als Sammelpunkt für lästige Erledigungen dienen. Wir haben aber Grund dazu, zuversichtlich zu sein. Es gibt engagierte Einzelhänder:innen, die den Absprung schaffen wollen. In diesem Fall leben die Innenstädte von teildigitalisierten Läden, die Kund:innen ein individuelles Einkaufserlebnis bieten. Was aber tatsächlich passieren wird, kann natürlich niemand sagen.

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Claudia Deniffel: Sehr. Innenstädte leben von Menschen die aktiv und gerne ihre Zeit dort verbringen. Dazu zählen jene, die sich einfach treiben lassen wollen, die das Flair genießen und spontan konsumieren. Aber auch diejenigen, die Erledigungen wie Wocheneinkäufe und spezifische Besorgungen mit einem Erlebnis verbinden. Mit den Schutzmaßnahmen der Corona-Krise fällt der Spontan- und Unterhaltungskonsum weg und Besuche im Stadtzentrum beschränken sich auf pure Notwendigkeiten. Die Schließung des Einzelhandels wirkt sich damit nicht nur auf die Läden selbst aus, sondern betrifft das ganze Umfeld.

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Haben die Probleme im Einzelhandel erst durch die Corona-Pandemie begonnen?

Nein, natürlich nicht. Der Einzelhandel kämpft schon seit Jahren. Die Schutzmaßnahmen der Corona-Pandemie sind aber natürlich ein Katalysator der Probleme.

Wie effektiv sind Konzepte wie „Click & Collect“ während dem Lockdown?

Auf unserer Plattform haben wir dazu unterschiedliche Erfahrungen gehört. Auf der einen Seite berichten uns Einzelhänder:innen, dass es zumindest ein kleiner Ausgleich für fehlende Einnahmen ist. Auf der anderen Seite schreiben Kund:innen, dass sie das Angebot nicht nutzen. Als Begründung wurde dafür genannt, dass es komplizierter ist, als eine Online-Bestellung und dass es keine zentrale Übersicht gibt, wer Click & Collect zu welchen Konditionen anbietet. Das Konzept steckt noch in Kinderschuhen und muss bei der breiten Bevölkerung erst noch ankommen. Ist es einmal etabliert, könnte es das Repertoire des Einzelhandels aber langfristig erweitern.

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Wie wichtig ist der Internetauftritt auch bei kleinen Geschäften?

Sehr. Wer gesehen werden will, muss im Internet präsent sein. Ob mit Online-Shop, Instagram oder lediglich einem Google-Maps-Eintrag. Wer nicht im Netz sichtbar ist wird übersehen.

Was ist das größte Problem des Einzelhandels?

Die digitale Kluft zu großen Versandunternehmen. Wer in einer Google-Generation den Absprung zu Digitalisierung nicht schafft, wird verlieren.

Wie wichtig ist eine kompetente Beratung heutzutage wirklich noch für den Einkäufer?

Gerade bei teuren Anschaffung nach wie vor wichtig. Aber kompetente Offline-Beratung hat starke Konkurrenz durch kompetente Online-Beratung bekommen. Dazu zählen nicht nur Preis-Leistungs-Rechner, sondern vor allem auch Expert:innen, die in Artikeln, Videos und Blogs beraten.

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