Verkehr

Seilbahnen – die Zukunft der Mobilität in Kempten?

Alternative Transportmittel in der Stadt: In Kempten denkt man über eine Seilbahn nach, die den Verkehr entlasten und Menschen befördern soll. Wie zukunftsweisend, wie realistisch ist diese Idee?

In Brüssel und Lissabon verbinden Aufzüge höher und tiefer gelegene Stadtteile miteinander. In Dresden braucht es kleine Fähren um Mensch und Auto an bestimmten Stellen über die Elbe zu bringen. An Flughäfen beschleunigen Rollbänder den Weg durch lange Hallen. Und Ministerpräsident Söder möchte Flugtaxis an Bayerns Himmel sehen. Wenn eine Stadt im Allgäu dann von Seilbahnen im urbanen Raum spricht, sollte das nicht verwundern – oder?

„Wir müssen beim Nahverkehr kreativer denken“

Im ersten Moment klingt es dennoch absurd. Bus, Straßenbahn und Seilbahn? Die Diskussion in Kempten ist bereits in vollem Gange. Ein aktives Beispiel findet sich in Südamerika, genauer gesagt in La Paz (Bolivien). Zehn Seilbahnlinien gibt es dort. Die erste ging 2014 in Betrieb. Potenzial im Konzept sieht auch Bayerns Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart: „Seilbahnen können im städtischen Nahverkehr eine bislang in Bayern nicht genutzte Ergänzungsfunktion übernehmen“, ist er überzeugt. „Wir müssen beim Nahverkehr kreativer denken. Ich freue mich über alle innovativen Ideen, die den Verkehr gerade in den Innenstädten entzerren. So können wir Stau und Feinstaub vermeiden. Wir brauchen eine Umverteilung auf mehrere Verkehrsträger. Der gute Mix macht es aus.“

Wartezeiten verkürzen, Verkehr entlasten

Für Helmut Berchtold, stellvertretender Vorsitzende mona GmbH, ist eine Seilbahn zunächst nur ein kleiner Teil eines sehr komplexen Themas. „Wir werden nicht umher kommen, das ÖPNV-Fahrplanangebot in der gesamten Stadt und in die Region hinaus massiv zu verbessern, um den verkehrlichen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden“, erklärt er. Ziel sei, die Innenstadt vom Schwer- aber auch Individualverkehr zu entlasten. Dafür wurde bereits ein detaillierter Plan ausgearbeitet. „Für die Umsetzung unserer Idee Bedarf es zweier Mobilitätsknoten. Angedacht hier einer im Norden der Stadt (Bereich Rottachstraße) und der längst beschlossene Ausbau des Hauptbahnhofes. Die größte Herausforderung ist dabei, diese beiden Mobilitätsknoten so miteinander zu verbinden, dass eine Weiterkommen jeweils ohne Wartezeiten (Umsteigezeiten) erfolgt.“ Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: eine Buslösung und eine Seilbahnlösung.

Ja zur Seilbahn

„Eine Seilbahn kann nachweislich über die Verbindung der beiden Mobilitätsknoten hinaus eine Reihe weiterer großer Verkehrsproblem in der Stadt lösen. Entsprechend ist für mich die angedachte Seilbahnlösung die am Ende attraktivste, leistungsstärkste, umweltfreundlichste und sogar noch kostengünstige Variante“, betont Berchtold. Vorteile wie diese sieht auch Dr. Reichhart beim Thema Seilbahn. „Die Seilbahn kann bauliche und topographische Hindernisse auf geradem Weg überwinden, wo sonst Umwege oder Eingriffe in die Landschaft notwendig wären. Außerdem besteht ihr Vorteil darin, dass sie eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung als Lückenschluss zwischen Verkehrserzeugern (z. B. Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Flughäfen) und dem bestehenden Nahverkehrsnetz ermöglichen kann. Die Seilbahn hat das Potential, das ÖPNV-Angebot in Bereichen mit hoher Auslastung der bestehenden Straßen und Bahnlinien zu ergänzen.“ Er unterstützt das Projekt in Kempten daher.

Ergänzen statt ersetzten – das ist auch Helmut Berchtold wichtig. Kein einziger Bus soll dadurch gestrichen werden. „Vielmehr würde sie (die Seilbahn) eine Strecke in der Stadt abdecken, die derzeit völlig unproduktiv mit hunderten von Busfahrten täglich bedient wird. Unser Ansatz geht dahin, diese freien Kapazitäten besser dort einzusetzen, wo Sie von den Bürgern dringend gebraucht und gefordert werden – eben von den Stadteilen und der Region zur Innenstadt Kempten – bis hin zum 15 Minuten Takt.“

Hochschuldekan hofft auf offene und wohlwollende Debatte

Das Thema Seilbahn in Kempten wurde auch Anfang der Woche beim Allgäuer Tourismusgespräch an der Hochschule diskutiert. Prof. Dr. Alfred Bauer, Dekan der Fakultät Tourismus-Management, freute sich über die hohe Teilnehmerzahl. Sie zeige, „dass Bedarf nach Informationen besteht“. Dabei betonte er, wie Helmut Berchtold, „dass es nicht um eine Seilbahn allein, sondern um die Integration der Seilbahn in das Gesamtverkehrsnetz der Stadt Kempten geht“. Eine abschließende Meinung möchte er sich erst nach Vorliegen der Varianten und deren Vor- und Nachteile bilden. „Ich wünsche mir jedoch, dass neue Ideen nicht gleich abgelehnt werden, sondern eine öffentliche Debatte basierend auf Daten und Fakten zu innovativen Projekten wie zum Beispiel der Stadtseilbahn stattfindet – mit selbstverständlich offenem Ausgang.“

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Für Helmut Berchtold, stellvertretender Vorsitzende mona GmbH, ist eine Seilbahn zunächst nur ein kleiner Teil eines sehr komplexen Themas. „Wir werden nicht umher kommen, das ÖPNV-Fahrplanangebot in der gesamten Stadt und in die Region hinaus massiv zu verbessern, um den verkehrlichen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden“, erklärt er. Ziel sei, die Innenstadt vom Schwer- aber auch Individualverkehr zu entlasten. Dafür wurde bereits ein detaillierter Plan ausgearbeitet. „Für die Umsetzung unserer Idee Bedarf es zweier Mobilitätsknoten. Angedacht hier einer im Norden der Stadt (Bereich Rottachstraße) und der längst beschlossene Ausbau des Hauptbahnhofes. Die größte Herausforderung ist dabei, diese beiden Mobilitätsknoten so miteinander zu verbinden, dass eine Weiterkommen jeweils ohne Wartezeiten (Umsteigezeiten) erfolgt.“ Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: eine Buslösung und eine Seilbahnlösung.

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„Eine Seilbahn kann nachweislich über die Verbindung der beiden Mobilitätsknoten hinaus eine Reihe weiterer großer Verkehrsproblem in der Stadt lösen. Entsprechend ist für mich die angedachte Seilbahnlösung die am Ende attraktivste, leistungsstärkste, umweltfreundlichste und sogar noch kostengünstige Variante“, betont Berchtold. Vorteile wie diese sieht auch Dr. Reichhart beim Thema Seilbahn. „Die Seilbahn kann bauliche und topographische Hindernisse auf geradem Weg überwinden, wo sonst Umwege oder Eingriffe in die Landschaft notwendig wären. Außerdem besteht ihr Vorteil darin, dass sie eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung als Lückenschluss zwischen Verkehrserzeugern (z. B. Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Flughäfen) und dem bestehenden Nahverkehrsnetz ermöglichen kann. Die Seilbahn hat das Potential, das ÖPNV-Angebot in Bereichen mit hoher Auslastung der bestehenden Straßen und Bahnlinien zu ergänzen.“ Er unterstützt das Projekt in Kempten daher.

Ergänzen statt ersetzten – das ist auch Helmut Berchtold wichtig. Kein einziger Bus soll dadurch gestrichen werden. „Vielmehr würde sie (die Seilbahn) eine Strecke in der Stadt abdecken, die derzeit völlig unproduktiv mit hunderten von Busfahrten täglich bedient wird. Unser Ansatz geht dahin, diese freien Kapazitäten besser dort einzusetzen, wo Sie von den Bürgern dringend gebraucht und gefordert werden – eben von den Stadteilen und der Region zur Innenstadt Kempten – bis hin zum 15 Minuten Takt.“

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