Interview

Markus Brehm: „Digital-Angebote sind ein Muss für Zeitungsverlage“

Markus Brehm, Geschäftsführer des Allgäuer Zeitungsverlages, verrät im Interview, weshalb er den Launch des neuen Nachrichtenportals der Allgäuer Zeitung gerade jetzt während der coronabedingten Krise durchgezogen hat.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Warum war es so wichtig, gerade in der Corona-Krisenzeit den Launch der neuen Webseiten durchzuziehen? 

Markus Brehm: Wir hatten den Launch von allgäuer-zeitung.de für Mitte 2020 eingeplant. Mit Beginn der Corona-Krise verzeichneten wir allerdings eine enorme Nachfrage nach journalistischen Informationen und das print wie online. Daraufhin war für uns klar – wir müssen so schnell wie möglich an den Start gehen und die Berichterstattung der Allgäuer Zeitung für viele Menschen digital zugänglich machen. Ein Kraftakt: Unter besonderen Anstrengungen der gesamten Redaktion zwischen Zeitungsproduktion, Quarantäne, Homeoffice und Abstandsregeln ist es uns gelungen, das neue Nachrichtenportal etwa vier Wochen früher als geplant online zu stellen.

Sie verfolgen nun eine Drei-Portal-Strategie. Wieso haben Sie das Angebot so aufgesplittet? Machen Sie sich damit nicht selbst Konkurrenz? 


Wir haben herausgefunden, dass wir mit den drei digitalen Content-Angeboten allgäuer-zeitung.de, all-in.de und allgäuweit.de die Nachfrage nach Inhalten im Allgäu sehr gut bedienen können. Durch die strikte Trennung können wir uns auf die Nutzerinteressen der jeweiligen Zielgruppe konzentrieren. Thematische Überschneidungen bleiben sicherlich nicht aus, aber die Art und Weise der Aufbereitung des Inhaltes ist immer an der Zielgruppe ausgerichtet. Jedes Portal vereint so Menschen mit ähnlichen Interessen oder einem ähnlichen Konsumverhalten. Diese Umfelder sind für Werbetreibende viel interessanter als ein großes Portal. 

Wie sind die Inhalte der drei Portale jetzt gegliedert? 

Allgäuweit.de ist das Freizeit- und Veranstaltungsportal im Allgäu. All-in.de ist seit 20 Jahren unser Reichweitenportal mit rund einer Million Besucher im Monat. Ein eigenes Content-Team und viele Bürgerreporter aggregieren frei zugängliche Inhalte für das Allgäu wie Polizeimeldungen, Boulevard- und Servicethemen sowie behördliche Informationen. Und im Premium-Portal allgaeuer-zeitung.de steckt die ganze Kraft unserer Redaktion: Mehr als 70 Kollegen, die täglich alle relevanten Nachrichten aus dem Allgäu und der Welt recherchieren, analysieren, multimedial aufbereiten, und kommentieren – von der Politik und der Wirtschaft über Sport und Kultur bis hin zum Gesellschaftsleben.

Was braucht ein Online-Portal, um gelesen zu werden? Was erwartet der Leser? 

Vor allem eines: Relevanz für die jeweilige Zielgruppe. Dazu eine gute Usability, ein ansprechendes Design und schnelle Ladezeiten auf allen Endgeräten. Die Technik und Komplexität im Hintergrund darf und will der Nutzer nicht spüren. Um die Erwartungen der Nutzer herauszufinden und unser Angebot feinjustieren zu können, haben wir neue Stellen für Data, Social Media und Conversion Management geschaffen. 

Wie wird die Kooperation mit der (Print) Zeitung aussehen? Steht online dasselbe wie im Print und umgekehrt? 

Ja und nein. Wir setzen zum einen auf Synergie-Effekte, zum anderen aber auch auf eine kanalspezifische Ausspielung von Inhalten. Die Redaktion der Allgäuer Zeitung erstellt Inhalte nun so, dass sie in beiden Kanälen, also Print und Online, erscheinen können. Ergänzend dazu haben wir eine Digitalunit, bestehend aus Redakteuren und Digital-Spezialisten, aufgebaut. Dieses Team sorgt frühmorgens und spätabends für das Agendasetting und schafft darüber hinaus eigene, digitalspezifische Inhalte wie Live-Videos, Multimedia-Storys, interaktive Karten, Datenjournalismus, und künftig auch Podcasts. 

Was unterscheidet Online- und Print-Journalismus voneinander?


Online-Journalismus ist schneller, direkter und messbarer. Man sieht zum Beispiel unmittelbar, ob und wie lange eine Geschichte auf der Webseite gelesen wird. Daraus kann man Schlüsse für die redaktionelle Arbeit ziehen. Das ist in Print etwas schwieriger. Andererseits ist das Digitale – wie auch das Nutzerverhalten im Netz – deutlich flüchtiger. Das wiederum ist die Stärke des Printjournalismus und des Produkts Tageszeitung. Sie ist ein in sich geschlossenes Produkt und setzt jeden Tag einen Punkt in unserer hektischen Nachrichtenwelt. 

Wie viel (Wo)Man-Power steckt hinter allgäuer-zeitung.de und wie stark wird welcher Bereich aufgestellt sein? 

Rund 70 Redakteure liefern die lokale und regionale Berichterstattung aus dem Allgäu. Hinzu kommen weitere etwa 180 Redakteure aus dem Verbund mit der Augsburger Allgemeinen, die Nachrichten aus Bayern, Deutschland und der Welt liefern. Die Digitalunit, zu der auch drei Expertinnen für Data, Conversion Management und Social Media gehören, steuert das Angebot und entwickelt es weiter. Im Werbe- und Lesermarkt sind interessante Pakete geschnürt worden, die zur Finanzierung des Portals beitragen.

Ist Online die alleinige Zukunft der Zeitungsbranche? 

Digital-Angebote zu schaffen, ist ein Muss für jeden Zeitungsverlag. Ein Teil der Menschen informiert sich eben online. Sind die entsprechenden Angebote gut gemacht, werden die Markenwerte der Zeitung digital verlängert. Sich nur noch auf Online zu konzentrieren, wäre aus meiner Sicht ein Fehler. Unser Ziel wird es auch in Zukunft sein, jeder Zielgruppe das für sie passende, journalistische Produkt anzubieten – und da gehört die gedruckte Zeitung in den kommenden Jahren sicher mit dazu.  

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Markus Brehm: Wir hatten den Launch von allgäuer-zeitung.de für Mitte 2020 eingeplant. Mit Beginn der Corona-Krise verzeichneten wir allerdings eine enorme Nachfrage nach journalistischen Informationen und das print wie online. Daraufhin war für uns klar – wir müssen so schnell wie möglich an den Start gehen und die Berichterstattung der Allgäuer Zeitung für viele Menschen digital zugänglich machen. Ein Kraftakt: Unter besonderen Anstrengungen der gesamten Redaktion zwischen Zeitungsproduktion, Quarantäne, Homeoffice und Abstandsregeln ist es uns gelungen, das neue Nachrichtenportal etwa vier Wochen früher als geplant online zu stellen.

Sie verfolgen nun eine Drei-Portal-Strategie. Wieso haben Sie das Angebot so aufgesplittet? Machen Sie sich damit nicht selbst Konkurrenz? 


Wir haben herausgefunden, dass wir mit den drei digitalen Content-Angeboten allgäuer-zeitung.de, all-in.de und allgäuweit.de die Nachfrage nach Inhalten im Allgäu sehr gut bedienen können. Durch die strikte Trennung können wir uns auf die Nutzerinteressen der jeweiligen Zielgruppe konzentrieren. Thematische Überschneidungen bleiben sicherlich nicht aus, aber die Art und Weise der Aufbereitung des Inhaltes ist immer an der Zielgruppe ausgerichtet. Jedes Portal vereint so Menschen mit ähnlichen Interessen oder einem ähnlichen Konsumverhalten. Diese Umfelder sind für Werbetreibende viel interessanter als ein großes Portal. 

Wie sind die Inhalte der drei Portale jetzt gegliedert? 

Allgäuweit.de ist das Freizeit- und Veranstaltungsportal im Allgäu. All-in.de ist seit 20 Jahren unser Reichweitenportal mit rund einer Million Besucher im Monat. Ein eigenes Content-Team und viele Bürgerreporter aggregieren frei zugängliche Inhalte für das Allgäu wie Polizeimeldungen, Boulevard- und Servicethemen sowie behördliche Informationen. Und im Premium-Portal allgaeuer-zeitung.de steckt die ganze Kraft unserer Redaktion: Mehr als 70 Kollegen, die täglich alle relevanten Nachrichten aus dem Allgäu und der Welt recherchieren, analysieren, multimedial aufbereiten, und kommentieren – von der Politik und der Wirtschaft über Sport und Kultur bis hin zum Gesellschaftsleben.

Was braucht ein Online-Portal, um gelesen zu werden? Was erwartet der Leser? 

Vor allem eines: Relevanz für die jeweilige Zielgruppe. Dazu eine gute Usability, ein ansprechendes Design und schnelle Ladezeiten auf allen Endgeräten. Die Technik und Komplexität im Hintergrund darf und will der Nutzer nicht spüren. Um die Erwartungen der Nutzer herauszufinden und unser Angebot feinjustieren zu können, haben wir neue Stellen für Data, Social Media und Conversion Management geschaffen. 

Wie wird die Kooperation mit der (Print) Zeitung aussehen? Steht online dasselbe wie im Print und umgekehrt? 

Ja und nein. Wir setzen zum einen auf Synergie-Effekte, zum anderen aber auch auf eine kanalspezifische Ausspielung von Inhalten. Die Redaktion der Allgäuer Zeitung erstellt Inhalte nun so, dass sie in beiden Kanälen, also Print und Online, erscheinen können. Ergänzend dazu haben wir eine Digitalunit, bestehend aus Redakteuren und Digital-Spezialisten, aufgebaut. Dieses Team sorgt frühmorgens und spätabends für das Agendasetting und schafft darüber hinaus eigene, digitalspezifische Inhalte wie Live-Videos, Multimedia-Storys, interaktive Karten, Datenjournalismus, und künftig auch Podcasts. 

Was unterscheidet Online- und Print-Journalismus voneinander?


Online-Journalismus ist schneller, direkter und messbarer. Man sieht zum Beispiel unmittelbar, ob und wie lange eine Geschichte auf der Webseite gelesen wird. Daraus kann man Schlüsse für die redaktionelle Arbeit ziehen. Das ist in Print etwas schwieriger. Andererseits ist das Digitale – wie auch das Nutzerverhalten im Netz – deutlich flüchtiger. Das wiederum ist die Stärke des Printjournalismus und des Produkts Tageszeitung. Sie ist ein in sich geschlossenes Produkt und setzt jeden Tag einen Punkt in unserer hektischen Nachrichtenwelt. 

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Rund 70 Redakteure liefern die lokale und regionale Berichterstattung aus dem Allgäu. Hinzu kommen weitere etwa 180 Redakteure aus dem Verbund mit der Augsburger Allgemeinen, die Nachrichten aus Bayern, Deutschland und der Welt liefern. Die Digitalunit, zu der auch drei Expertinnen für Data, Conversion Management und Social Media gehören, steuert das Angebot und entwickelt es weiter. Im Werbe- und Lesermarkt sind interessante Pakete geschnürt worden, die zur Finanzierung des Portals beitragen.

Ist Online die alleinige Zukunft der Zeitungsbranche? 

Digital-Angebote zu schaffen, ist ein Muss für jeden Zeitungsverlag. Ein Teil der Menschen informiert sich eben online. Sind die entsprechenden Angebote gut gemacht, werden die Markenwerte der Zeitung digital verlängert. Sich nur noch auf Online zu konzentrieren, wäre aus meiner Sicht ein Fehler. Unser Ziel wird es auch in Zukunft sein, jeder Zielgruppe das für sie passende, journalistische Produkt anzubieten – und da gehört die gedruckte Zeitung in den kommenden Jahren sicher mit dazu.  

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