Startup-Szene

Interview: Allgäu Automation will Landwirtschaft digitalisieren

Andreas Breher und Simon Cordella sind die Gründer des Startups Allgäu Automation. Im Interview verraten sie, weshalb die Digitalisierung in der Landwirtschaft ein sehr großes Potential hat und wie sehr die Branche ihrer Meinung nach von der Corona-Krise betroffen ist.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie kam die Idee zu Allgäu Automation?

Andreas Breher: Ich und mein Mitgründer Simon Cordella haben gemeinsam an der Hochschule Kempten Mechatronik studiert. Wir beide sind in familiengeführten landwirtschaftlichen Betrieben aufgewachsen und kennen die Mühen der manuellen Unkrautbekämpfung aus eigener Erfahrung. Auf dieser Basis entstand die Idee, die Tätigkeit zu automatisieren – im Falle von RumboJet speziell die Bekämpfung der besonders schädlichen Ampferpflanze im Grünland.

Der stumpfblättrige Ampfer ist eines der häufigsten und hartnäckigsten Unkräuter im Grünland. Er verdrängt Futtergräser, was zu schlechterer Grundfutterqualität führt. Nicht nur die Milchleistung der gefütterten Kühe verringert sich, auch ihre Gesundheit kann durch den Ampfer beeinträchtigt werden. Deshalb wird er bekämpft. Bisher gab es zwei Strategien: Einzelbekämpfung und Flächenbekämpfung – beide Möglichkeiten bringen Nachteile mit sich. Um diese Probleme zu lösen entstand bei uns die Idee einer automatisierten Einzelbekämpfung. Wir entwickelten den RumboJet 880, der an einen Traktor gehängt werden kann. Das Gerät erkennt und bekämpft den Ampfer in einem Arbeitsgang. Die Pflanzen werden mittels einer Kamera aufgespürt und dann gezielt von einzeln schaltbaren Düsen besprüht. Der Arbeitsaufwand reduziert sich im Vergleich zur manuellen Einzelpflanzenbehandlung um rund 90 Prozent.

Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, mit Ihrer Produktidee bei Allgäu Digital einzuziehen?

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Simon Cordella: Mit Allgäu Automation ist es uns gelungen das EXIST-Gründerstipendium über die Hochschule Kempten zu erhalten. Diese kooperiert mit Allgäu Digital beim Support von Startups und hat den Kontakt hergestellt. Wir waren von einem Einzug bei Allgäu Digital gleich begeistert – hier wird Startups ein umfangreiches Netzwerk für angehende Gründer geboten. Ebenfalls wichtig ist der Austausch mit den Erfahrungen der anderen Startups.

Wie wichtig ist das richtige Netzwerk für die Anfänge eines Startups?

Andreas Breher: Sehr wichtig. Die vielen Kontakte zu verschiedenen Coaches und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen helfen zu Beginn enorm.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit Allgäu Automation ansprechen?

Simon Cordella: Vorwiegend Landwirte – aber wir möchten auch den nicht landwirtschaftlichen Teil der Gesellschaft aufklären, dass der Umweltschutz in der konventionellen Landwirtschaft wichtig ist und hierfür die technischen Möglichkeiten zum aktuellen Zeitpunkt oftmals noch fehlen. Sobald solche Techniken auf dem Markt verfügbar sind, wird dies von den Landwirten gerne angenommen.

Wie finanzieren Sie Ihr Startup?

Andreas Breher: Die zwei Prototypen und unsere Sicherung des Lebensunterhaltes können wir aktuell mit dem EXIST Gründerstipendium bis zum Mai 2021 finanzieren. Anschließend werden wir die Fertigung der ersten Kleinserie privat vorfinanzieren. Wir streben mit unserer GmbH ein organisches Wachstum an.

Wie wichtig ist technischer Fortschritt und Digitalisierung in der Landwirtschaft?

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Simon Cordella: Der technische Fortschritt und Digitalisierung hat in der Landwirtschaft großes Potential. Zum einen kann in bestimmten Bereichen umweltschonender gearbeitet werden, zum anderen sorgt der technische Fortschritt und die Digitalisierung für humanitäre Arbeitsverhältnisse. Die Weltbevölkerung wächst stetig weiter an, wobei die Fläche zum Anbau von Lebensmitteln gleichbleibt. Hier ist effizienteres Arbeiten pro Fläche notwendig, um die Weltbevölkerung ernähren zu können. Mit den Möglichkeiten der heutigen Technik kann das Tierwohl auch in größeren Betrieben sichergestellt oder sogar verbessert werden. Aktuell werden noch nicht in allen Betrieben solche teuren Techniken eingesetzt, da der Preisdruck bei der Herstellung von Lebensmitteln so enorm ist und diese Techniken noch nicht aus wirtschaftlicher Sicht eigesetzt werden können.

Wie sehr ist die Landwirtschaft von der Corona-Krise betroffen?

Andreas Breher: Das ist für uns etwas schwierig einzuschätzen. Daher kann ich lediglich meinen Eindruck beschreiben: Im Frühjahr und Sommer fehlten vor allen Dingen Helfer für die Gemüseernte aufgrund von Einreisebeschränkungen. Diese Ausfälle überhaupt zu ersetzen ist schwierig und mit Kosten verbunden. Die Gastronomie Schließung trifft auch sehr stark auf das Allgäu zu, da dieses zudem touristisch geprägt ist. Daraus resultierte ein Rückgang an konsumierten Fleischprodukten. Die Gastronomie bezieht das Fleisch oftmals von regionalen Produzenten, denen nun die Absatzmöglichkeiten fehlen. Schon seit dem Lockdown im Frühjahr ist auch die Milchwirtschaft betroffen. Durch den temporären Exportstopp von Milch und Milchprodukten, konnten diese nicht wie üblich abgesetzt werden. Aktuell scheint es aufgrund der Weihnachtszeit und dem Jahresende eine steigende Nachfrage an Butter und Käse von privaten Haushalten zu geben.

Wie kann die Wirtschaft durch Ihre Idee profitieren?

Simon Cordella: Da wir ein technisches Produkt herstellen benötigen wir verschiedenste Zulieferer für Material und Dienstleistungen. Vorwiegend beziehen wir unser Material von deutschen Zulieferern. Die komplette Fertigung ist lokal im Allgäu angesiedelt und leistet somit einen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen, wenn auch noch einen eher geringen.

Sind in Zukunft weitere Projekte geplant?

Andreas Breher: Aktuell sind wir komplett auf dieses Projekt fixiert. Hier werden auch weiterhin noch Verbesserungen und Weiterentwicklungen anstehen. Trotzdem werden wir die Augen nach Problemstellungen in der Landwirtschaft offen halten, die durch den Einsatz von technischen Geräten gelöst werden können.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie kam die Idee zu Allgäu Automation?

Andreas Breher: Ich und mein Mitgründer Simon Cordella haben gemeinsam an der Hochschule Kempten Mechatronik studiert. Wir beide sind in familiengeführten landwirtschaftlichen Betrieben aufgewachsen und kennen die Mühen der manuellen Unkrautbekämpfung aus eigener Erfahrung. Auf dieser Basis entstand die Idee, die Tätigkeit zu automatisieren – im Falle von RumboJet speziell die Bekämpfung der besonders schädlichen Ampferpflanze im Grünland.

Der stumpfblättrige Ampfer ist eines der häufigsten und hartnäckigsten Unkräuter im Grünland. Er verdrängt Futtergräser, was zu schlechterer Grundfutterqualität führt. Nicht nur die Milchleistung der gefütterten Kühe verringert sich, auch ihre Gesundheit kann durch den Ampfer beeinträchtigt werden. Deshalb wird er bekämpft. Bisher gab es zwei Strategien: Einzelbekämpfung und Flächenbekämpfung – beide Möglichkeiten bringen Nachteile mit sich. Um diese Probleme zu lösen entstand bei uns die Idee einer automatisierten Einzelbekämpfung. Wir entwickelten den RumboJet 880, der an einen Traktor gehängt werden kann. Das Gerät erkennt und bekämpft den Ampfer in einem Arbeitsgang. Die Pflanzen werden mittels einer Kamera aufgespürt und dann gezielt von einzeln schaltbaren Düsen besprüht. Der Arbeitsaufwand reduziert sich im Vergleich zur manuellen Einzelpflanzenbehandlung um rund 90 Prozent.

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Wie wichtig ist das richtige Netzwerk für die Anfänge eines Startups?

Andreas Breher: Sehr wichtig. Die vielen Kontakte zu verschiedenen Coaches und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen helfen zu Beginn enorm.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit Allgäu Automation ansprechen?

Simon Cordella: Vorwiegend Landwirte – aber wir möchten auch den nicht landwirtschaftlichen Teil der Gesellschaft aufklären, dass der Umweltschutz in der konventionellen Landwirtschaft wichtig ist und hierfür die technischen Möglichkeiten zum aktuellen Zeitpunkt oftmals noch fehlen. Sobald solche Techniken auf dem Markt verfügbar sind, wird dies von den Landwirten gerne angenommen.

Wie finanzieren Sie Ihr Startup?

Andreas Breher: Die zwei Prototypen und unsere Sicherung des Lebensunterhaltes können wir aktuell mit dem EXIST Gründerstipendium bis zum Mai 2021 finanzieren. Anschließend werden wir die Fertigung der ersten Kleinserie privat vorfinanzieren. Wir streben mit unserer GmbH ein organisches Wachstum an.

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Simon Cordella: Der technische Fortschritt und Digitalisierung hat in der Landwirtschaft großes Potential. Zum einen kann in bestimmten Bereichen umweltschonender gearbeitet werden, zum anderen sorgt der technische Fortschritt und die Digitalisierung für humanitäre Arbeitsverhältnisse. Die Weltbevölkerung wächst stetig weiter an, wobei die Fläche zum Anbau von Lebensmitteln gleichbleibt. Hier ist effizienteres Arbeiten pro Fläche notwendig, um die Weltbevölkerung ernähren zu können. Mit den Möglichkeiten der heutigen Technik kann das Tierwohl auch in größeren Betrieben sichergestellt oder sogar verbessert werden. Aktuell werden noch nicht in allen Betrieben solche teuren Techniken eingesetzt, da der Preisdruck bei der Herstellung von Lebensmitteln so enorm ist und diese Techniken noch nicht aus wirtschaftlicher Sicht eigesetzt werden können.

Wie sehr ist die Landwirtschaft von der Corona-Krise betroffen?

Andreas Breher: Das ist für uns etwas schwierig einzuschätzen. Daher kann ich lediglich meinen Eindruck beschreiben: Im Frühjahr und Sommer fehlten vor allen Dingen Helfer für die Gemüseernte aufgrund von Einreisebeschränkungen. Diese Ausfälle überhaupt zu ersetzen ist schwierig und mit Kosten verbunden. Die Gastronomie Schließung trifft auch sehr stark auf das Allgäu zu, da dieses zudem touristisch geprägt ist. Daraus resultierte ein Rückgang an konsumierten Fleischprodukten. Die Gastronomie bezieht das Fleisch oftmals von regionalen Produzenten, denen nun die Absatzmöglichkeiten fehlen. Schon seit dem Lockdown im Frühjahr ist auch die Milchwirtschaft betroffen. Durch den temporären Exportstopp von Milch und Milchprodukten, konnten diese nicht wie üblich abgesetzt werden. Aktuell scheint es aufgrund der Weihnachtszeit und dem Jahresende eine steigende Nachfrage an Butter und Käse von privaten Haushalten zu geben.

Wie kann die Wirtschaft durch Ihre Idee profitieren?

Simon Cordella: Da wir ein technisches Produkt herstellen benötigen wir verschiedenste Zulieferer für Material und Dienstleistungen. Vorwiegend beziehen wir unser Material von deutschen Zulieferern. Die komplette Fertigung ist lokal im Allgäu angesiedelt und leistet somit einen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen, wenn auch noch einen eher geringen.

Sind in Zukunft weitere Projekte geplant?

Andreas Breher: Aktuell sind wir komplett auf dieses Projekt fixiert. Hier werden auch weiterhin noch Verbesserungen und Weiterentwicklungen anstehen. Trotzdem werden wir die Augen nach Problemstellungen in der Landwirtschaft offen halten, die durch den Einsatz von technischen Geräten gelöst werden können.

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