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Digitale Pollen-App verbessert Lebensqualität in Bad Hindelang
Modellprojekt

Digitale Pollen-App verbessert Lebensqualität in Bad Hindelang

(v.l.n.r.): Dr. Markus Koch (Chefarzt der KJF Alpenklinik „Santa Maria”), Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann (Universität Augsbur
(v.l.n.r.): Dr. Markus Koch (Chefarzt der KJF Alpenklinik „Santa Maria”), Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann (Universität Augsburg, Institut für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit, EMIH), Eric Enders (2. Bürgermeister Markt Bad Hindelang, in Vertretung von 1. Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel), Klaus Holetschek (Fraktionsvorsitzende der CSU im Bayerischen Landtag), Tobias Keuschnig (Designierter 1. Bürgermeister Markt Bad Hindelang), Maximilian Hillmeier (Vorstandsmitglied Bayerischer Heilbäder-Verband e.V.). Foto: Bad Hindelang Tourismus / Wolfgang Kleiner

Ein bayerisches Modellprojekt am Standort Bad Hindelang verbindet Umwelt, Digitalisierung und Medizin. Erste Ergebnisse zeigen, dass Prävention wirksam sein und wirtschaftliche Impulse setzen kann. Wie besonders der Standort dazu beiträgt.

In Bad Hindelang wurde 2022 ein Real-Labor für Umweltmedizin gestartet. Das Projekt erhielt eine Förderung von 200.000 Euro durch den Freistaat Bayern. Ziel ist es, den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Gesundheitsvorsorge messbar zu machen. Im Fokus steht die Frage, wie saubere Luft und eine intakte Natur konkret zur Prävention beitragen können. 

Forschung zwischen Umwelt und Gesundheit 

Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann. Sie verbindet Forschung und Praxis. Gemeinsam mit regionalen Partnern wird untersucht, wie Umweltfaktoren die Gesundheit beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt die KJF Alpenklinik Santa Maria unter Leitung von Dr. Markus Koch. 

Die entwickelte „PollDi-App“ ist ein Kernelement des Projekts, denn sie verknüpft Umwelt- und Gesundheitsdaten miteinander. Die App erfasst Symptome und erstellt individuelle Prognosen für Pollenallergiker. Einwohner und Gäste wurden aktiv in die Forschung einbezogen. Erste Ergebnisse wurden in der Klinik vorgestellt. 

Digitale Prävention mit messbarem Nutzen 

Die Auswertungen zeigen ein klares Potenzial. Die Kombination aus digitaler Anwendung, Umwelt und Daten stärkt die Prävention. „Die Medizin der Zukunft ist smart, vielfältig und gesund. Prävention ist eine Investition in die Zukunft“, betont Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann. Bad Hindelang gilt zudem als ein geeigneter Standort für das Real-Labor. „Die Kombination aus sauberer Luft, intakter Natur und gezielter Forschung schafft ideale Voraussetzungen für wirksame Prävention - in Bad Hindelang wird die Umwelt selbst zum Gesundheitsfaktor“, so Traidl-Hoffmann.

Luftqualität begünstigt Forschungsstandort 

Auch die Standortwahl im Oberallgäu wird begründet, denn diese sei kein Zufall. „An der KJF Alpenklinik Santa Maria befindet sich das öffentlich nutzbare Allergie Kompetenzzentrum und seit über 40 Jahren die längste Pollenmessreihe Deutschlands, Oberjoch gilt als besonders pollenarm“, erklärt Chefarzt und Klinikleiter Dr. Markus Koch. Messungen würden diese besonders niedrigen Schadstoffwerte bestätigen. Die Region weist laut Weltgesundheitsorganisation eine der besten Luftqualitäten weltweit auf. Hinzu kommt eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Herbizide, Pestizide und Kunstdünger. 

Studie belegt Verbesserung der Lebensqualität 

Eine kontrollierte Studie bestätigt die Wirkung des Ansatzes. Das Team um Projektleiterin Caroline Holzmann untersuchte den Nutzen der App. Die Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der Lebensqualität bei Allergikern. Je stärker die Symptome, desto größer sind die Einschränkungen im Alltag. Entscheidend sind präzise Pollenprognosen auf Basis lokaler Echtzeitdaten. „Der tatsächliche klinische Nutzen digitaler Pollen-Apps war bislang unklar, da kontrollierte Studien fehlten. Genau an dieser Schnittstelle - zwischen digitalem Selbstmanagement, Umweltfaktoren und fehlender Evidenz - entstand die Idee für unser Projekt“, schildert Holzmann. 

Gesundheitspolitische und wirtschaftliche Bedeutung 

Die Ergebnisse treffen auf aktuelle Debatten im Gesundheitswesen. Steigende Kosten erhöhen den Druck auf das System. Vertreter von Heilbädern und Kurorten fordern mehr Prävention. „Statt vorrangig über Kürzungen zu sprechen, muss es darum gehen, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen“, betonte Landrat Peter Berek, Präsident des Bayerischen Heilbäder-Verbandes. Die richtige Prävention sei zielführend, um langfristig Kosten zu senken und Lebensqualität zu sichern. 

Bayern verfügt über ein dichtes Netz an Gesundheitsdestinationen. Dazu zählen 49 Heilbäder, 85 Luftkurorte und mehr als 200 Erholungsorte. Diese Infrastruktur ist auch wirtschaftlich relevant. Sie umfasst Millionen Übernachtungen und zahlreiche Arbeitsplätze im ländlichen Raum. „Dieses Netzwerk steht für Qualität, Prävention und nachhaltige Entwicklung und ist zugleich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit 23,3 Millionen Übernachtungen, 5,6 Millionen Gästeankünften sowie rund 100.000 Arbeitsplätzen im ländlichen Raum“, betont Vorstandsmitglied Maximilian Hillmeier. In Zeiten steigender Temperaturen, wachsender Umweltbelastungen, zunehmender Allergien und einer älter werdenden Bevölkerung braue es diese Orte, damit Menschen ihr seelisches Immunsystem stärken und ihre Gesundheit nachhaltig fördern können. Diese Faktoren turgen auch zur Auszeichnung von UN Tourism zum „Best Tourism Village“ im vergangenen Jahr bei. 

Rolle der Alpenklinik im Modellprojekt 

Die KJF Alpenklinik Santa Maria ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Sie behandelt chronisch kranke Kinder und Jugendliche. Dazu gehören Atemwegserkrankungen, Hautprobleme, Nahrungsmittelallergien und Adipositas. „Eine bundesweite Qualitätsmessung weist unsere Klinik konstant auf den Plätzen eins bis drei aus - darauf sind wir sehr stolz“, erklärt Dr. Markus Koch. Auch die Rückmeldungen der Patienten scheinen positiv auszufallen. „Bis zu 80 Prozent der Familien geben direkt nach der Reha an, dass ihre Therapieziele erreicht wurden und die positiven Effekte oft noch Jahre nach der Behandlung wirken“, so Koch weiter. Die Klinik spielt eine zentrale Rolle für den Standort Bad Hindelang und vervollständige die Gesundheitskompetenz im Allgäu. 

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